Janet Jacksons Stern ist in den letzten Jahren weniger schnell gesunken als der ihres Bruders, und doch musste auch die auf Dauererfolg gebuchte Sängerin feststellen, dass der Zeitgeist weiterzieht.
Nach dem schlappen Retroalbum "20 Y. O." überrascht nun die Vehemenz, mit der sie auf aktuelle Musiktrends aufspringt. Wie bei vielen aktuellen Produktionen denkt man als erstes "Justin", denn der minimalistische Elektrosound von "Sexy Back" scheint durch allen Ritzen. Doch bevor man sich über das Plagiat ärgert, erstaunt die Qualität, hat Janet diesen Sound doch auf "Control" und "Rhythm Nation" selbst mitgeprägt.
Wie auf dem Cover inszeniert sich die Künstlerin als High-Techdiva; mehr Avatar als reale Frau. Ähnlich wie bei "Velvet Rope" tendiert sie zu derben sexuellen Anspielungen, die von brettharten Beats untermalt werden, und von den charakteristischen Interludes unterbrochen wird. Ihrem kaum vorhandenen Stimmchen tut dieser Unterbau gut.
So verbindet "Feedback" eine mechanische Strophe mit einem typischen mehrstimmigen Refrain, während "Luv" mit seinem bräsigen Synthyriff vom letzten Kanye West Album stammen könnte. Sogar klassische Janet-Midtemposongs wie "Rollercoaster" gewinnen durch treibenden Drumgroove, und auch ein Kylie-Discopopper gelingt ihr ("Rock With U").
Natürlich dürfen auch einige seidige Balladen nicht fehlen ("Cant B Good"). Nur hier wird sie zum Teil etwas konventionell ("Never Letchu Go"). Erstaunlich sauber abgekupfert ist auch das "Crazy For You" Ripoff "The 1", das auf ein Missy Elliott formtief schließen lässt.
Dieses Album könnte Janets "Ray Of Light" werden - ein Album, dass ihr einen komfortablen Platz im heutigen Musikbusiness schafft, ohne, dass sie ihre Wurzeln verleugnen muss.
Jetzt fehlt nur noch Whitney, und die Diven wären zurück ...