... hat Autor Nick Tosches über Dean Martin, den als Dino Crocetti geborenen Sohn einer italienischen Immigrantenfamilie. Herausgekommen ist eine amerikanische Geschichte des rasant fahrtaufnehmenden Siegeszugs vom Kartengeber beim Blackjack, über die Bühnen- und Filmkarriere an der Seite von Jerry Lewis, zum hochbezahlten Fernsehunterhalter und Hitsänger - in einem Netz aus Showgeschäft, Politik, Unterwelt und Sex. Die Geschichte über einen lässigen Lebensstil, über die Vorliebe für Nachtclubbühnen und Songs nicht zu Ende zu singen, über Tragödien und die sich mehrende Gleichgültigkeit bei der Auswahl von Filmrollen - bis zur völligen Gleichgültigkeit allem und jedem gegenüber.
So hätte das rund 700 Seiten starke Werk die ultimative Bibel für „Rat Pack"-Sympathisanten werden können. Aber der Versuch, einen Menschen zu beschreiben, der sich nie irgendwem über Oberflächlichkeiten hinaus geöffnet haben soll, muß zwangsläufig scheitern: Je tiefer man gräbt, um so mehr entfernt er sich.
Diesen Mangel wettmachen will Tosches mit den sich wie ein dünner Faden durch das Buch ziehenden fiktiven Gedanken Dinos, die aber nicht mehr als des Autors Wunschgedanken und damit bedeutungslos sind. Auch macht er sich gar nicht die Mühe, die wichtigen Figuren neben Mr. Martin - wie Frank Sinatra oder Sammy Davis Jr. - bei denen eine Charakterisierung leichter wäre, differenziert darzustellen. Er wiederholt die bekannten Tratschgeschichten und Vorurteile, ohne sie zu hinterfragen oder ihnen beispielsweise die offen und aktiv vertretene „Farbenblindheit" dieser Künstler im rassistischen Amerika der 1940er- bis '60er-Jahre entgegenzustellen. Er bedient sich einer emotions- und humorlosen, dafür aber groben Ausdrucksweise und schüttet ein riesiges Faß voller Namen aus: Die Namen der Abruzzen-Bevölkerung, mitsamt Ahnen drei Generationen zurück und die der nach Nordamerika ausgewanderten Großfamilien, deren Rolle und Bedeutung man - trotz dem der Höflichkeit geschuldetem gutem Willen - nach dem Umblättern auf die nächste Seite schon wieder vergessen hat.
Wie bei den meisten (Auto)Biographien, wird der erste und zweite Lebensabschnitt in aller Ausführlichkeit beschrieben, um den letzten in Kurzform abzuhandeln. Ganz so, als verliere der Schreiber die Lust - oder so als dränge der Verlag mit dem Abgabetermin. Immerhin gibt's noch eine ausführliche Diskographie mit Aufnahmedaten und eine brauchbare Filmographie.