Als 1968 "Das Dschungelbuch" in die deutschen Kinos kam, ahnte wohl noch keiner, dass es mit über 27 Millionen Zuschauern Deutschlands erfolgreichster Kinofilm aller Zeiten werden würde. So nahe liegend der Versuch einer Fortsetzung erscheinen mag, so problematisch kann er auch sein: Perfekte Dinge kann man eigentlich nicht verbessern. Wahrscheinlich kommt "Das Dschungelbuch 2" deshalb erst 35 Jahre nach dem Erscheinen des Teil 1 in die Kinos.
Das dazugehörende Buch aus der Reihe "Disneys Meisterwerke" wurde von Alke Hauschild-Langemann ins Deutsche übersetzt. Es macht Spaß zu sehen wie sich die bekannten Figuren des ersten Teils nun in der Fortsetzung bewähren: Mogli, der von Balu aus Sehnsucht wieder zu einem Dschungelabenteuer verführt wird, begegnet Baghira, Kaa und dem Sohn des Elefantenoberst Hathi wieder. Und noch immer sucht Tiger Shir Khan, der auf Rache sinnt, nach Mogli. Auch neue Personen tauchen in wichtigen Rollen auf: Shanti, das kleine Mädchen, dem Mogli am Ende des ersten Teils in das Menschendorf gefolgt war, und deren kleiner mutiger Bruder Ranjan, der auch für Mogli wie ein noch sehr junger Bruder ist.
Die Geschichte hat nach wie vor einen hintergründigen Reiz: Der Mensch von heute, repräsentiert durch Mogli, steht im Spannungsfeld seiner Herkunft als Instinktwesen (der Dschungel) und seiner Sozialisation in einer modernen Zivilisation (die Menschensiedlung). Die Überschrift des letzten Kapitels "Das Beste aus beiden Welten" kann hier durchaus wie die daraus resultierende Aufgabe für uns verstanden werden.
Schade nur, das einige Protagonisten des ersten Teiles entweder ganz fehlen, wie der so herrlich swingende Oberaffe King Louie, oder zu kleinen Nebenrollen verdammt sind, wie der Panther Baghira. So werden vor allem die Nostalgiefans eventuell leicht enttäuscht sein. Es hat allerdings auch den Anschein, dass "Das Dschungelbuch 2" vor allem für ein sehr junges und neues Publikum, noch frei von jeglichen Vergleichen mit einem zum Kult gewordenen Teil 1, entwickelt wurde: Der dicke Windelhintern des kleinen Ranjan etwa, der ein wenig an einen weiteren Teletubbie denken lässt, ist ein Beleg hierfür.
"Das Dschungelbuch 2" ist ein Muss für alte und neue Fans, die der Fortsetzung der Mogli-Saga ein wenig Zeit und somit eine Chance geben, sich zu einer eigenen Gestalt zu entwickeln.