Es ist eigentlich keine gute Intro, erstmal einen kleinen, nicht giftig gemeinten Tritt gegen eine andere Rezension zu machen. In dem Fall kann ich es mir einfach nicht verkneifen. Was immer "mumpfelig" bedeuten mag, Kate's Stimme in ihrem ja nun nicht mehr ganz so Feenhaften Alter klingt ganz ganz bestimmt nicht so.
;-)
Aber die Augen auf das Album. Nachvollziehbar, dass jetzt einige enttäuscht sind. Die Gerüchte hatten ja lange Zeit auf ein Album mit neuer Musik hingewiesen. Das ist 'Director's Cut' natürlich nicht geworden, ich hätte mich auch gefreut. Nichtsdestotrotz ist es ein phänomenales Stück eigenständiger Musik geworden. Kate Bush gehört ja im Gegensatz zu anderen (natürlich auch sehr integeren, aber doch ganz schön monetär getriebenen) Künstlern aus dieser Generation nicht zu denen, die auch noch den letzten Cent aus ihrem Backkatalog herausquetschen - in dem sie alle zwei Jahre ein Best-of zur Weihnachtszeit herausbringen, mit eigenartigen Cover Alben den Revenue anschieben, oder haufenweise remasterte Alben inkl. manchmal erschreckender Demos überteuert auf den Markt werfen. Ein einziges Best-of Album in 30 Jahren spricht dafür, dass sie - erstens - die Rechte an ihren Katalog im Griff hat und - zweitens - dass sie sich bei der üblichen Schröpferei der Fans mehr als dezent zurückhält.
Alleine diese Tatsache sollte die Zweifeler neugierig machen, diesem Werk zumindest eine Chance zu geben. Vor allen wenn man sich dazu noch ein altes Zitat von Frau Bush vor Augen hält: "I can't possibly think of old songs of mine because they're past now. And quite honestly I don't like them any more." 'Director's cut' weicht diese harte Einstellung natürlich auf, es ist aber eher eine Auffrischung, als eine Exhumierung. Aus den Skeleten alter Songs wird etwas neues aufgebaut. Viele Elemente der Originale sind noch enthalten, einiges wird herausgenommen, neue Bestandteile wurden eingebaut. Manchmal geschieht dies sehr dezent, auf dem ersten Blick kaum hörbar, manchmal ist dies sehr deutlich. Es sind dabei keine radikalen Re-Interpretation enthalten, damit auch keine Anbiederung an vermeintlich modernere Sounds, was auch immer manche da erwartet haben mögen. Ihr Stimme ist dabei das jenige Element, dass dem grössten Wandel unterlegen ist, sie ist reifer, tiefer, hat mehr Resonanz. Die Lieder sind eher reduziert worden, reduziert auf ihren Kern, ohne dabei progressive Elemete zu verwenden. Was auf dem ersten Blick etwas langweilig sein mag, und das glaube ich zeigen die ersten Rezessionen hier deutlich, macht aber schon beim mehrmaligen Hören absolut Sinn.
Anspieltipps, die ich gerne empfehlen würde, sind: MOMENTS OF PLEASURE, das auch ohne die orchestrale Unterstützung als pures Klavierstück ein Übersong bleibt. DEEPER UNDERSTANDING, das bereits als Single im Vorfeld die Fans gespalten hatte. Die Struktur bleibt dieselbe, im Refrain werden elektronische Verzerrungen verwendet, der Song durch eine Mundharmonika Intermezzo verlängert. NEVER BE MINE. Was im Original durch die etwas düstere Produktion verloren ging, wird hier wieder in der Mär der unerwiderten Liebe, perfekt eingefangen. Zeilen wie "the thrill and the hurting'" treffen auf den richtigen Boden. Die neuen Vocals sind dem Original noch ähnlich, und wenn wie damals schon das Trio Bulgarka ins Spiel kommt wird der Song einfach nur noch wundervoll. THIS WOMAN'S WORK. Vielleicht eine der radikalsten Re-Interpretationen, die sicherlich bei den Fans für einige Kontroversen sorgen wird, das Klavier wird durch analoge Keyboards ersetzt. Entdeckenswert, die Lyrics bekommen eine neue Dimension dadurch, dass Mrs. Bush jetzt schliesslich Mutter ist.
Um es kurz zu fassen, meine Empfehlung: die erste Enttäuschung vorbeiziehenlassen und auf Entdeckungsreise gehen.