Janet Jacksons Karriere hat sich in dieser Dekade immer weiter bergab entwickelt. Trotz einiger guter Ideen auf ihren beiden letzten Alben, schaffte Janet es einfach nicht an die Zeiten der Glanz und Glorie aus den 80ern und 90ern des vorigen Jahrhunderts anzuknüpfen. Ein Labelwechsel - weg von Virgin und hin zu Universal - sollte diesem Abwärtstrend ein Ende setzen. Mit "Discipline" liegt nun Janets bis dato 10. Longplayer vor. Und erstmals in dieser Dekade überrascht die Sängerin mit einem futuristischen Sound. Nach Nelly Furtado, Justin Timberlake, Britney Spears und diversen anderen nun also auch Janet! Anders als ihre Kollegen war diese allerdings schon in den 80ern für harte Beats und Synthie-Klänge bekannt und präsentiert uns quasi jetzt ihren Sound in frischer Form. Das Jimmy Jam und Terry Lewis diesmal nicht mit von der Partie waren, hat Janet zudem hörbar davor bewahrt nur eine aufgewärmte Version früherer Hits zu präsentieren, wie es beim dem Vorgänger "20 Y.O." streckenweise der Fall war. Diesmal waren neben Jermaine Dupri u.a. Ne-Yo, The Dream, Tricky Stewart, Rodney Jerkins und Missy Elliot für die Produktion verantwortlich. Herausgekommen sind die sehr gelungenen und sehr tanzbaren Stücke "Feedback" (erste Single), "Rock with u" u. "2nite". Daneben gibt es einige ganz nette Up-Tempo-Tracks wie "Luv", "Rollercoaster" und "So much betta" (mit Daft Punk Sample!). Bei dem Titelstück handelt es sich um einen typischen Slow Jam à la "Rope burn" oder "Any time any place", der allerdings im direkten Vergleich etwas blasser daher kommt. Für Balladenliebhaber präsentiert Jackson schließlich das hübsche "Greatest X", bei dem sie jedoch stimmlich nicht wirklich überzeugen kann. Besser klingen ihre Lead-Vocals auf den etwas schnelleren romantischen Nummern "Never letchu go" und "Can't be good". Letztendlich überrascht sie jedoch auf keinem Stück mit ihren Sangeskünsten wie einst auf "Again". Im Arrangieren von Backgroundvocals macht Janet jedoch keiner so schnell Konkurrenz. So klingt ihre Lead-Stimme zwar durchweg dünn, verschwindet aber zumindest in einem perfekt arrangierten Teppich aus Backgroundvocals. Da Janet zudem schon immer deutlich mehr mit ihrer musikalischen Experimentierfreudigkeit und ihren Fähigkeiten als Entertainerin überzeugen konnte, fällt ihr etwas schwachbrüstiger Gesang hier nicht wirklich ins Gewicht. Des Weiteren verzichtet Janet auf "Discipline" weitestgehend auf allzu schlüpfrige Themen. Erfreulicherweise hält stattdessen die unschuldige Liebe auch mal wieder in ihre Texte Einzug.
Fazit: Janet erfindet auf "Discipline" das Rad nicht neu. Sie kann meiner Meinung nach auch nicht an ihre großen vier Alben aus den 80ern und 90ern anknüpfen. Dafür fehlt mit Ausnahme der ersten Single "Feedback" der ganz große Wurf. Auch die persönliche Note vermisst man stellenweise etwas. Verwundern tut das aber nicht, da Janet im Gegensatz zu ihren Vorgängeralben kein einziges Lied selbst verfasst hat. Trotzdem liefert Janet in dieser Dekade mit "Discipline" ihr bisher in sich geschlossenstes Album ab.
3 Sterne