Vielleicht zunächst zum Vordergründigsten bei dem Buch; dem Titel. Dirty bezieht sich meines Empfindens nach nicht auf die erotischen Szenen dieses Buches, sondern auf die befleckte Vergangenheit von Elle, der Hauptperson, die uns durch das Buch nimmt. Diese Vergangenheit, die sie in ihrem Innersten verborgen hält, wo niemand sie sehen kann, ist düster und schmutzig (dirty). Im Laufe des Lesens wird der Titel glaube ich klar.
Ich fand es auch sehr angenehm das Buch in der Ich-Perspektive zu finden, denn ich glaube, dass es dadurch noch weitaus persönlicher und tief empfundener ist, als ein distanziertes Sie.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Megan Hart findet immer wieder Worte, die einfach perfekt sind und Gefühle erzeugen können, die einen verstehen lassen, was in dieser Geschichte passiert und wie Elle sich fühlt. Ich fand es zu jeder Zeit begreifbar und nachvollziehbar. Es gab keine Handlung, die sich zu schnell oder zu langsam entwickelte. Jede Szene ist, was sie sein soll. Die Erotikszenen sind erotisch, witzige Passagen sind tatsächlich lustig (was selten und wunderbar ist), und gefühlvolle Teile nehmen einen ins Innerste von Elle mit. Ich habe mich mühelos in die Hauptdarstellerin hineingefunden und sie gern gewonnen.
Dieses Buch hat seine Highlights. Jeder wird sie vermutlich an anderen Stellen finden. Ich glaube aber, dass der Kuss auf den Mund tatsächlich für jeden Leser als ganz besonders erlebt wird. Es nimmt einen nicht sofort in dem Moment mit, wo sich die Lippen von Dan und Elle berühren; es packt und fesselt einen in dem Augenblick, wo Elle beschreibt, was es für sie bedeutet, wo sie es vergleicht (Ich könnte ihnen diese wundervolle Stelle hier zitieren, aber das würde die Vorfreude nehmen und Sie würden mich steinigen). Überhaupt finde ich die Vergleiche in diesem Buch umwerfend und wunderschön. Doch es gibt auch andere großartige Stellen. Ich mochte es auch, als sie ihr Esszimmer gestrichen hat. Ich liebte den Satz aus dem kleinen Prinzen, dass jeder Mensch Sterne habe, aber es nicht die selben seien, denn es war wie Elles Leben. Ich verstand, was Sterne und Zahlen für sie bedeuten und wer sie ihr nahebrachte. Ich mochte die Telefonate mit ihrem Bruder, ich mochte es, als sie mit Dan getanzt hat, ich mochte auch ihre Begegnung mit Jack, ich mochte Tausend Kleinigkeiten, über die sie nachdachte. Sätze und Überlegungen, die so richtig und so wahr waren, dass ich sie mehrmals las, um sie tief aufzunehmen. Dieses Buch ist Elle, lebt und atmet mit ihr. Und wenn Kummer durch Elle fuhr, spürte ich dieselbe Schwerheit in mir. Es ist echt und authentisch. Vielleicht macht dies auch die Beziehung zu Dan so nah und herrlich. Denn während das Buch die Vergangenheit von Elle mehr und mehr enthüllt, wird Dan auch für den Leser zum Anker.
Ich bin eigentlich kein romantischer und gefühlsbetonter Mensch, aber dieses Buch hat mich erwischt, so sehr, dass ich sofort diese Rezension hier schreibe und es jedem nahelegen möchte. Ich lese am Durchschnitt gemessen recht viel. Im Jahr sind es wohl 250 Bücher. Dieses Buch ist aus der Rubrik Erotik und Gefühl dasjenige, welches mir in diesem Jahr am meisten die Sprache verschlug (im absolut positiven Sinn). Ich werde es bestimmt wieder lesen. Und ich möchte es ihnen mit dieser Rezension gern empfehlen. Vielleicht mögen sie es nicht und werden es einfach weglegen. Das Risiko besteht bei jedem Buch. Ich glaube aber, sie werden froh sein, es empfohlen bekommen zu haben.