Das Wasteland, die Heimat der vergessenen Disney-Figuren, wird von Erdbeben erschüttert. Die Katastrophe ist so schlimm, dass sogar der Mad Doctor seine Unterstützung anbietet. Toon-Anführer Oswald bittet seinen alten Freund Micky um Hilfe. Mit dem magischen Pinsel bewaffnet machen sich der glückliche Hase und die mutige Maus auf, um der Ursache für die Beben auf den Grund zu gehen...
'Die Macht der 2' ist die Fortsetzung von 'Micky Epic'. Kenntnis des Vorgängers ist nicht notwendig, aber wer ihn kennt, wird sich direkt heimisch fühlen: Mit dem magischen Pinsel kann Micky Gegner und Gegenstände entweder mit Farbe ausmalen oder mit Verdünner auslöschen, was interessante Interaktionen mit der Umwelt ermöglicht. Im Gegensatz zum ersten Teil ist Mr. Maus aber nicht mehr alleine unterwegs, sondern wird von Oswald begleitet. Dieser ermöglicht Kurzstreckenflüge und kann mit seiner Fernbedienung Gegner lähmen oder Maschinen aktivieren.
Insgesamt ist das Spiel deutlich weniger kampflastig als sein Vorgänger, die Gegner setzen hier eher auf Qualität als auf Quantität.
Spieleentwickler Warren Spector hatte sich zum Ziel gesetzt, dem Spieler größtmögliche Handlungsfreiheit zu lassen, und dieses Ziel wurde erfüllt. Es gibt immer mindestens zwei Wege, ein Problem zu lösen, und für welchen Weg der Spieler sich entscheidet, ist völlig ihm überlassen. Ein Beispiel: Micky soll durch eine Straße voller Gegner gehen, ohne dass diese Alarm auslösen. Hier kann man wählen, ob man sich unsichtbar an ihnen vorbeischleicht, sie mit Farbe freundlich stimmt oder mit Verdünner vernichtet – Alarm auslösen können sie in allen drei Fällen nicht. Jede Entscheidung hat allerdings Konsequenzen: Wer im genannten Beispiel die letzte Methode wählt, verärgert einen Freund der Kleckse, der Micky dann nicht mehr unterstützt. Allgemein wirken sich die Entscheidungen darauf aus, welche Gegenstände oder Ressourcen man bekommt und wie der Abspann aussieht. Das sorgt für einen hohen Wiederspielwert.
Gut gelungen ist auch die Disney-Atmosphäre, die sehr gut eingefangen wurde. Seien es das Wiedersehen mit Figuren wie den Piraten aus 'Peter Pan', seien es die für Disney typischen Gesangseinlagen, seien es die an alte Cartoons angelehnten 2D-Projektorwelten, seien es Mickys freischaltbare Kostüme - alles fügt sich so perfekt in das Spiel ein, dass man wirklich stellenweise das Gefühl hat, einen alten Cartoon zu spielen. Die ausgezeichnete deutsche Lokalisierung trägt ebenfalls viel zur gelungenen Atmosphäre bei. Die Sprecherliste liest sich wie ein Who's who der deutschen Synchronsprecher: Unter anderem dabei sind Mario von Jascheroff und Tilo Schmitz (Micky bzw. Karlo in der Serie 'Micky Maus Wunderhaus'), Ekkehardt Belle (Gus), Ilja Richter (Prescott), Gudo Hoegel (Jamface), Philipp Brammer (Grüner Kobold), David Nathan (Ian) und Sandra Schwittau (Ansteckerhändlerin). Auch wenn einige Sprecher mehrere Rollen übernehmen, ist die Sprechleistung doch hervorragend – man merkt, dass hier Profis am Werk waren.
Leider hat das Spiel auch ein paar deutliche Schwächen. Die erste große Schwäche ist die Kamerführung. Die ist zwar besser als im Vorgänger -was nicht besonders schwer ist-, aber immer noch bestenfalls unterdurchschnittlich. Die Kamera muss ständig manuell nachjustiert werden, was gerade in Kämpfen stört. Gelegentlich verliert man auch sein Bildschirmleben, weil die Kamera einfach nicht schnell genug hinterherkommt. Was vor allem fehlt, ist eine Möglichkeit, die Kamera wieder hinter Micky zu positionieren. In der Theorie ist das zwar möglich, in der Praxis funktioniert es in den meisten Fällen nicht.
Zweiter Kritikpunkt ist Oswalds KI, die an ein feuchtes Brötchen erinnert (das Problem lässt sich aber mit einem zweiten Spieler aus der Welt schaffen). Der Hase läuft sich mit Vorliebe an Ecken oder Vorsprüngen fest und ist sich zu fein, um bestimmte Stellen zu betreten. Was besonders schön ist: Er steht gerne daneben und schaut zu, wie Micky geplättet wird, anstatt eine Wiederbelebung durchzuführen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Ein paar Sprüche mehr hätten ihm als ständigen Begleiter auch nicht geschadet, denn die Wiederholungen sind irgendwann nur noch nervtötend.
Dritte Schwäche ist die Aufgabenstellung. Es gibt kein anderes Spiel, dass den Spieler so sehr an die Hand nimmt und gleichzeitig so allein lässt. Die Hauptaufgaben werden idiotensicher erklärt -Sidekick Gus gibt ständig Hinweise, was als nächstes zu tun ist-, die Nebenaufgaben sind teilweise so schwammig formuliert, dass man keine Ahnung hat, was zu tun ist.
Die letzte Schwäche ist die verhältnismäßig kurze Spielzeit. Wer sich nicht um die Nebenaufgaben kümmert, hat nach etwa acht bis zehn Stunden den Abspann gesehen. Das wird aber durch den hohen Wiederspielwert teilweise kompensiert.
Insgesamt handelt es sich bei 'Die Macht der 2' um eine gute Idee mit deutlichen Schwächen in der Umsetzung. Das Spiel ist zwar etwas besser als sein Vorgänger, aber für ein wirklich gutes Spiel müssen Kameraführung und Kumpel-KI verbessert werden.