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Digitale Bibliothek 132: Kriminalgeschichte des Christentums (PC+MAC)
 
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Digitale Bibliothek 132: Kriminalgeschichte des Christentums (PC+MAC)

von Directmedia Publishing
Windows 98 / 2000 / XP / Vista, Mac OS X
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)

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System-Anforderungen

  • Plattform:    Windows 98 / 2000 / XP / Vista, Mac OS X
  • Medium: CD-ROM


Produktinformation

  • Artikelgewicht: 145 g
  • ASIN: 3898535320
  • Erscheinungsdatum: November 2005
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 625 in Software (Siehe Top 100 in Software)

Produktbeschreibungen

Produktbeschreibung des Herstellers

Karlheinz Deschner - Kriminalgeschichte des Christentums.

Die achtbändige "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner (erschienen 1986-2004) ist die wichtigste zeitgenössische Auseinandersetzung mit der christlichen Kirchengeschichte.
Die vorliegende CD-ROM stellt das 5.000 Buchseiten umfassende Standardwerk auf 7.500 Bildschirmseiten dar. Durch umfangreiche Recherchemöglichkeiten bietet die CD-ROM einen schnellen Überblick über Themen, Personen und geschichtliche Ereignisse und wird so zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk für den historisch interessieren Leser.


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Kundenrezensionen

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68 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ketzer und Hexen verbrennen 14. Oktober 2004
Format:Gebundene Ausgabe
Zum Band 7 der Kriminalgeschichte des Christentums habe ich den Autor, soweit ich es vermochte, bei Amazon »gewürdigt«, siehe dort! Nun inzwischen ist der achte Band erschienen, am 23. Mai 2004 ist Karlheinz Deschner 80 Jahre alt geworden und man muß hoffen, daß er weiterhin gesund bleibt und so unbeirrt wie bisher denkt und schreibt bis über den zehnten, den letzten, Band hinaus.
Die hilflosen Anfeindungen seiner christkatholischen Widersacher sind inzwischen selten geworden, denn man weiß längst, daß man seinen Darstellungen nichts entgegen halten kann. Das Volk aber kennt Deschner kaum oder gar nicht, selbst wenn es sich christlich religiös versteht. Zwar glaubt allewelt oder glaubt eben nicht, aber bei den allermeisten hat sich heutzutage dazwischen irgend eine Art »Abervermutung« über Gott und »seine« Welt erhalten, die sowohl aller Theologie als auch aller Aufklärung Hohn spricht. Irgendwie orthogonal zu dieser »Achse«, also außerhalb solcher Dimension, will man zumindest nicht auf ein Begräbnis mit Pfarrer verzichten, ebenso kirchlich heiraten, auch sei Taufe gute deutsche Tradition, oder gar Weihnachten ...: und endlich irgendwie ungeklärt sei ja doch das Sein als solches. So gibt sich die allgemeine philosophische Basis & Praxis: »zutiefst oberflächlich«, um ein gängiges Oxymoron zu verwenden.
Deschners Ansatz, die Diskrepanz »Theologie <> Aufklärung« zu behandeln, ist natürlich nur »zutiefst«. Seine historischen Kenntnisse über Kirchen- und Glaubensgeschichte sind enorm, über die Masse an Quellen, die er erschlossen hat - als einzelne Person ohne große, organisierte Hilfsmannschaft - muß man staunen, und seine Entschlossenheit, Paroli zu bieten all den überkommenen Gewißheiten des herrschenden Glaubens, kann man nicht genug bewundern. Daß seine Quellen die richtigen sind und seine Urteile keinesfalls falsch, läßt sich daran ermessen, daß ihm kaum mehr widersprochen wird; alle gläubigen Theologen haben es aufgegeben und rufen ihm sozusagen nur pathetisch zu: »Credo quia absurdum.« ( Ich glaube, weil es widersinnig ist.) - die trotzige Attacke des Hl. Augustinus - auch gegenüber sich selbst.
