Was habe ich mich auf "Micky Epic 2" gefreut, wäre doch der erste Teil des Spiels damals für mich einer der wenigen Kaufgründe für die Wii gewesen, da das Spiel exklusiv für Nintendos Konsole erschienen ist. Der Nachfolger ist nun feinerweise plattformübergreifend - und ich habe mir die PS3-Version gesichert. Doch erstmal zum Spiel selbst:
Als Disney-Fan freut es mich, was es alles zu entdecken gibt. Von den bekannten Charakteren wie Micky, Donald, Goofy und Daisy (die letzteren im Spiel als Terminator-mäßige Roboter) bis hin zu hierzulande komplett unbekannten Figuren, wie die Gremlins, die Kinderbuchautor Roald Dahl (Charlie und die Schokoladenfabrik, Hexen hexen, usw.) vor einigen Jahrzehnten für Walt Disney geschrieben hat (meines Wissens gibt es bisher auch nur eine illustrierte amerikanische Ausgabe diese Buches). "Micky Epic 2" ist für ein bis zwei Spieler geeignet. Im 2-Spieler-Modus steuert ein Spieler Micky Maus, der andere Oswald, den glücklichen Hasen. Wenn man - wie ich - alleine spielt, steuert man Disneys ursprünglich beinahe "Mortimer Mouse" genannten Micky. Und hier beginnt auch schon die Unübersichtlichkeit, die sich in meinen Augen durch das ganze Spiel zieht. Denn Micky und Oswald haben unterschiedliche Fähigkeiten - und im Einspielermodus klappt das Miteinander nicht immer reibungslos.
Micky besorgt sich zu Spielbeginn einen Zauberpinsel, mit dem er wahlweise Farbspritzer oder Verdünner verteilen kann. Mit der Farbe lassen sich beschädigte Elemente von Wasteland wieder instant setzen und unsichtbare Objekte werden wieder sichtbar, während der Verdünner Hürden und Hindernisse eliminiert, zu mancher Rätsellösung benötigt wird und auch den Feinden übel zusetzt. Spritzt man hingegen mit Farbe auf die Feinde, werden viele von ihnen zu unschädlichen Micky-Fans.
Oswald verfügt über eine Fernsteuerung, kann Elektrizität abgeben und mit seinen Schlappohren zum Hubschrauber mutieren. So kann der Hase beispielsweise die Maus über Klippen tragen, Schalter aktivieren oder Gremlins-Fallen entschärfen. Allerdings müssen dazu beide Charaktere ziemlich nah beieinander stehen damit man solche "Buddy-Moves" auch ausführen kann. Während man beispielsweise bei den Lego-Spielen problemlos zwischen (mindestens) zwei Charakteren auch als Einzelspieler wechseln kann, ist das bei "Micky Epic 2" leider nicht möglich (oder ich stell mich zu doof an).
Unübersichtlich beziehungsweise ein bisschen chaotisch wird es im Spiel immer dann, wenn man Oswald erst mal suchen gehen muss, um eine Co-Op-Handlung starten zu können. Hier ist die KI (Künstliche Intelligenz) des Karnickels nicht wirklich überzeugend umgesetzt.
Ebenfalls für mich unübersichtlich gelöst: Die Level-Struktur. Um durch Wasteland zu gelangen, müssen viele Wege genutzt werden, die nach und nach aktiviert werden können. Hier ein Aufzug, dort eine unterirdische Röhre, da eine Höhle. Außerdem muss man mit den Wasteland-Bewohnern sprechen (von denen erstaunlicherweise so gut wie alle entweder wie Rudi Ross oder wie Klarabella Kuh aussehen!) und deren gestellte Aufgaben erledigen. Mal müssen Objekte fotografiert, mal zwei der drei kleinen Schweinchen gefunden oder die Sicherung in der Eisdiele wieder repariert werden. Wann ich ein einzelnes Kapitel abgeschlossen habe, welche Aufgabe ich schon erledigt habe - oder gar, wie sie zu lösen ist, ist auch nach mehreren Spielstunden nicht in jedem Fall vollkommen befriedigend zu beantworten...
Das Spiel selbst ist ein augenschmeichlerisch umgesetztes Jump'n'Run-Abenteuer geworden, das für Disney-Fans an allen Ecken tolle Überraschungen versteckt hält. So kann man beispielsweise einen balletttanzenden Vogel Strauß aus "Fantasia" entdecken, Schneewittchen und den Prinzen als Wandrelief und Türdeko finden oder auch die böse Hexe Malefiz entdecken. Auch Disney-Park-Fans werden einige Oho!-Momente erleben, wenn sie beispielsweise die Statue von Walt Disney finden. Allerdings hält hier die Disney-Figur nicht Micky Maus sondern Oswald an der Hand... Ebenfalls typisch Disney-Park: Die suche nach den "versteckten Mickys", soll heißen, ein großer Kreis und zwei kleinere müssen gefunden werden. Diese geometrischen Grundformen dienen als Silhouette des Mauskopfes. Fotografiert man sie, bekommt man eine In-Game-Überraschung.
Ein weiterer Punkt zum klagen: Manchmal funktionieren die Aktions-Knöpfe des Controllers etwas zeitverzögert. So möchte man zum Beispiel einen Laden betreten (bei der PS3-Version mit dem X-Button) - drückt man ihn zu schnell, springt jedoch die Maus, anstatt den Shop zu betreten. Man muss kurz vor der Tür stehen bleiben, keinen Knopf drücken, und dann erst den Button drücken. Das bremst etwas den Spielfluss, sollte sich aber durch ein Upgrade des Spieles nachträglich hoffentlich noch ändern lassen.
Im Spiel lassen sich unter anderem auch Kostümteile finden. Hat man jeweils drei zusammengehörende Teile gesammelt, kann Micky beispielsweise als Zauberlehrling aus "Fantasia" weiterspielen - mit neuen verstärkten Fähigkeiten.
Als Extra winkt - neben eine Bildergalerie und den freigeschalteten animierten Zwischensequenzen - auch noch der Silly-Symphonies-Kurzfilm "Dance of the skeletons", der 1929 vom großartigen Künstler und Techniker Ub Iwerks animiert wurde.
"Micky Epic 2" ist komplett deutsch verortet, die Stimmen sind passend gewählt - und der "Mad Doctor", dem es erneut das Handwerk zu legen gilt, macht das Spiel zu einem überaus vergnüglichen Disney-Musical.
Der 3D-Modus des Spiels ist grafisch knackig geworden - und zieht den Spieler sofort ins Geschehen. Die Grafik ist ohnehin sehr hübsch geworden, die Animation wurde ebenfalls flüssig und somit tadellos umgesetzt. Toll auch: Man kann durch reparierte Projektoren in alte Micky-Maus-Kurzfilme springen, und hier klassische 2D-Abenteuer - teilweise in Schwarzweiß - erleben. Hier wurden die Filmthemen passend und authentisch umgesetzt, und bieten somit Spielspaß auf sehr hohem Niveau, gerade für Disney-Fans, die die einzelnen Shorts auch kennen...
Somit als Fazit: einen Stern Abzug für die chaotische Levelstruktur und die zeitverzögert funktionierende Aktions-Taste. Trotzdem große Unterhaltung für alle Disney-Fans und Freunde von Jump'n'Run-Games. Vier Sterne und eine Kaufempfehlung für die genannten Zielgruppen.
PS: Es gibt noch eine amazon-exklusive Version des Spiels mit haufenweise Extras, die den Aufpreis von zirka 10 Talern rechtfertigen.