Im kürzlich im New in Chess Verlag erschienen Eröffnungsbuch setzt sich der frühere spanische Champion, der Schachgroßmeister und bekante Schachtrainer Jesus de la Villa mit dem weiten Feld der Hauptvarianten der Sizilianischen Verteidigung, welche nach 1. e4 c5 2.Sf3 entstehen können, auseinander.
Wie der Titel vermuten lässt, geht es ihm dabei besonders darum, aus weißer Sicht Mittel und Wege aufzuzeigen um die wohl am häufigsten vorkommende Schacheröffnung wirkungsvoll zu bekämpfen.
De la Villa hat sich die Messlatte aber sehr hoch gelegt. Er möchte ein komplettes Repertoire gegen Sizilianisch auf der Basis der Hauptabspiele anbieten, denn nur in diesen Varianten - so lautet sein Credo - sei auch wirklich Vorteil zu erlangen.
Sehr sympathisch wirkt dabei der Ansatz den umfangreichen Theoriekomplex anhand von 83 vollständigen und reich kommentierten Partien vorzustellen.
Vorbildlich ist nicht nur die Aufmachung in Zweispaltendruck mit ausreichend Diagrammen und figuriner Notation, sondern insbesondere auch die Übersichtlichkeit mit der die von der Stammpartie abweichenden Zugfolgen dargestellt werden.
Auch die Gliederung jedes Kapitels in Einleitung, Geschichte und Zusammenfassung werten das Buch auf. Positiv zu erwähnen ist neben einem Spielerindex auch das gute Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches, welches das schnelle Auffinden der gewünschten Variante erlaubt.
Bemerkenswert ist die Auswahl der Partien. Häufig greift der Autor auf Begegnungen weniger bekannter Spieler zurück, aber trotzdem sind die Partiebeispiele durchaus sehr instruktiv und damit zweckdienlich . Dass Jesus de la Villa für die Wertigkeit der Partien Sterne (von eins bis fünf) vergibt, scheint gut gemeint, wirkt aber doch sehr subjektiv und überflüssig.
Ob allerdings der Autor seine Intention "Ein vollständiges Repertoire für Weiß" auch einlösen kann, erscheint zumindest dem Rezensenten sehr zweifelhaft.
Auf den 336 Seiten behandelt de la Villa schließlich nicht nur komplexe Systeme wie etwa Paulsen, Sveschnikov, Schevenningen, Taimanov oder gar die Najdorf - Variante. Ob man zum Beispiel auf 32 Seiten die Drachenvariante auch nur halbwegs ausreichend für den Turnierspieler abhandeln kann, ist kaum vorstellbar. Allenfalls kann ein Überblick über die Grundideen der jeweiligen Systeme gegeben werden.
Dieser allerdings wird dem Leser in hervorragender Weise geliefert. Sehr ausführliche Anmerkungen zu typische Manövern und Plänen fehlen ebenso wenig, wie die Hinweise auf Zugumstellungen, die in andere Systeme überleiten können.
Ein weiteres Plus dieses Eröffnungswerkes ist, dass beinahe alle Ideen ausführlich in Textform erklärt und nicht - wie inzwischen leider häufig Mode geworden - nur in Art der Eröffnungsenzyklopädie in Tabellenform mit Informatorsymbolen ein besserer Datenbankausdruck geboten werden.
Im Übrigen scheint das Buch auch ideal für den Aufbau oder das Ändern eines Sizilianisch- Repertoires zu sein, da man sich sehr schnell einen Überblick über die typischen Facetten des jeweiligen Systems machen kann. In diesem Sinn ist das Buch den Schachfreunden, welche sich mit den Hauptvarianten der sizilianischen Verteidigung auseinander zu setzen haben, sehr zu empfehlen.
Verglichen mit den für den Einstieg in die sizilianischen Systeme sehr hilfreichen, aber fast schon historisch zu nennenden Buch "Wie man spielt man Sizilianisch" von David Levy und Kevin O` Connell oder z.B. auch den beiden Bänden "Im sizilianischen Labyrinth" von Lew Polugajewski, ist de la Villas Werk wesentlich ausführlicher, strukturierter und vor allem lehrreicher. Wenn man so will, also eine optimierte Kombination aus den erwähnten Publikationen.
Die hervorragende optische Aufmachung und die systematische Darlegung der Thematik (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) machen das Durcharbeiten bzw. die Lektüre des Buches sehr angenehm und lohnend.
Da der Wortschatz nur selten über das gängige Schulenglisch hinausgeht, sind die Anmerkungen im Buch leicht verständlich.