Ein auf den ersten Blick nettes Buch zu einem recht speziellen Thema mit einer umfangreichen und meist sehenswerten Bildauswahl. Leider rufen einige Bildserien auf Grund ein und des selben Inhaltes den Eindruck von Lückenfüllern hervor. Fehlt es dem Autor hier an Beispielen? Die 'Knipsbilder' von Seite 39 und 113 hätte er allerdings besser weg gelassen, denn Material- und Sachaufnahmen solcher Qualität haben in einem Fachbuch nichts zu suchen.
Nicht immer kann der Autor die in der Infrarotfotografie vorkommenden Phänomene erklären, weshalb er sich gleich selbst für ungewisse und verschwommene Formulierungen entschuldigt. Ohne gesicherte Erkenntnisse fügt er weitere Mutmaßungen z.B. mit seiner Erläuterung zu den sogenannten Hotspots hinzu, bei denen er die Erfahrung gemacht haben will, dass symmetrische Objektive dafür besonders anfällig wären. Jedoch werden solche Objektive schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr für Kleinbildkameras hergestellt und auch die weitgehend symmetrischen Objektive gibt es nicht für das vom Autor verwendete Kamerasystem. Also eine im höchsten Maße zweifelhafte Erfahrung. Schlicht falsch ist, die chromatischer Aberration als Ursache für die in der Infrarotfotografie auftretende Fokusdifferenz zu benennen. Und das nicht nur, weil die kurzwelligen Strahlen per se durch die verwendeten Filter ausgeschaltet sind und an dem Bildaufbau gar nicht teilnehmen können. Weitere durch Verkürzung entstehende missverständliche Erklärungen folgen ' Optik ist offensichtlich nicht das, was er beherrscht. Auch das in dem Buch die weltweit einzigen für Infrarotfotografie optimierten Objektive der Firma Carl Zeiss keine Erwähnung finden, ist befremdlich. Ob das daran liegt, dass deren Aufbau die Behauptungen von Mangold ad absurdum führen?
Verwundert reibt man sich die Augen, wenn man den Anregungen zur Bildbearbeitung folgt, die Klaus Mangold im übrigen ausschließlich mit Adobe Software durchführt. Diese reichen von sehr nützlichen und weniger bekannten Wegen über den Lab-Modus und die Fülloptionen bis zu schlichtem Unsinn. Letzteres ist der Tipp, 8 Bit Dateien im 16 Bit Modus zu verarbeiten, um Farbabrisse zu vermeiden. Es ist Photoshop wie auch allen anderen Bildbearbeitungsprogrammen unmöglich, nicht vorhandene Informationen zu erfinden. Das Ergebnis solchen Tuns ist lediglich eine mehr Speicher beanspruchende Datei. Und auch wenn das Sprichwort von den vielen Wegen, die nach Rom führen, seine Berechtigung hat ' man darf nicht vergessen, dass darunter einige Um- und Irrwege sind. Den Helligkeitsregler statt des Belichtungsreglers zu benutzen ist ein solcher Holzweg. Man muss sich in Folge dessen nicht wundern, dass der Kontrast in den Mitteltönen zu wünschen übrig lässt. Ursache ist, das die Bedeutung der beiden Regler falsch eingeschätzt wurde. Einigermaßen kurios muten die Erläuterung zur Erstellung eines eigenen Profils für typische Infrarotbilder an, weil erst die Bearbeitung der Daten empfohlen wird und nur eine Seite weiter eben diese Veränderungen wieder rückgängig gemacht werden sollen. Sind hier nur sprachliche Unsicherheiten Grund für diese Konfusion?
Zum Schluss leistet sich der Autor im Überschwang des Stolzes eine unnötige Eitelkeit, indem er parallel zum Infrarot-Kombinat http://infrarot-forum.de eine eigene Community propagiert. Erhofft er sich aus der Dopplung bessere Erkenntnisse? Ist er mit dem, was im Original diskutiert wird, nicht zufrieden? Eigentlich kann das nicht sein, da er sich eben aus diesem Forum Anregungen und Verbesserungen geholt und dann in seinem Buch eingebaut hat. Wie dem auch sei, als Fazit kann man das Buch Einsteigern auf Grund der weitgehend schönen Bilder empfehlen. Für den, der fachspezifisch-physikalische Erklärung sucht, ist es dagegen nicht geeignet und die Einordnung des Buches in die Reihe 'Profifoto' keinesfalls gerechtfertigt.
Digitale Infrarotfotografie - Edition ProfiFoto