Im Berlin des beginnenden 21. Jahrhunderts gibt es zwei Klassen von Menschen. Da sind einmal die Paläster, die in ihren High-Tech-Wohnungen leben und kaum einmal einen Schritt vor die Tür tun, dafür aber fast ungebrenzten Zugang zum gigantischen Datennetz haben. Ihre Wohnungen befinden sich in den sogenannten Palästen - gut gesicherten Wohnanlagen, die für die restliche Bevölkerung nicht zugänglich sind. Direkte menschliche Kontakte und Berührungen sind verpönt und anstößig. Sex und Fortpflanzung findet nur noch über den Umweg des Netzes ("Cybersex") und Gentechnikern statt. Wer sich das alles nicht leisten kann, lebt im sogenannten "Fleisch", den wilden und anarchistisch organisierten Stadtvierteln. Hier gibt es noch echte zwischenmenschliche Kontakte, reale Gewalt und natürlich auch jede Menge an verrückten Außenseitern.
Pitch und Lisa leben im "Fleisch" und nehmen für eine Palästerin einen seltsamen Auftrag an: ihr Bruder sei verschwunden und wahrscheinlich im "Fleisch" untergetaucht. Denn eine Flucht in die Umgebung ist fast unmöglich, denn die Natur ist mittlerweile durch das Ozonloch so lebensfeindlich geworden, daß ganz Berlin überdacht werden mußte, um ein Überleben zu ermöglichen. Und tatsächlich stöbern sie zusammen mit Pitchs Freund Ufo den Vermißten auf... doch da beginnen erst ihre Probleme.
Hartwig Hilgensteins Romanerstling ist Science Fiction zwischen Cyberpunk und Endzeitstimmung. Und so ist das Buch voller Freaks und Außenseitern, Drogen und Gewalt und virtuellen Realitäten. Das ergibt teilweise eine sehr gelungene Mischung, manchmal ist es aber auch nur Mittel zum Zweck, um künstlich eine "ach so coole" Atmosphäre von Anarchie und Außenseitertum aufzubauen. Pitch und Lisa sind wohl Mitte zwanzig, dabei aber in manchen Punkten so unerfahren, daß man sich fragen muß, wie sie überhaupt zu diesem Auftrag kommen konnten, der ihnen so viele Schwierigkeiten bereitet. Und ähnliche Fehler weißt auch die Handlung auf. Manches geschieht aus nicht einsichtigen Gründen und als Leser wird man doch etwas enttäuscht, da manches unklar bleibt. Wirklich gelungen ist jedoch die Schilderung der drei Hauptpersonen Lisa, Pitch und Ufo, und das entschädigt für die etwas konfuse Geschichte um sie herum.
Hartwig Hilgensteins Romandebüt wurde für den Kurd-Laßwitz Preis und den SFCD-Literaturpreis 1999 (Deutscher Science Fiction Preis) nominiert.