Dieser (354 - 430) konnte natürlich noch nicht wissen, was alles an krimineller Energie sich im Christentum noch breit und abgrundtief entwickeln würde, obwohl er selbst nicht nur die Erbsünde erfunden (erfunden!) hat, welche mindestens 60 Generationen lang die abendländische Menschheit quälen sollte, sondern er propagierte auch als erster den christlichen Militarismus: wenn es doch der Kirche nützt!
Grausamkeit, Unerbittlichkeit, Haß, Fundamentalismus, Unbarmherzigkeit, Eigennutz usw. waren spätestens ab 315 (Staatskirchenbildung) fast immer neben den christlich verkündigten Werten - Glaube, Liebe, Hoffnung ... - die Ingredienzien der Glaubensausübung, vermischt mit wüsten »weltlichen« Gelüsten, die man aber wie Gebete und Geschäfte unter dem kirchlichen Etikett »verrichtete«.
So auch in den Jahren 1340 bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555, die der 8. Band schildert. Neben den Herren Päpsten und Prälaten etc. und ihren Machenschaften schildert Deschner nicht nur die Reformation, relativ kurz, denn richtig verbrecherisch war dabei das wenigste, aber ausführlich die Vorstellungen und Geschichte des Jan Hus. Da trat endlich einmal wieder ein ehrbarer Christ auf, einer, der sich um die Wurzeln des Glaubens kümmern wollte, also ein Ketzer, bedeutend und volksverbunden, und schon erschien er den Kirchenoberen lästig und richtig gefährlich. Kaiser Sigismund lud ihn - bei freiem Geleit - zum Konzil nach Konstanz ein, am 3. November 1414 kam er an, Papst Johann XXIII (kein »Johannes«) ließ ihn alsbald verhaften, und am 6. Juli 1415 schließlich wurde er feierlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. So wie es jedem ordentlichen Ketzer, wenn er nicht gezwungenermaßen wie Galileo Galilei widerrief, ergehen mußte, das hatte üble Tradition: Im Jahr 1600 wird es Giardano Bruno erwischen, aber das folgt erst im Band 9.
Im vorliegenden 8. Band erscheinen, und vergehen, außerdem so bekannte Leute wie Savonarola und Luther, Marsilius von Padua und John Wyclif, die Fugger und alle möglichen Päpste mit ihren individuellen Nummern: Urbane, Leos, Clemense, Bonifazen, Nikolausi usw.
Der Hexenhammer wird zusammen mit seiner gemeingefährlichen Schwester, der Hexenbulle, eine fürchterliche Wirkung erzielen, und viele andere Schriften theologischster Eindringlichkeit rechtfertigen jegliche Ruchlosigkeit der herrschenden Greise auf den Thronen, auch wenn sie noch nicht 35 sind.
Karlheinz Deschners Buch wartet mit einer Fülle von Geschichten und Einzelheiten auf, verbürgten Fakten, so daß einem ganz erbärmlich zumute werden und man sich der eigenen Empörung, obwohl man das doch alles schon - im Grunde genommen - weiß, nicht entziehen kann. Man weiß es eben nur »im Prinzip«, aber nicht im Detail. Jetzt kann man es weitererzählen, wenn einem jemand zu naßforsch christlich daherkommt.
Dieser 8. Band - und natürlich auch jeder seiner Vorgänger - ist ein ideales Weihnachtsgeschenk für Gutgläubige, die das Bücherlesen noch nicht zugunsten anderer Medien aufgegeben haben. Auch seinem (früheren) Pfarrer kann man es schenken, verbunden mit der Ankündigung, man werde ihn demnächst, falls er Zeit gehabt haben werde zu lesen, besuchen, um darüber zu diskutieren. Aber der weiß natürlich das meiste schon und bleibt dennoch in seinem Amte. Am besten also lese man selbst! Das Buch ist fesselnd geschrieben, mit manchen notwendigen Sarkasmen und Kommentaren, aber eben gut erzählt, anschaulich geschildert und ohne Beschönigung oder Entstellung verfaßt, gerade wie es ein aufgeklärter Mensch ohne Fanatismus erwartet.
Und sogar als fundiertes Nachschlagewerk eignet sich die Kriminalgeschichte, denn sowohl ein ausgezeichnetes Register als auch ein überaus umfangreiches Quellenverzeichnis laden ein zu stöbern. Man könnte ja, wenn man nur Gelegenheit hätte, den angeführten Quellen nachgehen, aber den dafür notwendige Aufwand wird man wohl nicht erbringen. Karlheinz Deschner hat das schon für uns erledigt, und daß er dabei redlich und sorgfältig vorgegangen ist, kann man ihm guten Gewissens glauben.
