"Gabriel Burns" ist schon eine seltsame Serie. Man kann gut benennen, was einen an ihr stört, ist ihr aber trotzdem verfallen. Sie erscheint wie eine Mischung aus "Akte X" (Verschwörungstheorien und Gruselelemente) und "Millennium" (übernatürliche Begabungen der Hauptfigur), nur etwas schlechter - und fragt sich zunächst, warum man sie schlechter findet. Dann wird es klar: Man erwartet eine Serie, die mit unterschwelliger, vielleicht unbewusster Angst spielt, mit der Unberechenbarkeit der Mitmenschen, mit seltsamen Phänomenen, die möglicherweise unaufgeklart bleiben, und immer dann, wenn es am spannendsten wird, tauchen irgendwelche detailliert beschriebenen Monster auf. Das Grauen bekommt ein (akustisches) Gesicht und wird damit der Macht der eigenen Phantasie entzogen. Man weiß ja schließlich, dass es keine Grauen Engel gibt, keine Seeschlangen mit Wolfskopf, keine außerirdischen Ammoniten mit Skorpionen, die wie Kinder schreien... und so. Dennoch, man kann nicht aufhören, die nächste und wieder nächste Folge hören zu wollen. Auch an den Charakteren kann es nicht unbedingt liegen, denn Steven Burns ist der einzige, der überhaupt ein bisschen näher beschrieben wird; die anderen erfahren kaum Veränderungen. Oder nimmt man die nur schleichend war?
Es gibt natürlich ein Gesamträtsel: wohin verschwand Stevens Bruder Daniel, als Steven ihn auf einem Kindergeburtstag wegzauberte? Es gibt Menschen, die das wissen, aber dazu gehören weder Steven Burns noch die Hörer. Als weiteres übergeordnetes Rätsel hat man diese seltsame Verschwörung um die "zehn fahlen Orte" mit allem, was dazugehört: die Beteiligung verschiedener Sprachen, diverser Monstren, eines Serums für ewiges Leben, einer Gruppe von Zauberern sowie eines Auftraggebers und dessen mehrfach geklonten Widerparts. In jeder Folge erfährt man ein bisschen mehr und kann sich so manchen Reim auf alles machen. Irgendwie geht es immer wieder um Jugend, um Kinder und ums (Über-)Leben. Wahrscheinlich auch darum, permanent aus Erlebtem Erkenntnisse zu ziehen und weiterzulernen.
Inzwischen ist der Stamm der Hauptfiguren erneut angewachsen, sodaß man noch besser Parallelhandlungen darstellen kann. In dieser Doppelfolge werden Steven und Joyce von der klischeehaft bösen russischen Regierung gefoltert und dann (seltsamerweise) in ein abenteuerliches Projekt involviert: sie sollen Luther Niles, den geklonten Gegner ihres Auftraggebers Bakerman, in einem fehlgeschlagenen russischen Biosphärenprojekt finden. Zwei Kuppeln existieren, beide sind mutiert, die ehemalige Taigakuppel am weitesten. Dorthin flüchtete Niles, Burns und ein russischer Biologe (gesprochen von Smudo) sind ihm auf den Spuren. Klingt eigenartig? Bekommt aber einen Sinn, keine Angst. Oder doch, Angst schon, aber eher vor der grausamen Brutalität.
Ab 12 ist die Serie nun wirklich nicht mehr. Brutal ist sie ja schon länger, aber so splatterig-detailliert war sie bislang nicht. Man spürt jeden amputierten Finger und jeden aufgeschlitzten Kopf alleine vom Zuhören. Zudem stinkt und verwest es allenthalben, überall lauern Tod und Körperflüssigkeit. Das befremdet zwar, man will aber dennoch wissen, wie es weitergeht. Interessant wäre auch, zu wissen, worauf die Serie ausgelegt ist, wie viele Folgen noch zu erwarten sind. Das Logo auf den CD-Kanten dürfte mit Folge 13 vollständig sein, aber von einer Gesamtlösung ist man noch weit entfernt.
Und so wartet man auf die Bekanntgabe der Veröffentlichung der nächsten Folge. Man hört die alten Folgen immer wieder und wundert sich, dass man, wenn man sich an Einzelheiten aus der Serie erinnert, obwohl es ein Hörspiel ist, trotzdem immer Bilder vor Augen hat...