Bei vielen engagierten Nikon-Fotografen wird dieses Buch ganz oben auf dem Weihnachtswunschzettel stehen - und für die übrigen ist es bestimmt ein gelungenes Überraschungsgeschenk. Denn es leistet genau das, was auf dem Umschlag versprochen wird: "Alles, was in der Bedienungsanleitung zu kurz kommt", wird behandelt - und obwohl es nicht "Praxis-", sondern "Profi-Handbuch" heißt, werden auch interessierte Einsteiger zunächst mit den Grundlagen der Blitzfotografie kompetent vertraut gemacht. Doch dann geht es Schritt für Schritt durch das weite Feld der Anwendungsgebiete von Nikons Creative Lighting System. Fundiert erläutert der Autor die Kombination von Blitzlicht und Available Light, High- und Low-Key-Aufnahmen, Multiblitzbetrieb, das Stroboskopblitzen oder den Einsatz von Lichtformern und sonstigem Zubehör. Kompliziertere Setups werden mit Beispielbildern, Diagrammen des Lichtaufbaus und ausführlichen Texten beschrieben, so dass keine Fragen offen bleiben. Auch sonst ist das Buch üppig illustriert; fast alle Fotos stammen vom Autor.
Die praxisorientierte Darstellung ist eine der Stärken des Buches: Hier schreibt ein begeisterter Fotograf, dem es um die Bildergebnisse geht: Er will mit seiner Begeisterung die Leser anstecken ("Ich möchte Ihnen nachfolgend eine besonders spannende Szenerie vorstellen" - "Dann werden Sie viel Freude an der Nachtfotografie haben.") und ihnen vermitteln, wie man die Blitztechnik nutzen kann, um diese Ergebnisse zu erzielen. Bedienungsanleitungen stellen dagegen meist die Technik in den Vordergrund, die zwar durchweg korrekt beschrieben wird - aber mit Vergnügen liest man solche Texte kaum.
Ganz anders das Buch von Andreas Jorns: Er spricht eine klar verständliche Sprache, und sein Buch mag man höchstens aus der Hand legen, um sich ans Werk zu machen und das Gelesene in die eigene Praxis umzusetzen. Ein kleines Beispiel: Im Nikon Handbuch zum SB-900 steht (ganz korrekt): "Wenn die integrierte Weitwinkel-Streuscheibe ausgeklappt und das Bildfeld der Kamera auf FX-Format eingestellt ist, wird die Zoomposition automatisch auf 12 mm, 14 mm oder 17 mm eingestellt." Bei Jorns heißt es dagegen: "Wenn der Zoomreflektor mal wieder beharrlich auf der niedrigsten Zoomposition stehen bleibt: Nehmen Sie die Streulichtscheibe vor dem Reflektor weg - dann klappt es auch wieder mit einer anderen Zoomposition." Klar, welches Buch ein Fotograf gerne liest und welches als ungelesenes Nachschlagewerk im Regal verstaubt. Andreas Jorns schreibt zwar flüssig und bisweilen humorvoll, aber nie geht dieser angenehme Stil zu Lasten der Präzision - und so zu schreiben verstehen nur wenige Sachbuchautoren.
In der Einleitung wird das Buch als "Bibel der Nikon-Blitztechnik" bezeichnet. Auch wenn ich mich dieser speziellen Wortwahl nicht anschließen mag: Andreas Jorns ist es schon mit der ersten Auflage seines Buches gelungen, ein Standardwerk zu schaffen - hoffentlich folgen viele weitere!