PS: Übrigens: Der Rowohlt-Verlag hat zum 8. Band ein 96-seitiges Beibuch (Booklet) herausgegeben, das kostenlos(!) abgegeben wird. Das sollte man unbedingt gleich mit »kaufen«!
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Karl V, der neue Pfaffenkönig und Clemens VI. bestimmen das erste Kapitel; Luxus, Orgien, Torturen und die Ausbeutung durch Klerus und Adel. Steuer- und Zehnteintreibung wurde professionalisiert durch "nuntii et collectores". Innozenz VI. mit seinen Ketzerjagden; der Hundertjährige Krieg beginnt; das Großkapitel über das "Christliche Bauernelend und mönchisches Glück" - wie Adel und vor allem Klerus versucht haben, möglichst alle Freien Bauern in Abhängige und Lehensempfänger umzuwandeln, das fand ich sehr interessant; wie Menschen ausgebeutet wurden, verhungerten und ihresgleichen in Salz eingelegt haben; wie immer wieder Bauernaufstände aufgeflammt sind; daneben haben die avignonesischen Päpse in Saus und Braus gelebt, in unvorstellbarem Luxus und Überfluß - ein ekeliger Aspekt der "christlichen Nächstenliebe". Schließlich ging auch das "Exil" in Avignon zu Ende und es begann das Große Abendländische Schisma und der wortwörtliche Krieg der Päpste gegeneinander: jeder Papst für sich ein Monstrum und ein Massenmörder - Urban VI. läßt die eingenen Kardinäle foltern (endlich einmal, möchte man fast sagen!) und ermorden; Bonifaz IX. läßt Geld und Köpfe rollen, als dritter im Bunde Johann XXIII. und schließlich das Konzil von Konstanz, das alle drei Päpste entmachtet.
Schließlich die (versuchte) Reform durch Jan Hus und natürlich die unvermeidlichen "Hussiten"-Kriege. Man muss sich vorstellen: im Spätmittelalter war die Kirche moralisch an einem ihrer absoluten Tiefpunkte angelangt: das Große Abendländische Schisma war im Gange, die Päpste und Bischöfe lebten auf Kosten des ausgebeuteten, ausgehungerten Volkes in unvorstellbarem Luxus und Verschwendung, es herrschten Simonie, Nepotismus, Ablaß, Inquisition und eben ein Schisma mit drei Päpsten. Eine Reform war überfällig; Hus, ein Theologie- und Philosophie-Professor, der nichts weiter wollte, als zur Bibel zurück, prangerte zu Recht die Verschwendung und die Lebensart der Bischöfe an. Ein Bettelmönch habe arm zu sein, nicht reich! Schnell erfaßte die Bewegung Böhmen, Schlesien, Deutschland, Ungarn, Österreich. Schnell wurde er verketzert. Nach mehrmaliger Zusicherung des freien Geleits durch König und Bischöfe ging er freiwillig nach Konstanz zum Konzil, das auch das Große Abendländische Schisma beseitigen sollte, um es als Verurteilter, Gefangener, Gebannter, Verketzerter nicht mehr zu verlassen. Deschner beschreibt genau, wie es zur Verurteilung kam, wie Hus falsche Anschuldigungen unterstellt wurden, wie er öffentlich "verhört" wurde und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Was man nicht verstehen kann ist, dass ein intelligenter Mann wie Hus sich für so einen Schmarrn verbrennen läßt und nicht widerruft. Es folgten über etwa 16(!) Jahre lang die sog. Hussitenkriege, in denen anfangs erfolglos versucht wurde, die Hussiten auszurotten, die sich lange Zeit blutig wehrten. Es gab entsetzliche Gemetzel, tausende Tote auf beiden Seiten, tausende verheerte und ausgemordete Dörfer und wofür? Für eine degenerierte Religion, für einen idiotischen Glauben, für korrupte Bischöfe und Päpste. Eine Schande für jede Religion, für die christliche Kirche sowieso. Die Mitte des 15. Jhds. bringt Judenpogrome durch die christliche Kirche, die Eroberung Konstantinopels durch die Türken, die Geschichte von Jeanne d'Arc, die zunächst als Hexe verbrannt, im 18. Jh. aber heiliggesprochen wird; mit den üblichen (Massen-)Morden, Kreuzzugsaufrufen (Nikolaus V., Calixt I.