Das reichlich gespendete und natürlich gebührende Lob für den Zeichner will ich hier nicht wiederholen, sondern nur ein paar kritische Hinweise zur "Hall of Fame"-Ausgabe geben. Potentielle Käufer, die vielleicht Bände aus Don Rosas "Onkel Dagobert"-Heftreihe besitzen, sollten sich über folgendes klar sein:
1. Das Format ist deutlich kleiner. Gerade die detailreichen Zeichnungen Rosas wirken m.E. in den großformatigen Heften etwas besser.
2. Die Kolorieriung ist anders. Mich stört das nicht, jeder entscheide selbst.
3. Die enge Schrift ist nicht unbedingt eine Augenweide.
4. Das wichtigste: Die Texte wurden neu übersetzt. Wie Don Rosas häufige Klage in den Vorworten schon vermuten lässt, wurde hier vor allem Originaltreue angestrebt (dazu gibt es hier schon einen interessanten Austausch in den Kommentaren versteckt). Das ist aber m.E. nicht immer zum Vorteil der Texte. Ein Beispiel ist folgende Stelle in "Der schwarze Ritter" (Bd. 18, S. 39): Der sagenhaft geizige Dagobert ereifert sich über die Formulierung, der Ritter habe "nur" einen Beutel Diamantenstaub gestohlen, während Donald ungerührt bleibt:
Alter Text
Da.: Was heißt "nur"? -- Donald! Was meint das Kind mit "nur"?
Do.: Soviel wie "bloß".
Neuer Text
Da.: Nur? Nur? -- Was meint er denn mit "nur"?
Do.: Reg dich ab.
In der alten Fassung ist der Text in Verbindung mit den Zeichnungen von Dagoberts theatralischem Händeringen und Donalds demonstrativer Ungerührtheit sehr komisch - in der neuen nicht. Einem Übersetzer, der auf Texttreue verpflichtet wird, ist das natürlich nicht anzulasten, aber den Sinn dieser Vorgabe kann man schon anzweifeln: Ein guter Zeichner muss ja kein besonders guter Texter sein. Die Barks-Übersetzungen von Erika Fuchs z.B. haben ihren guten Ruf gegenüber den eher faden Originaltexten völlig zu Recht. Nicht zu vergessen: Während Kinder auf Autorenkult eh keinen Wert legen dürften, können Erwachsene, die philologisches Interesse an Rosas Originalton haben, einfach das Original lesen!
Die oben zitierte Stelle fällt natürlich nur im Vergleich auf. Im Text der "Goldmühle" dagegen gibt es auch ohne Griff zur Konkurrenz Probleme: U.a., dass hier das allgegenwärtige altertümelnde Dativ-e ("dem gier'gen Griffe", "zum Nebelberge" usw.) an mehreren Stellen auch auf andere Fälle übertragen wird, um das Metrum vollzukriegen. Und das stimmt dann ja einfach hinten und vorn nicht: "Löste ich besagten Stifte", "Wir, die ew'gen Schlafe schlafen" ... Hauptsache, mal hinten ein e dranpappen, dann klingts schon irgendwie alt! Es ist vermutlich keine dankbare Aufgabe, so etwas für einen Disney-Comic zu übersetzen, aber in dieser Form ist das schon etwas ärgerlich.
Schön ist, dass mit Abschluss dieser (etwas merkwürdig zur Gesamtausgabe umgewidmeten) Reihe das Werk Don Rosas komplett in Sammelbänden vorliegen wird. Insgesamt halte ich aber die leider vergriffene Heftreihe der neuen gebundenen Ausgabe für überlegen - wenn man auf solche Details denn Wert legt.