Funk & Groove goes Big Beat - geht nicht? Aber hallo! Die chemischen Brüder schaffen es funk geladene und groovende Elemente mit fetten Bässen, satten Drums und abgefahrenen Synthies so homogen zu inszenieren als wäre es ganz selbstverständlich. Damit beschreibe ich aber nur ein Segment des vor Abwechslung und musikalischer Vielfalt strotzenden Werkes, welches ich eben am imposantesten finde.
Daher ist für mich "Block Rockin' Beats" mit seinem funky Gitarrenlauf auch der Knaller des Albums. "Don't Stop The Rock" hingegen bietet technoiden Flächensound, unterstützt mit analogen Drumsamples, bei "Lost in the K-Hole" wiederum groovt die Gitarre lässig mit Chill-Out Synthies. So liefert jedes Stück einen ganz individuellen Beitrag ohne aus dem Gesamtkonzept zu fallen oder irgendwie deplaziert zu wirken. Faszinierend ist vor allem die Verschmelzung von digitalem- und analogem Sampling (wobei das anloge meistens auch durch digitale Filter und andere Verzerrer gejagt wurde, aber die Herkunft hörbar bleibt), das nie gegensätzlich klingt, sondern sich wunderbar ergänzt. Gast Vocals von Noel Gallagher (Oasis) und Beth Orton runden das Chemical Paket als Sahnehäubchen ab.
Insgesamt ist es laut, gelegentlich sehr laut und dementsprechend vor Energie strotzend. Die Verschnaufpausen kommen erst zum Ende des Albums. Durch ein teilweise schier unglaubliches Detailreichtum der einzelnen Songs, geht man immer wieder auf Entdeckungsreise. Was die Jungs an Samples für ein einziges Lied verheizen, reicht bei anderen für eine halbes Album, ganz im Ernst. Allerdings kann man sich von diesen exzessiven Samplemonstern, die bei einigen Tracks auf ohrenbetäubenden Frequenzen liegen, auch erschlagen fühlen, da es für den einen oder anderen sicherlich überladen, aufdringlich oder konfus klingen mag. Für mich nicht (oder nur punktuell), würde dies dennoch als Kritikpunkt nachvollziehen können. An experimentellen Werken scheiden sich oft die Meinungen. Einige werden sicher die Geradlinigkeit des Vorgängers vermissen. Für mich haben die Chemicals Brothers nach ihrem Debüt den zweiten Meilenstein in Folge gesetzt - Respekt.