+II.) und dem allgegenwärtigen Nepotismus zieht die Renaissance herauf. Die bringt auch den Päpsten (noch mehr) Lebensfreude: "Pius II., ein Pornograph wird Papst". Den Vogel bezüglich Nepotismus schießt Sixtus IV. ab, er führt Kriege zugunsten seiner "Neffen", die oftmals seine leiblichen Kinder waren, oft auch und gleichzeitig seine Lustknaben, er wollte ein vereinigtes Herrscherreich unter seiner (und seiner "Neffen") Herrschaft. Die entsetzliche Spanische Inquisition mit dem Bluthund Torquemada verfolgt hunderttausende Menschen, v.a. auch konvertierte Juden, die Maranen. Und das Pontifikat des Innozenz VIII. wird nicht umsonst das "Goldene Zeitalter der Bastarde" genannt. Das gottseidank kurze neunte Kapitel widmet sich den "Anfängen des langen christlichen Hexenwahns". Ein längeres solches Kapitel würde den Leser in die Depression treiben, es ist der blanke Irrsinn, wie verblödet die Leute waren (denen ist kein Vorwurf zu machen), wie die Kirche die Leute gegängelt, ängstigte und bewußt ungebildet ließ. Man bekommt beim Lesen einen dicken Hals, mit welchen Arroganz Menschen verfolgt wurden, die nichts anderes tun als das, was die Kirche und ihre Vertreter seit eineinhalb Jahrtausenden tun: ein geistesschwaches Brimborium aufführen, das im Grunde niemandem weh tut (wenn man nicht andere bei Bedrohung seines Lebens dazu zwingt, denselben Schwachsinn zu glauben und auszuführen). Die Päpste Alexander VI., Julius II. ("der Blutsäufer") und Leo X. waren keine Päpste, wie sich der kleine Mann einen solchen vorstellt, sondern eher Kriegsherren, Finanzmakler, Despoten, Massenmörder, hauptsächlich Nepoten, Hurenböcke (verkehrten mit Schwestern, Töchtern, Knaben, Tieren, ...), prachtverliebte Verschwender usw. So gesehen waren sie klassische Päpste. Verdiente der Leibarzt Leos X. Achangiolo acht Dukaten pro Monat, waren Leos Bruder Giuliano knapp 5.000 (fünftausend!) pro Monat offiziell zugewiesen, seine Hochzeitsfeier ließ Leo mit 150.000 Dukaten ausrichten. Versuchte Alexander VI. recht erfolgreich, seine gesamte Verwandtschaft in Italiens Herzog- und Fürstentümern unterzubringen, auch wenn das Krieg bedeutete oder die Kreation eines neuen Fürstentums oder (meist Gift-) Mord, so suchte Nachfolger Julius II., mit denselben Mitteln, also mit Krieg und Mord, Verrat etc. Alexanders "Neffen" gegen die eigenen auszutauschen. Päpste sahen sich damals viel lieber auf der (den Klerikern verbotenen) Jagd, als persönliche Anführer im Krieg als als geistiges Oberhaupt der (saudummen) Gläubigen. Ein Kurzkapitel über den Ablaß läßt einerseits am Verstand der damaligen Menschen zweifeln (und nicht nur der Ablaß!), gibt einen Überblick über das Hochkommen der Fugger und leitet elegant zu Martin Luther über. Das zwölfte Kapitel: "Man nennt es Reformation" ist bemerkenswert: im Gegensatz zu Horst Herrmann stellt Deschner Martin Luther als haßerfüllten Bauernschlächter dar, der (selbstverständlich durch zahlreiche Zitate belegt) immer wieder gegen die Bauern aufrief, sie zu verfolgen und zu schlachten befahl; genauso verfuhr er gegen die Juden, Zeit seines Lebens, gegen Hexen, für die er die Todesstrafe fordert. Hat Horst Herrmann in seiner umfangreichen Luther-Biographie etwas "vergessen"? Laut Deschner war Luther ein unbarmherziger Sektierer, intolerant, haßerfüllt. Das letzte, dreizehnte Kapitel berichtet über den "Sacco di Roma" - die Eroberung und Plünderung Roms, zwei Drittel der Häuser wurden eingeäschert, vier Fünftel unbewohnbar gemacht, alles, was Leben in sich hatte, ermordert - von christlichen Deutschen, Franzosen und allerchristlichsten Spaniern, die besonders darauf aus waren, Kinder zu vergewaltigen. Man ist froh, dass das Buch zu Ende ist, weil man irgendwann nicht mehr von derlei Grausamkeiten hören kann und will. Doch man muss!! Daher warten wir mit Spannung und Hoffnung auf die letzten beiden Bände der Kriminalgeschichte des Christentums. Dem Autor sei ein langes Leben vergönnt!
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Katholiken räumen gerne ein, das Renaissance-Papsttum repräsentiere einen Tiefstand in der Geschichte des Heiligen Stuhles. Deschner schreibt:
