Grund des Erwerbs
Wegen kleiner "Schadstellen" (ca. 0,5 mm) auf einer Materialoberfläche wollte ich untersuchen, ob es sich hier lediglich um eine Verschmutzung handelt oder um einen Produktionsfehler, der dann zu reklamieren gewesen wäre. Das DNT DigiMicro 2.0 hat es mir ermöglicht festzustellen, dass es sich offensichtlich um hartnäckige oberflächliche Verunreinigungen handelt.
Lieferumfang
Das Mikroskop wird in einer ordentlichen Verpackung geliefert, welche folgende Teile enthält:
- das Mikroskop mit fest montiertem USB-Kabel
- einen einfachen, flexibel verstellbaren Metallständer
- eine deutschsprachige Bedienungsanleitung (11 Seiten)
- Software auf einer Mini-CD (8cm Durchmesser)
- Warnhinweise zu möglichen Installationsproblemen
Inbetriebnahme
Gleich beim Auspacken fallen einem auffällige Warnhinweise in die Hände: Wenn es Probleme mit der Inbetriebnahme gäbe, sei dies kein Grund, das Gerät gleich wieder zurückzusenden, vielmehr solle man sich vertrauensvoll an die Fachleute des Service-Teams wenden, unter der angegebenen Telefonnummer. Falls das Mikroskop von der Software nicht erkannt würde, solle man den mitgelieferten Treiber wieder deinstallieren und den aktuellen von der Website des Herstellers herunterladen.
Da ich die Software auf meinem Notebook installieren wollte, welches nur einen CD-Schlitz aber keine ausfahrbare Schublade hat, habe ich mich nicht getraut, die Mini-CD ins Laufwerk zu schieben - wer weiß, ob diese jemals wieder herausgekommen wäre? So habe ich gleich die aktuelle SW von der Internetseite des Herstellers geladen und installiert. Dies ging problemlos, allerdings wurde das Mikroskop nicht erkannt, wie in den Warnhinweisen beschrieben. Also deinstallierte ich den Treiber im Gerätemanager und installierte den neuesten Treiber von der Produktseite des Herstellers. Diese Treiberdatei ist über 20 MB groß und die Installation dauerete mehrere Minuten.
Qualität und Bedienung
Das Mikroskop hat hat eine mattschwarze, stumpfe Oberfläche, die sich angenehm anfühlt. Vorne befindet sich eine transparente Schutzkappe, die die Optik vor Staub schützt und vor der Inbetriebnahme abgenommen werden muss.
Die Verarbeitungsqualität erscheint mir sehr gut, der Ständer könnte aber einen etwas schwereren Fuß haben, damit er nicht so leicht umkippt.
Die Vergrößerung bzw. Schärfe stellt man am griffigen Rändelrad ein, wo auch die aktuell gewählte Vergrößerung an einer Skala abgelesen werden kann. Dieses Einstellrad besitzt mechanisch gerade die richtige Leichtgängigkeit. Am oberen Ende des Mikroskops befindet sich ein weiteres Einstellrad, mit dem die aus 8 LEDs bestehende Beleuchtung stufenlos verstellt werden kann. Die Beleuchtung ist damit auch ganz abschaltbar, sodass eine externe Lichtquelle eingesetzt werden kann. Seitlich befindet sich eine rote "Einzelbildtaste". Das aktuell angezeigte Bild wird durch Betätigung dieser Taste gespeichert oder über einen Mausklick auf das Kamerasymbol der Bediensoftware oder mittels F11 auf der Rechnertastatur.
Da Scharfstellung und Vergrößerung voneinander abhängig sind, kann nicht jede beliebige Vergrößerung eingestellt werden. Vielmehr sind je nach Objekt-Distanz ein oder zwei Vergrößerungen möglich. Setzt man das Mikroskop beispielsweise direkt auf einer ebenen Oberfläche auf, so sind dies die Vergrößerungswerte 35-fach und 200-fach. Ist eine Vergrößerung zwischen diesen beiden Werten erwünscht, so muss sich das Objekt bereits wenige Millimeter innerhalb des vorderen transparenten Tubus' befinden, um scharf abgebildet zu werden. Die größte Objektdistanz beträgt gut 1 cm außerhalb des Tubus' bei 20-facher Vergrößerung (jeweils Skalenangaben). Die tatsächliche optische Vergrößerung scheint aber nur die Hälfte der angegebenen Werte zu betragen. Die Monitordarstellung ist zudem von der Pixelanzahl des Monitors abhängig. Auf meinem 15" Monitor mit einer nativen Auflösung von 1440 x 900 Pixeln, wird bei einer Vergrößerung von "200-fach" 1 mm ca. 10 cm groß abgebildet, was einer realen Vergrößerung um den Faktor 100 entspricht. Im Handbuch steht unter Optik "Dual-Linse 27-fach + 100-fach", während unter Vergrößerung "20- bis 200-fach (optische + digitale Vergrößerung)" aufgeführt ist.
Das Scharfstellen wäre mittels Einstellrad eigentlich recht unproblematisch, allerdings hatte ich folgendes Problem: Trotz Anschluss an einem leistungsfähigen Notebook wurde das Bild am Monitor zeitweise nur "widerwillig" aktualisiert. Da dies nicht immer so ist, scheint die Ursache nicht in der Leistungsfähigkeit der Hardware zu liegen, sondern im SW-Bereich. Das Bild scheint dann nur aufgefrischt zu werden, wenn sich größere Veränderungen ergeben. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden. Insgesamt macht die Software keinen ganz ausgereiften Eindruck. So kann man zwar die Menüsprache "Deutsch" wählen, diese Einstellung wird aber nicht gespeichert. Mehrere Einstelloptionen sind deaktiviert, was darauf hindeutet, dass die Software ursprünglich für ein anderes Gerät entwickelt wurde. Einmal wurde durch Betätigen der Einzelbildtaste sogar die Webcam des Notebooks eingeschaltet, dies war jedoch nicht reproduzierbar.
Bildqualität, Bildbearbeitung
Da in dieser Preisklasse kein Präzisionsinstrument erwartet werden darf, hat mich die Bildqualität angenehm überrascht. Einfachere Untersuchungen sind damit durchaus möglich. Die Software bietet einige Einstellmöglichkeiten wie Kontrast, Helligkeit und digitale Schärfung. Durch Doppelklick auf das jeweilige Vorschaubild wird die Datei in einer einfachen Bearbeitungssoftware geöffnet. Dort kann man zum Beispiel Bemaßungen vornehmen, nachdem man den am Einstellrad abzulesenden Vergrößerungswert von Hand eingetippt hat. Dies ist eine wirklich nützliche Funktion. Zusätzlich kann Text ins Bild geschrieben werden. Die Bilder werden im JPG-Format gespeichert.
Mit diesem Mikroskop können auch Videos im AVI-Format aufgenommen werden. 10 Sekunden Video ergeben einige hundert MB Dateigröße.
Mein Fazit
Mit dem Gerät selbst bin ich recht zufrieden und würde es für einfachere Untersuchungen wieder kaufen. Die Software und Softwareinstallation sind aber noch verbesserungsfähig. Für die Hardware würde ich bezogen auf den Preis 4,5 Sterne vergeben, für die Software nur 2. In Summe erscheinen mir 3 Sterne angemessen.