Es geht vollkommen in Ordnung, das man etwas irritierend wirkt (drei Alben, drei Stilwechsel), wenn man gleichzeitig dabei so fast schon unverschämt gut ist. 'A different kind of fix' ist das inzwischen dritte Album des Bombay Bicycle Club, und schon die dritte musikalische Reinkarnation der Band. Und ... es ringt mir ein wohliges Seufzen ab, weil immer deutlicher wird, wieviel Talent und Kreativität in dieser Band steckt.
War Album 1 noch klassischer, dynamischer Indie Pop, wie er auf der Insel sehr beliebt ist. Das Folgealbum 'Flaws' machte dann einen U-Turn hinein in den Folk Rock. Aber anstelle mit Album Nummer 3 diesen in Bezug auf die Verkaufszahlen erfolgreichen Weg weiterzugehen, kommen BBC mit etwas zurück, dass eigentlich gar nicht mehr kategorisierbar ist. Ein wenig House, ein wenig Animal Collective, eine wenig Talking Heads und eine Riesenportion Enthusiasmus und Sonne. Sehr indie und extrem entrückt - im positiven Sinne.
Die Leadsingle SHUFFLE fasst diesen eigenen Mikrokosmos, den das Album darstellt, wunderbar zusammen. Ein sofort ins Ohr gehender sehr eingänglicher Popsong, mit einem herrlichen auf die Tanzfläche schiebenden Piano Sample. WHAT YOU WANT und BAD TIMING gehen in dieselbe Richtung. Alle Musikspielarten sind vertreten! LIGHTS OUT, WORDS GONE beginnt funky, dreht im Mittelteil eine Runde über Math Rock, wie ihn the Foals präsentieren und entlädt sich in einem extrem souligen finalen Teil. Man muss schon genau hinschauen und -hören, um zu realisieren, dass es sich hier um einen einzigen Song handelt. Dann kann man aber bedenkenlos niederknien vor dieser zelebrierten Grenzenlosigkeit. Mit BEGGARS ist die folkige Eigenreferenz zu 'Flaws' enthalten. Mit LEAVE IT der bisjetzt eingängiste Refrain in der Bandhistorie. STILL klingt ein wenig wie Radiohead auf 'Amnesiac', nur eben positiver und enthusiastischer und nicht als ob man gerade ein geliebtes Haustier verloren hat ;-).
Die Gitarren dominieren hier nicht, sie helfen, und zwar vor allen dem Bass. Der Groove durchzieht das gesamte Album als verbindendes Element. Die Bassläufe sind dabei mindestens so ansprechend wie die Melodien. Was wiederum an die glorreichen Charlatans in ihren Anfangstagen erinnert.
Aber genug des Namedroppings und des Schwärmens. Hören!