und wieder einmal sitzt man gespannt vor einem Hiatt Machwerk, von dem man zuvor schon weiss, dass man daraus
eine Menge mitnehmen wird, nachdem man es in Nonstop-Schleife angehört hat, stundenlang.
Grossartiger songwriter, der Mann. Dazu diese carvige, einschneidende Stimme, versierte Musiker, Texte, die den
Americana-spirit aufgreifen, pointieren, verinnerlichen. Mitnehmen wird man auch hier vor allem Melancholität, Nachdenklichkeit, Wehmut, Trauer und Verstandensein. Und man hat Hiatt nicht wirklich zugehört wenn nicht auch heisse Tränen des Mitgefühls und der Solidarität rinnen bei -TIL I GET MY LOVIN BACK-, da reicht schon die erste Strophe,
- I wake in the mornin
out of my mind
and I used to lived for
that mornin sunshine
now I hide in the darkness
it s all I can do
til I get my lovin back
my lovin back from you...
Dagegen befröhlicht - I LOVE THAT GIRL - fast, obwohl es auch eher die Stimmung des Indian summer kurz vorm
Übergang in nebelgraue Herbstnässe beschwört, Mollstimmung eben, wie auch das cover in sepia mit einem fast
verwitterten ( nicht verbitterten ) John Hiatt.
Da macht er doch gleich ganz lässig auf Daddy Cool bei - ALL THE WAY UNDER -, vertraut und voll Zärtlichkeit
schleicht sich - DON T WANNA LEAVE YOU NOW - rein ins hungrige Hiatt-Hörer-Herz, ewig hungrig weil man ihm
nie genug zuhören kann, trotz reichhaltigsten Repertoires das da im Cd-Regal steht.
Schwungvoller road-sound zwischendurch mit - DETROIT MADE -, big block , she ll do all the work,
so we can ride in style, leather on those bucket seats, carpet, double pile....
Was wäre der toughe Americana-man ohne seinen Strassenkreuzer, am besten natürlich mit Haifischheckflossen...
Mystischen Zauber bringt - HOLD ON FOR YOUR LOVE -, irgendwie erinnert es an Ghostriders, die Gitarren
wahrscheinlich...,screamin John ! spätestens hier verstärkt sich hier die Gänsehaut, die nach - TRAIN TO BIRMINGHAM-
das groovige midtempo täuscht da nicht über den höchst melancholischen Text hinweg ), nicht dünner wird
bei - DOWN AROUND MY PLACE -.
- And before there came a flood
some lost all, even blood
now the sun and wind have come and left no trace
down around my place...
Dezenter Instrumenteneinsatz, Hiatts Stimme anfangs dunkel, unheilschwanger, zum Ende hin schreit er beinahe
raus, was ihn hier so beschäftigt...
Beschäftigt hat sich J H im im track - DAMN THIS TOWN - mit dem ganz normalen Wahnsinn einer Familie, nun die
eben beschäftigt ist - mit dem alltäglichen Wahnsinn, der auch in jeder guten Durchschnittsfamilie einbrechen
kann. Da macht einem der Einsteiger sowieso klar, dass man ohne dem näseligen Eigenbrötlertum des Interpreten
nicht lange auskommen kann, da kann es noch so viele andere gute, sehr gute Musiker geben.
Hiatt muss immer ran, wenn es einem schlecht geht, man einen Verbündeten braucht, einen Tröster, aber auch jemanden, der Freude, Hoffnung und Erfüllung spendet und imaginiert, durch wunderschöne Melodien, Lebensweisheit, Philosophie, Serenität - trotz dunkler Wolken und alles verschluckender Schlammlawinen.
So spielt er sich immer wieder aufs neue in Herzfaser und Bauchgefühl, das bestätigt der letzte track
- WHEN NEW YORK HAD HER HEART BROKE -, das entsetzliche Thema 9/11 mit einer zarten Melodie vereinklangt.
Willy De Ville, der über gebrochene Herzen in New York Bescheid wusste hätte diesem song sehr zugestimmt.
Also man nimmt was mit, jeder das Seine, aber alle die Sympathie und Liebe zum Eckensteher, der ja so alleine
nicht in der Ecke steht, sieht man von der Ignoranz der Radiosender mal ab. Aber Radio ist definitiv nicht
das wertige Medium um seine Geschichten dort abzuäthern.
Five muddy diamonds for this album and a hundred more for a real storyteller... walk on, just walk on, John...
Line Up : himself, vocals and guitar
Kenny Blevins, drums
Doug Lancio, guitars, pedal steel, mandolin
Patrick O Hearn, bass
Alan Schierbaum, keys
Doug Henthorn, backin vocals
Produzent, Kevin Shirley