Dieses - durch die Verfilmung unter dem Titel "Jurassic Park" - wohl bekannteste Buch von Michael Crichton bietet im Prinzip zwei Handlungsebenen und sollte auch unbedingt so gelesen werden, um sein volles Potential zu entfalten.
Die vordergründige Story ist ein spannender Thriller, in dem sich alles um das mögliche Klonen von Dinosauriern dreht, und wie versucht wird, daraus über einen Vergnügungspark auf einer Insel Kapital zu schlagen. Dass das nicht so einfach wird, wie geplant, liegt auf der Hand. Crichton schafft es trotzdem, diese Geschichte fesselnd und dramatisch zu gestalten. Die Charaktere haben Tiefe und das Spiel mit wissenschaftlichen "Einblendungen" inmitten der Geschichte beherrscht der Autor sowieso perfekt. Insgesamt ergibt das einen hochspannenden Plot, in dem die technisch-akademischen Feinheiten so eingearbeitet wurden, dass sie absolut nicht als Fremdkörper wirken. Wie bei Crichton schon öfters gesehen, gibt es Diagramme, schematische Darstellungen und Computerausdrucke, die sich perfekt in die Geschichte integrieren und ein ganz eigenes Flair schaffen.
Noch interessanter als die (alles andere als langweilige) "Dinosaurier-Handlung" ist jedoch, was mehr oder weniger zwischen den Zeilen steht. Crichton schafft mit der Figur des Ian Malcolm einen Kultcharakter, dem es gelingt, auch akademisch eher unbeleckten Lesern ein Hauptproblem der (Natur-)Wissenschaft näher zu bringen. Es geht um die inhärente Unkontrollierbarkeit, die künstlich geschaffenen Systemen innewohnt. Wie schon Dürrenmatt in "Die Physiker" zeichnet der Autor ein düsteres Bild von den möglichen Konsequenzen der zunächst so erfolgreichen Naturwissenschaften, deren Akteure einfach alles machen, was machbar ist, ohne zu hinterfragen, ob es gemacht werden sollte. Dass der Autor dabei nicht zimperlich vorgeht ist sicher beabsichtigt und nur ein weiterer Grund, das Werk weiterzuempfehlen. Gehör hat sich Crichton mit diesem Buch auf jeden Fall verschafft, dass der Film ihm noch größere Aufmerksamkeit zuteil werden ließ ist nicht nur legitim, sondern aus meiner Sicht auch durchaus wünschenswert.