Als Fear Factory vor gut acht Jahren ihren damals noch sehr Death Metal-lastigen Dampfhammer namens "Soul Of A New Machine" in die Läden stellten, hatte ich nicht wirklich viel Geld, um mir CDs zu kaufen, immerhin war ich erst elf. Also half ich der Vergrößerung meines musikalischen Horizontes per Tapetrading auf die Sprünge und eines schönen Tages landete ein Tonband mit der Aufschrift "Soul" in meinem Tapedeck. Was darauf zu hören war verdrehte mir gehörig meinen infantilen Kopf und ich mußte herausfinden, wer der Urheber dieser verdammt eigenständigen Death Metal-Granate war. Eben diese Band warf ca. 3 Jahre später mit "Demanufacture" eines der wichtigsten Werke auf den Markt, das die harte Musikszene je gesehen hat. Die Mischung aus aggressivem Metal und Industrial-Klängen war geradezu revolutionär. Mit "Obsolete" folgte ein weiterer Meilenstein der harten Zunft und nun, nach drei Jahren des ungeduldigen Wartens beglücken uns die Herren aus der Angstfabrik mit ihrem neuen Werk Digimortal. Und wahrlich: welch ein Glück! Diese Scheibe ist eine dermaßen fette Sache, daß ich beim ersten Hördurchlauf meinen Ohren kaum zu trauen wagte. Fear Factory sind ihren Markenzeichen ohne Zweifel treu geblieben: Dino schraddelt sich munter durch eine Gitarrenwand nach der anderen, Burton glänzt wie gewohnt mit seiner Stimme, wobei das Verhältnis zwischen gebrüllten und gesungenen Gesangspassagen weitesgehend ausgewogen ist, Christian pumpt uns den Bass mitten in die Fresse und Raymond.... Sagt mal, das kann doch kein Mensch sein! (Zitat eines befreundeten Tontechnikers:"Verdammt, ich habe dem Typen mit eigenen Händen die Trigger ans Drumkit gebaut, aber der Kerl hat die Dinger einfach nicht gebraucht!") Dieser Übermensch von Schlagzeuger prügelt uns erneut mit einer Präzision, die Ihresgleichen niemals finden wird, die Sechzehntel um die Ohren, daß man eigentlich noch Wochen später grinsend mit einem Dauerständer in der Gegend herumlaufen müßte. Auffallend ist, daß die Produktion dieses Mal wieder deutlich Schlagzeug-orientierter ausgefallen ist, als bei Obsolete, was den Druck ins Unermeßliche steigert. Dafür verantwortlich ist kein geringerer als Rhys Fulber (ex-Frontline Assembly), den seit der 93er EP "Fear Is A Mindkiller" eine enge Freundschaft mit den Musikern verbindet und der auf dem neuen Output nun wieder die Kontrolle über die Inputs hatte. Auch musikalisch hat dieser Wechsel am Pult seine Konsequenzen, denn die synthetischen Klänge haben auf "Digimortal" einen besonders hohen Stellenwert, was der Gesamtstimmung trotz der recht warmen Produktion eine gewisse Kälte und Aggressivität gibt. Fear Factory haben es wieder einmal geschafft und erneut einen Soundtrack für ein Zeitalter abgeliefert, was ich persönlich nicht unbedingt erleben möchte! Nur Geil!