Dietrich von Bern 1: Ruhm
Dietrich von Bern ist ein Heldenepos in Comicform, basierend auf dem Hildebrandslied oder auch auf den Nibelungenlied.
Erdacht hat Autor Peter Wiechmann diese Werk bereits vor Jahrzehnten. Damals erschien die Geschichte zwischen 1981 und 1983 in den Fix und Foxi-Taschenbüchern in 10 Episoden gestückelt, doch nun kommt die Geschichte bei Cross Cult in 3 Bänden gesammelt und endlich in einem würdevollen Rahmen (A5-Hardcover mit stimmungsvoller, dunkelbrauner Druckfarbe). Ergänzt werden diese Prachtbände mit Einleitungen, redaktionellen Sachartikeln zum Thema Ritter und Mittelalter sowie Anmerkungen des Autors. Den Text hat Wiechmann komplett überarbeitet. Statt Sprechblasen gibt es nun Erzählblöcke, ähnlich wie bei Hal Fosters 'Prinz Eisenherz'.
Zur Handlung:
Dietrich von Bern, Nachfahre eines Geschlechts von Kriegern, ist Sohn des Königs Dietmar von Bern, im heutigen Verona. Schon als Kind wird er zum Kämpfer erzogen, wie sich für einen Thronfolger gebührt. Ihm zur Seite steht Hildebrand, ein strenger Waffenmeister, der ihn trainiert und abhärtet.
Als Dietrich zum Ritter heranreift, will er natürlich auch sein eigenes Schwert haben, doch nach dem Willen seines Vaters muß er es sich verdienen. So zieht Dietrich mit Hildebrand los, um das sagenumwobene Schwert Nagelring aus den Händen der Riesen zu reißen...
Im weiteren Verlauf der Geschichte scharrt Dietrich von Bern Verbündete um sich, die ihn jedoch erst im Kampfe besiegen müssen, um an seiner Seite als Ritter dienen zu dürfen. Eine harte Prüfung für die Anwärter.
Schließlich ziehen Dietrich und sein Heer zur Verstärkung von Hunnenkönig Etzel in den Krieg gegen den polnischen Herrscher Osanterix, eine Schlacht von wahrhaft epischen Charakter, aus der nicht alle lebendig zurückkehren werden.
Fazit:
Peter Wiechmann ist Autor von vielen großartigen Comicserien, die Cross Cult in den letzten Jahren als überarbeitete Neuversion präsentiert hat (Andrax, Hombre, Thomas der Trommler). Dazu hat er auch ein Talent, für seine Serien die passenden Zeichner heraus zu suchen. Mit José Rafael Méndez Méndez, der auch für die Serie Hombre gezeichnet ist, ist ihn das auch in diesem Fall gelungen. Der Spanier sorgt mit seinen detailreichen, realistischen Zeichenstil für die passende Untermalung der Heldengeschichte. Besonders seine Zeichnungen von Schlachten, aber auch seine Tiere wie Pferde, Wölfe und Bären wirken lebensecht. Hier kann man minutenlang auf eine Zeichnung starren, um jedes Detail zu genießen.
Anders als beim Genrekollegen Prinz Eisenherz bekommt man hier keine zahme, pfadfinderhafte Rittergeschichte serviert, sondern der Ton und das Verhalten der Personen ist klar von der Vorlage aus dem Mittelalter dominiert. Brutale Schlachten, fiese Schurken und auch der Titelheld ist stürmisch und bisweilen jähzornig - so und nicht anders stellt man sich die Umsetzung einer Geschichte vor, die im dunklen Mittelalter ihren Ursprung hat.
Auch die neuen Texte von Peter Wiechmann sind stimmig, und mit mittelalterlicher Sprache gespickt, wie man es z.B. aus dem 'Simplicissimus' kennt.
Insgesamt ein klasse Rittercomic, den man sich nicht entgehen lassen sollte!
(project:equinoX)