Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ja, volle 5 Sterne!, 23. Dezember 2005
Von Ein Kunde
King Crimson, 1974 endgültig beendet und 1981 wieder gegruendet, haben mit dieser Platte tatsaechlich vollstaendig auf altes musikalisches Vokabular verzichtet. Anfangs hiess das Quartett sogar nicht KC, sondern Discipline.Bruford, Levin, Belew und Fripp haben hier mit einem neuen Sound ganz neu begonnen, in dem sich Einfluesse der New Yorker Musik Szene der fruehen achtziger finden lassen, ebenso wie minimalistische Anleihen, die auf die indonesische Gamelanmusik zurueckgehen. Hochenergetisch, so wuerde ich diese Musik beschreiben. Vier sehr virtuose Musiker spielen so exakt und ineinander verzahnt, dass man diese Platte immer noch zu den absoluten Highlights der Rockmusik zaehlen muss. Dabei rockt diese Scheibe auf intellektuelle Weise, was vielleicht wie ein Widerspruch klingen mag. Aber die ganze aufgeladene Energie hier stammt auch nicht von verzerrten Gitarren oder Rockroehrengesang. Tatsaechlich ist der Sound auch fast steril, trocken wie bei den Talking Heads. Die Musik klingt teilweise sehr, sehr schnell , sehr tight, und sehr wach. Anders gesagt: Diszipliniert, bis auf Belews wilde Soli und Brufords schnelle Drum-Rolls. Ein MEILENSTEIN!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überraschung!!! , 4. Januar 2007
Für mich gehört "Discipline" ganz klar zu den besten King Crimson-Scheiben. Die Freude war damals bestimmt groß, als eine der genialsten Bands ins Rampenlicht zurückkehrte. Für mich ein sehr gutes Beispiel, dass es möglich ist, hochwertigen Prog zu machen und trotzdem aktuelle, trendige Musikeinflüsse zu verarbeiten. Ganz klar ist hier die Verwandschaft zum New Wave-Sound der 80ger sowie Artbands wie den Talking Heads.
Trotzdem schaffen Fripp und seine Mannen (und das zeigt einfach ihre Qualität) hier ein Stück Musikgeschichte von eigener Qualität. Ohne kläglich zu scheitern wie z.B. Kansas, Gentle Giant und andere, gelingt hier eine perfekte Symbiose aus Progressive Rock und Zeitgeist der beginnenden 80ger. Vom Sound her elektronisch kühl, textlich avantgardistisch und musikalisch schräg, virtuos, perfektionistisch wie gewohnt. Auf Melotron und Blasinstrumente wird völlig verzichtet. Dafür neu die Arbeit am Stick von Toni Levin und Brufords elektronische Drum-Experimente. Neu auch der lockere Groove der Songs wie "Elephant Talk" unterliegt. Trotz eingängiger Refrains wie z.B. auf "Frame by Frame" braucht man auf Komplexität und Polyrhytmik nicht zu verzichten. Verstörend, schräg, beeindruckend: "Indiszipline", das mich von Fripps Gitarrenarbeit am ehesten an alte Zeiten wie "Large Tongues" oder "Red" erinnert. Hier jedoch eingebunden in ein musikalisch minimalistisches, textlich avantgardistisches Grundkonzept; mein Lieblingsstück. Neu auch die treibenden Beats und pulsierende Rhythmik, die auf "Thela Hun Ginjeet" wieder schön zum Tragen kommen.
Fazit: Ein herrausragendes Album, für Art Pop- und New Art Rock-Fans sehr zu empfehlen, 70ger Crimsos erst mal reinhören.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Strom aus der Steckdose, 8. Juli 2009
Wer die Rock-Musikgeschichte des Abendlandes nach 1960 nachvollziehen will, sollte sich dieses Album besorgen. Allerdings: im edlen ITunes Store gibt es keine einzige King Crimson Scheibe zu kaufen. Demnach liege ich hier mit meiner Meinung offensichtlich falsch.
Aber ich bleibe dabei: was die vier Ausnahmemusiker hier zaubern, ist unerhört. Man könnte diese Musik als Maschinenmusik ausweisen, wenn da nicht diese feinen Entwicklungen wären, die sich hin bis zu orgiastischen, tempogeladenen Ausbrüchen von metallischen Gitarrenriffs entwickeln.
"Thela hn ginjeet" ist vielleicht das interessanteste Stück der 6 Titel umfassenden Silberscheibe. Aus einem verdeckt aufgenommen Straßeninterview im Norden Manhattans, wo die Aufnahmen des Albums stattfanden, macht King crimson ein beängstigendes Hörspiel. "You are a police man" schreit einer der Streetboys den Gitarristen Adrian Belou in einer Aufnahmepause in den nächtlichen Bronx an. Die Situation wird brenzlig. Wieder zurück im Aufnahmestudio machen die Soundbastler daraus eine mitreißende Musik, die wie ein Bulldozer, dessen Baggerschaufel beim Fahren aus dem Asphalt Funken rausschlägt, durch Fingerdicke Stromkabel rast und dabei alles zerdeppert und hinter sich herschleift. Bill Bruford trommelt sich die letzten Ampere aus dem Körper, immer präzise, immer variantenreich, es grooved höllisch, eine Fahrt in einen Vulkan hinein. Tony Levin mit seinem Bass-Stick versorgt das Ganze mit großen Tonsprüngen, spannungsgeladenen Ton-Treppenläufen, als wenn eine fauchende Bestie hinter einem her wäre. Und Mastermind Robert Fripp steuert seine unnachahmlichen 16-tel Noten wie ein lebloser, kalter Sequenzer dazu, ein Klangteppich, der jeden Widerstand bricht. Und in all diesen Wahnsinn schmettert dann Belou seine Gitarrenriffs, die sich in angerautem, quiekendem Sound wie Blitze zwischen Stromkabeln hin und her winden, bis der Refrain, der angeblich eine Art Anagramm sein soll, hysterisch einfällt. - Danach muss man duschen gehen - oder auf Stahl beißen. Es ist wie eine Elektroschock Behandlung.
Der Rest des Albums? Genau so gut, nur anders. "Matte kudasei" herrlich verspielt - zum Aufatmen. Wenigstens da mal weniger als 10000 Volt. Aber nicht langweilig, weil hinter jeder Biegung eine Katastrophe warten könnte. Und so ist jeder Titel eine Offenbahrung.
Man muss das abgenutzte Wort leider bemühen: genial. Ich denke, man könnte mit der Musik aus jedem braven Bürger einen Psychopathen machen. Deshalb Vorsicht. Interessant: Bruford trommelt hier ohne Hi-Hat, verlegt sich ganz auf winzige Toms, alles klingt dumpf. Und das muss er auch, denn die überaus metallischen Gitarren beanspruchen das obere Tonsspektrum letztlich für sich. Dadurch wirkt die Platte ganz anders, als was man sonst so aus dem Rock kennt.
Ich habe Discipline Live gesehen - in München damals. Unglaublich. Ich vermute, sie hatten hinter der Bühne ein kleines Atomkraftwerk stehen. Es roch förmlich nach einem durchgeschmorten Generator. - Eine Musik, der Hölle entronnen.
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