"Vielgescholten werden die Renaissance-Päpste in sittlicher Hinsicht. Doch mag nicht wenigen, mit mir, prinzipiell ein im Vatikan oder sonstwo herumvögelnder Pontifex immer noch hundertmal lieber sein als ein rigoroser Asket, der Tausende unschuldiger Menschen auf Scheiterhaufen, in Kriege und Folterkammern schickt."
Neu war, dass damals Leute auf dem Papstthron Platz nahmen, die aus ihrem Atheismus, ihrer ungehemmten Vetternwirtschaft und ihrem Libertinismus kaum noch einen Hehl machten.
Der Leidensdruck jedoch, dem sich die europäische Menschheit dank Kirche und Christentum ausgesetzt sah, war kaum grösser als stets zuvor; vorausgesetzt, man bezieht die heilsgeschichtlichen Umwälzungen in der Neuen Welt nicht mit in die Bilanz ein, deren Analyse sich Deschner offensichtlich für den nächsten Band vorbehalten hat.
Allerdings erreichten die Ereignisse vor allem in Italien selber infolge der hemmungslosen Raffgier der Päpste, dem ins Uferlose wachsenden Ablasshandel sowie ihrer fortgesetzten Kriege, die jetzt allein der Machterweiterung der eigenen Dynastie dienten, eine neue ungeahnte Dimension des Grotesken. Die Vorgänge sind so hanebüchen, dass keine Literatur, kein Theater, kein Shakespeare auch nur annähernd an die Wirklichkeit in ihrer Ungeheuerlichkeit heranreichen.
Die immerwährend raffende und raubende Kirche war damals dabei, selbst das Opfer von Kirchenräubern zu werden, dem Heiligen Stuhl drohte seine eigene Säkularisierung.
Dann kam bekanntlich Luther, den Deschner unter vier Gesichtspunkten untersucht: Sein Verhältnis zu Ketzern, zu Zauberern und Hexen, zu den Bauern und zu den Juden. Das Ergebnis ist vernichtend, auch wenn lutheranische Theologen gerne argumentieren, man müsse den Menschen Luther vom Theologen Luther und seinem Werk trennen.
Deschners Geschichtswerke repräsentieren eine kopernikanische Wende für das Geschichtsbild unserer christlich-abendländischen Zivilisation. Dennoch gilt immer noch, dass sich ihre Bedeutung umgekehrt proportional zur Betroffenheit verhält, die sie auslösen.
Die Kirche versucht bewunderungswürdig konsequent, Deschner totzuschweigen. Das überrascht nicht, sondern zeigt nur einmal mehr, mit welchen Geistes Kind wir es hier nach wie vor (sic!) zu tun haben.
Aber auch die Geschichtswissenschaft hat Deschner schlicht ignoriert. Sicher, es gibt auch hier Applaus, im Sommersemester 1987 bw. hielt Deschner eine Vorlesung zum Thema "Kriminalgeschichte des Christentums" an der Münsteraner Universität. Ferner die zahlreichen von Deschner genannten Historiker, deren Befunde mit seiner Darstellung übereinstimmen.
Doch insgesamt bleiben es Ausnahmen. Die ganz grosse Mehrheit unserer zeitgenössischen Historiker scheint vielmehr der Auffassung, Deschner sei dermassen unseriös, dass er nicht einmal eine negative Kritik verdiene. Doch auch Schweigen kann mitunter äusserst beredt sein und schwerwiegende Konsequenzen haben.
Denn angesichts der Ungeheuerlichkeit der Deschnerschen Berichte und der Tatsache, dass sie in vielen wichtigen Punkten dem landläufig tradierten Geschichtsbild diametral zuwiderlaufen, sieht sich zumal der katholische Leser nach bestätigenden Instanzen um. Und was sollen junge Geschichtsstudenten angesichts dieses Boykotts seitens ihrer Koryphäen denken? Wie zitierfähig mag Deschner wohl an deutschsprachigen Unversitäten sein?
Deshalb hat die Geschichtswissenschaft der Rezeption des Deschnerschen Werks äusserst wirkungsvoll entgegengearbeitet. Dieser doppelte Verrat kann nicht scharf genug verurteilt werden: Verrat an der intellektuellen Rechtschaffenheit und damit am Geiste der Wissenschaft selber und schliesslich Verrat an ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für das kollektive Geschichtsbild.
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Am 11. August 2005 veröffentlicht
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Kriminalgeschichte d. Christentums Band 8 - Gebundene Ausgabe 0 17.03.2012
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