Und er hat es wieder getan. Fritz Pölking bleibt seinem Ruf als eifrigster Perfektionist in der deutschen Naturfotoszene treu und führt den Leser in die neue heile Welt der digitalen Bilder ein. Noch vor wenigen Jahren ein eingefleischter Dia-Fotograf, erklärt er hier eindringlich seinen logischen Wechsel in die Welt der Pixelbilder. Und dies geschieht auf so überzeugende Weise, dass eigentlich selbst dem letzten Zweifler nach dem Studium, die analoge Kamera nicht mehr wirklich viel Freude bereiten kann. Wer nun jedoch ein praxisorientiertes Lehrbuch für Photoshop erwartet, sei gewarnt. Dies wollte Fritz Pölking sicher nicht erreichen. Er stellt vielmehr seinen eigenen professionellen Workflow dem Leser zur Verfügung und verweist eher nebenbei und wenig ausführlich auf das konkrete Handling mit Photoshop. Im Vordergrund stehen einmal mehr die praktischen Hinweise zum Umgang mit der Ausrüstung und der Digitalkamera inklusive der offensichtlichen Vorteile der neuen Technik im Vergleich zur analogen Praxis. Dies gelingt sehr gut, wenngleich ich mir persönlich in manchen technischen Aspekten etwas mehr Tiefgang erwartet hätte. Etwa die letzten 2/3 des Buches machen bildgewaltige Foto- und Reisetipps aus, die chronologisch von Januar bis Dezember einem engagierten Fotografen die Suche nach passenden Zielen erleichtert. Man erhält eine Menge hilfreicher Daten, die bei Interesse an den dargestellten Locations eine eigene Reiseplanung deutlich vereinfachen dürfte. Besonders positiv möchte ich auch die hohe Druckqualität des Buches erwähnen, die man in dieser Form von Pölking noch nicht kannte. Man hat stellenweise das Gefühl ein schweres Bildband in der Hand zu halten, welches die Lust auf eigene Erlebnisse mit der Digitalkamera noch steigert. Das Ziel der Lesermotivation erreicht der Autor daher mit Bravour. Leider werden die meisten Leser dennoch ein wenig Resignation verspühren. Herr Pölking präsentiert sich, wie gehabt, als Vollblutprofi, dem scheinbar nahezu unbegrenzte Mittel für Equipment und weltweite fotografische Touren zur Verfügung stehen. Als Amateur oder selbst ambitionierter Hobbyfotograf, kann man hier nur resignierend auf das eigene Urlaubs- und Sparkonto schauen, vor allem, wenn man sich die enormen Werverluste der Digitaltechnik ins Gedächtnis ruft.
Fazit: Das Buch erhält von mir 5 Sterne, weil es aufklärt, anregt, Spaß macht und kein anderer Profifotograf so ehrlich und missionarisch Einblicke in den Profialltag gewährt. Hut ab, ein lohnendes und sehr schönes Werk!