Wer in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen ist, muss alleine schon mangels alternativer Musiksendungen kein großer Schlagerfan sein, um Dieter Thomas Heck als omnipräsente mediale Erscheinung in Erinnerung zu haben. So geht es mir als Leser - ohne großes Faible für Schlager gehörte der Moderator doch zum öffentlichen Leben mehr dazu als die meisten anderen Prominenten heutzutage. Also habe ich das Buch auch aufgrund von Jugenderinnerungen an heimische Fernsehabende gekauft.
Sie erwartet von Autor Peter Lanz ein Abriss von Hecks Werdegang vom Sänger über den Hitparaden-Moderator, Schauspieler bis hin zu seiner Abschiedsgala. Im Gegensatz zu anderen Biographien, die trotz Mitwirkung eines Fremdautors aus der Ich-Perspektive verfasst sind, erzählt Lanz Hecks Geschichte, lässt ihn aber ausgiebig im O-Ton erzählen.
Wer eine "Abrechnung" erwartet, liegt schon einmal falsch: Heck zieht nicht über ehemalige Kollegen her. Wer wissen will, mit wem er nicht gut auskam, muss schon zwischen den Zeilen lesen. Offenbar waren Leute wie sein Nachfolger Viktor Worms oder etwa Rudi Carrell nicht sein Geschmack, doch das lässt Heck immer nur anklingen, ohne wirklich Gehässiges zum Besten zu geben oder im Bohlen'schen Sinne nach zu treten. Dafür erhält der Leser einige wirklich vergnügliche Anekdoten, wie sich die damaligen Stars hinter den Kulissen gegenseitig teils geradezu kindische Streiche gespielt haben.
Einige Dinge haben mir jedoch eindeutig gefehlt. Zum Beispiel wird das kurze, aber dennoch damals umwälzende Hereinbrechen der Neuen Deutschen Welle, die eine bundesweite Soll-man-oder-nicht-Debatte auslöste, gerade einmal auf zwei Seiten abgehandelt. Auch Hintergründe diskutierter "Skandälchen" wie etwa, dass Didi Hallervorden und Helga Feddersen die Grease-Persiflage "Die Wanne ist voll" entgegen den Hitparaden-Vorschriften nicht live singen wollten, fehlen. Oder aber die Situation, als Nena vom heutzutage natürlich hoffnungslos antiquiert wirkenden Schlager-Publikum ausgebuht wurde, findet keinen Niederschlag.
Zum zweiten fehlt mir eine genauere, vielleicht mehr romanhafte, erzählerische Darstellung von Sendungs- und Veranstaltungsabläufen sowie eine charakterisierende Darstellung von Persönlichkeiten vor und hinter den Kulissen (was nicht mit einer Verunglimpfung derjenigen zu verwechseln ist). Oftmals hat man das Gefühl, wie durch eine Milchglasscheibe auf diese Vergangenheit zu schauen. Relativ wenig wird detailliert dargestellt, vieles lässt sich nur dann erahnen, wenn man beispielsweise die jeweiligen Künstler von damals noch vor Augen hat.
Zu guter Letzt scheint aus handwerklicher Sicht gelegentlich die Darstellung von Peter Lanz und Dieter Thomas Heck etwas unglücklich aneinander geflanscht zu sein: Immer wieder bleibt unklar, ob gerade der Autor beschreibt oder Heck im O-Ton berichtet.
Insgesamt ein lohnenswertes Buch für diejenigen, die mit der Hitparade aufgewachsen sind und die Künstler kennen. Allerdings erreicht der Band nicht die Dimension eines Werkes wie "Der Mann mit dem Fagott" - für ein Leben, wie es Dieter Thomas Heck geführt hat, sind 268 Seiten einfach viel zu wenig.