Digital Past: Geschichtswissenschaft im digitalen ZeitalterDer Historiker Peter Haber zeigt in seinem kenntnisreichen Buch die Anfänge der Geschichtsschreibung mit digitalen Mitteln und erörtert das Spannungsfeld zwischen dieser Wissenschaft, die großteils auf analoge Quellen zurückgreift, und der digitalen Gegenwart. Zum Einstieg erfahren wir einiges über den Stellenwert der Geschichtsschreibung - von der phantastischen Bibliothek von Alexandria bis zu Zeiten des gedruckten Buches mit Ihren enzyklopädischen Ansätzen über die letzten Jahrhunderte hinweg.
Parallel dazu skizziert Haber die Entwicklung von Datenverarbeitung mit Großrechnern über Personal Computers bis hin zu der immer schnelleren Vernetzung im heutigen Internet. Warum die Computerisierung der Geschichtsschreibung zunächst einmal nur den quantifizierenden Geschichtswissenschaften zugute kam, dieser Umstand aber gleichzeitig zu einer Öffnung hin zu anderen Disziplinen wie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften führte, ist einer der interessanten Aspekte des ersten Teils.
Die Auswirkungen des so genannte Google-Prinzips auf das hart erarbeitete Instrumentarium der Geschichtswissenschaften empfinde ich als einen weiteren Höhepunkt der Untersuchung. Bei der algorythmischen Vorauswahl der Informationen und der Vermassung verfügbarer Informationen entsteht eine "Musik des Zufalls" aus jeder Suchmaschinenrecherche. Frei von Polemik führt der Autor durch das Dickicht von Recherchemöglichkeiten jenseits von Google, erklärt einige Werkzeuge des "sekundären Wissens" und zeigt, welche genuin sinnvollen Methoden der Informationsbeschaffung im Internet verkümmern. Ob künftig die Beherrschung von "Hilfswissenschaften" wie Informationstechnik oder Archivwissenschaften zur Kernkompetenz der Historiker zählen müssen, ist eine der vielen interessanten Fragen, die er aufwirft.
Bei der Verfassung des Buchs hat sich Peter Haber in technischer, kommunikativer und methodischer Hinsicht moderner digitaler Hilfsmittel bedient. Das Buch entstand mit Hilfe von Blogs, Internettelephonie und einer umfassenden Datenbank mit wichtigen dititalisierten Quelltexten. Das ist dem Gegenstand der Arbeit angemessen. Erstaunlich finde ich, dass ein Werk zu ausgerechnet diesem Thema nicht als eBook verfügbar ist. Das wäre in diesem Fall obendrein besonders einfach gewesen.