Auf den ersten Blick handelt es sich um ein fundiertes und ausführliches Buch zu diesem Thema, das dem Leser diese Materie umfassend erschließt. Befasst man sich aber ausführlich damit und den anderen Veröffentlichungen des Autors, so erschließt sich doch ein anderes Bild.
Zillmer hat in seinen beiden bisherigen Büchern ?Darwins Irrtum? und ?Irrtümer der Erdgeschichte? behauptet, dass Dinosaurier und Menschen gemeinsam gelebt haben und die Dinosaurier erst bei der Sintflut ausstarben. Von dieser Behauptung ist in diesem Buch allerdings nicht viel zu finden, nur einige Anspielungen auf die Bücher sind vorhanden. Das ist natürlich merkwürdig und stellt die anderen Veröffentlichungen in Frage. Immerhin ist das Bild abgebildet, das die Kreatonisten ? zu denen Zillmer zählt ? selbst mehrheitlich als Zufall interpretieren, nicht jedoch Zillmer. Auch die Theorie der Zweibeiner-Überreste in Kohleflözen hat einer näheren Überprüfung nicht standgehalten.
Zur Verteilung der Dinosaurier über die Kontinente zitiert Zillmer etwa die vollkommen veraltete und längst überholte Theorie der Ausdehnung der Erde und widerspricht damit ? nicht sehr offen, aber implizit ? der von Wegener entdeckten Kontinentaldrift. Dass der Autor es mit den neueren Forschungsergebnissen nicht so genau nimmt, erschließt sich auch aus dem Literaturverzeichnis, das zwar umfangreich ist, aber kaum neuere Literatur berücksichtigt.
Zudem ist vieles dieser Literatur nicht zitiert. Wo Zitate auftauchen, sind es fast ausschließlich Zitate von Sekundärliteratur wie ?Bild der Wissenschaft? und ?Spektrum der Wissenschaft?. Daraus leitet Zillmer auch zahlreiche falsche Interpretationen ab. So ist es einfach falsch, dass man aus der zeitgleichen Existenz von Vögeln und Dinosauriern ableiten kann, dass es sich bei den Vögeln nicht um Nachfahren von Dinosauriern handeln kann. Das hieße im Sinnschluss, dass Menschen nicht Nachfahren von Reptilien oder Fischen sein können, weil sie ja zeitgleich existieren. Nein, wenn die Vögel von Dinosauriern abstammen, was durchaus noch unklar ist, dann wohl von einer früheren Entwicklungslinie, wie auch die oberflächlich ähnlichen Archaeopteryx (Vogel) und Compsognathus (Dinosaurier) zeigen. Möglicherweise gab es sogar mehrere Entwicklungslinien, denn Confuciusornis hat ein gleiches Alter wie Archaeopteryx, ist aber deutlich anders gebaut.
Falsch ist auch, dass Fossilierungen unter heutigen Bedingungen nicht mehr stattfinden könnten. Das ist falsch und wird täglich wiederlegt, denn sobald die Bedingungen vorhanden sind, wie in etlichen Meeresbereichen, findet Fossilierung weiterhin statt.
Je weiter man liest, desto mehr fällt auf, dass der Autor häufig Forschungsergebnisse so darstellt, dass der Leser interpretieren muss, es seien die Rechercheergebnisse des Autors, etwa zum inneren Aufbau der Dinosaurier, zur Lautgebung, zur Körperhaltung oder zu Details wie dem Sitz der Nase. Tatsächlich sind hier aber nur fremde Forschungsergebnisse wiedergegeben, der Autor selbst hat nichts zur Dinosaurierforschung beigetragen. Beim Stammbaum der Dinosaurier wurde etwa alles bei Sereno abgeschrieben. In der nachfolgenden Zusammenstellung erfolgt keinerlei Zitat ? nicht unbedingt wissenschaftlich und fair. Daneben ist sie in Teilen überflüssig, da sie in einem populärwissenschaftlichen Buch so nichts zu suchen hat und sich viele der Informationen dann bei den Beschreibungen wiederfinden. Die Behandlung der einzelnen Gattungen ist recht knapp. Arten fehlen ganz.
Die Bilder zeigen historische Aufnahmen, einige Dinosaurierrekonstruktionen aus Dinoparks sowie einige Dinosaurierdetails. Wissenschaftler benutzen Maßstäbe und nicht sich selbst oder den Fuß der Tochter als Maßstab. Das passt aber zur Eitelkeit des Autors, der mehrfach abgebildet ist. Aus der Vita geht hervor, dass Zillmer Ingenieur ist. Die Angabe des Titels auf dem Buchtitel ? bei Wissenschaftlern verpönt! ? spiegelt hier eine nicht vorhandene Kompetenz vor.
Auf den ersten Blick hilfreich scheint die Liste der Fundstätten und Museen zu sein. Zumindest für Deutschland hätte man aber Vollständigkeit erwarten müssen. Sicher, das Museum Bergér in Eichstätt ist relativ klein (beherbergt aber trotzdem zahlreiche Dinosaurierversteinerungen), wie auch das Museum auf dem Maxberg, aber das Bürgermeister-Müller-Museum in der Ortsmitte von Solnhofen beherbergt immerhin ein Original des Archaeopteryx! Dagegen findet sich im Museum Alexander Koenig in der Ausstellung nichts von Dinosauriern wieder. Auch wenn es derzeit geschlossen ist, hätte eine Anfrage bei der entsprechenden Abteilung darüber Aufschluss gebracht.
Die CD lag mir nicht vor. Sie könnte eine Bereicherung sein, denn sie enthält 340 Grafiken und einige Animationen. Dazu kommen ?täuschend echte Geräusche?, was bei schon kurzem Nachdenken zu mehr als einem Schmunzeln führt: Nicht nur sollen Menschen und Dinosaurier ? nach Zillmer ? Zeitgenossen gewesen sein, sondern sie haben auch die Geräusche gehört und zur Produktion weitergegeben. Kein Mensch weiß bis heute, ob Dinosaurier überhaupt Geräusche produzierten.
Fazit: Dieses Buch ist für alle, die mehr über Dinosaurier wissen wollen, in Ansätzen brauchbar, ansonsten aber aufgrund der teilweise haarsträubenden Thesen des Autors äußerst kritisch zu lesen. Den vom Verlag verliehenen Titel ?Standardwerk? verdient es auf gar keinen Fall.