Vorliegendes Album ist wohl das schlechteste Album der Stones bis zu diesem Zeitpunkt, weshalb man den Titel dieses Albums für ziemlich zutreffend halten möchte: "Dirty Work". Denn die Songs wirken stellenweise etwas uninspiriert und ideenlos; nicht so ausgereift wie man es von den Stones sonst eher gewohnt ist.
Es gibt auf der Platte nicht den "großen Hit". Es wird etwas durchschnittlich.
Vorherrschender Stil hier ist der 80er- Jahre- Hardrock. Für Fans dieses Stils ist das Album nicht schlecht. Tatsächlich hat noch kein Album der Stones so sehr aus diesem aggressiven, neueren Stil bestanden wie dieses. Und dass die Stones diesen Stil durchaus beherrschen, beweisen sie mit dieser Scheibe.
Jagger singt hier durchgehend mit sehr aggressiver Stimme.
Die Aufnahmen wurden überschattet von starken Konflikten zwischen Jagger und dem zu dieser Zeit wieder recht gesunden Richards, sowie dem schlechten Zustand des Drummers Watts.
Jagger verfolgte zu diesem Zeitpunkt Soloprojekte, und stand für dieses Stones- Album daher nicht sehr häufig zur Verfügung. Das Album trägt daher stärker als die vorigen die Handschrift von Keith Richards.
Das Album fängt die schlechte Stimmung der Band gut ein: "Dirty Work" vermittelt schlechte Laune und Unzufriedenheit. Dazu passend handeln viele der Song- Titel und -themen von Aggressivität, Straßenkampf, u.Ä. Das ist das Konzept des Albums.
Dieses Thema nimmt man den inzwischen über 40 Jahre zählenden Bandmitgliedern aber nicht wirklich ab; am wenigsten dem aus gut situierten Verhältnissen entstammenden Jagger (Richards dagegen soll ja tatsächlich eine harte Jugend gehabt haben). Natürlich passen die Texte zum hier vorherrschenden Hard- Rock; viellt. ein Zugeständnis auch an den ZEitgeist?
Dennoch: das ALbum vermittelt gut den Zeitgeschmack der 80er- Jahre, an den sich die Stones wieder geschickt angepasst haben, bzw. diesen mit dieser Scheibe sogar geprägt haben!
Wer genau hinhört, der meint sogar hier schon die frühen Guns and Roses herauszuhören, die ja in dieser Zeit ihre Karriere gestartet haben, und die die Stones zu ihren prägenden Einflüssen gezählt haben (und mit ziemlicher Sicherheit haben sie auch dieses Album gehört!).
Das Album erreichte Platz 4 in den USA und in England.
Dass die Stones ihrem eigenen Songmaterial bei dieser Platte selber nicht viel zugetraut haben, kann man daran sehen, dass sie für die Single eine Coverversion ("Harlem Shuffle") ausgesucht haben, die sogar zu einem Hit in den USA (No. 5 der Charts) avancierte.
Die 2. Single dieses Albums war ein völliger Fehlgriff: die Eigenkomposition "One Hit to the Body", ein Stones- typischer, aber ziemlich schwacher Hardrock- Song, der in keinem Land nennenswerte Chartpositionen erreichte. Ich hätte mir die Single auch nicht - selbst als Stones- Fan - nicht gekauft. Man hätte besser andere SOngs der Platte als single auskoppeln sollen.
"Fight" z.B. ist schon besser, eingängiger; ebenfalls sehr aggressiv, und bringt Stones- typischen Sound dabei gut zur Geltung.
"Hold Back" ist wieder ein guter Hard Rocker, typisch für diese Zeit.
"Too Rude" ist eine Reggae- Cover- Version, gut gesungen von Keith Richards.
"Winning ugly" ist ebenfalls im typischen Geschmack für diese Zeit.
So auch "Back to zero".
"Dirty Work", rauer Hardrock.
Auch "Had it with you" ist typischer Hardrock; doch hier kommt der Stones- SOund dabei besonders passend zur Geltung. Einer der besten Songs der Platte, durchaus originell.
"Sleep tonight", von Richards gefühlvoll gesungen, ist die einzige Ballade des Albums, dennoch einer der besten Songs dieses Albums.
Zum Schluss sind noch in einem Hidden Track ein paar Takte Boogie des kurz nach diesem Album verstorbenen Keyboarders Ian STewart zu bewundern, dem dieses Album auch gewidmet ist.
FAZIT: die wandlungs- und anpassungsfähigen STones haben hier für diese Zeit ein sehr passendes Album vorgelegt, und bewiesen, dass sie den Zeitgeist mit gutem Hard Rock durchaus verstanden haben, und haben ganz gute Arbeit hingelegt, trotz des Desinteresses Jaggers an der Band zu dieser Zeit, und den starken Konflikten und Problemen der Band.
Fans dieses 80er- Jahre Hard Rock- Stils kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten.
Leider kommen die anderen Stile hier etwas zu kurz.
Auf jeden Fall haben die Stones hier mal etwas sehr neues und modernes ausprobiert - und das durchaus mit einigem Erfolg! (dank Keith Richards!).
Es ist daher eine durchaus interessante Platte, keine besonders gute, aber auch keine schlechte (gibt es von den Rolling Stones überhaupt eine "schlechte" Platte?).
Für eingefleischte Fans der Band, und für solche des 80er- Jahre- Sounds und insbesondere des HardRocks dieser Zeit jedenfalls durchaus ein Erlebnis!