In seinem letzten Film widmet sich Luis Bunuel einem selbstgefälligen Snob, der seine ungestillte erogene Lust partout nicht befriedigen kann, weil ihn das obskure Objekt seiner Begierde, die bildhübsche 18-jährige Andalusierin Conchita, in einem ewig fortwährenden neckischen Katz-und-Maus-Spiel erst in Versuchung führt, um sich seinem nonchalanten Charme dann doch immer wieder mit gespenstischen Kapriolen zu entziehen, und so zu einem Musterstück einer verführerischen Femme Fatale zu werden, die mit ihren makabren Scherzen die spießbürgerliche Welt ihres Opfers gezielt aus den Fugen hebt. Dabei beginnt der Film gleich mit seinem Ende und wir werden Zeugen, wie der wohlhabende Geschäftsmann Mathieu Faber völlig entnervt eben jener Conchita, die ihm auf einem Bahnsteig nachläuft, aus einem stehenden Zug heraus einen Eimer Wasser mitten ins geschundene Gesicht schüttet. Was diesem lieblosen Akt vorausgegangen ist, erzählt er in den folgenden knapp 100 Minuten im Abteil den erstaunten Fahrgästen, die den Rest des Films damit verbringen, einer absurden Geschichte über die amüsante Jagd nach dem schönen Geschlecht zuzuhören.
Alles beginnt auf ganz klischeehafte Art, als Conchita ihre Stellung als Dienstmädchen bei Mathieu antritt, der sich trotz seines gesetzten Alters von der unwiderstehlichen Schönheit sexuell angezogen fühlt, bis er sich ihr auf zudringliche Weise nähert, woraufhin die grazile Jungfrau über Nacht spurlos verschwindet. Bei einem geschäftlichen Aufenthalt in der Schweiz wird Mathieu scheinbar zufällig in einem Park von einer Jugendbande überfallen und ausgeraubt. Zu seiner Überraschung bringt ihm ausgerechnet Conchita die gestohlenen 800 Franc zurück. Beide kommen sich näher, wobei Mathieu allmählich beginnt, die unzähmbare Widerspenstige mit Geld an sich zu binden, indem er kulant die Schulden ihrer mittellosen Mutter begleicht. Als er glaubt, Conchita soweit zu haben, sich gefügig zu machen, verschwindet sie erneut, um ihm einige Zeit später in Paris an der Garderobe eines Restaurants aufs weitere Mal schicksalhaft über den Weg zu laufen. Nun gibt sich Conchita vertrauter und zugänglicher, sogar so sehr, dass sie Mathieu gewährt, nachts in ihr Bett zu steigen, wo er kurz vor dem verheißungsvollen Ziel auf einen gordisch verschnürten Hüfthalter an ihrem Unterleib trifft, der ähnlich einem Keuschheitsgürtel Mathieus obszöne Annäherungsversuche erneut kläglich zum Scheitern verurteilt. Als Conchita bei ihm einzieht und eben jenen zwielichtigen Gitarrenspieler in der Villa versteckt, der Mathieu in der Schweiz noch ausraubte, reißt ihm endgültig der Geduldsfaden, so dass er völlig verzweifelt seine Beziehungen in die höchsten Kreise spielen lässt, um die zickige Spanierin mitsamt ihrer Mutter unter fadenscheinigen Begründungen von den Behörden aus Frankreich ausweisen zu lassen, und sich so von seinem unstillbaren Verlangen nach ihr zu befreien. Doch bei einem Urlaub in Sevilla wird die nächste Runde eingeläutet. Conchita arbeitet nun als Tänzerin, wobei Mathieu heimlich dabei zusieht, wie sie vor asiatischen Touristen einen splitterfasernackten Flamenco zur heißblütigen Sevillana-Folklore aufs Parkett legt. Dennoch schenkt er ihr gönnerhaft den Schlüssel zu einem Haus. Sie "dankt" es ihm, indem sie ihn aussperrt und hilflos durch ein verriegeltes Gittertor dabei zusehen lässt, wie sie sich mit ihrem ständigen Begleiter, dem ominösen Musikanten, hemmungslos vor Mathieus schmachtenden Augen liebt.
Sind all diese Geschehnisse wirklich nur dem Zufall geschuldet oder spielt hier ein ganz ausgekochtes Biest virtuos die Klaviatur der sexuellen Manipulation, um so einen alternden Witwer aus der Oberschicht, der dem großbürgerlichen Trugschluss erliegt, dass alles im Leben käuflich sei, abgrundtief lächerlich zu machen, weil dessen Drang, Conchita um jeden Preis über den Coitus für sich körperlich besitzen zu wollen, schließlich zur besessenen Sucht wird, die ihn gezielt in den gnadenlosen Unverstand treibt? Dass es sich doch nicht um Zufälle handelt, suggeriert der Film selbst, indem die Handlung immer wieder ganz nebenbei von Sabotageakten begleitet wird. Ein Elektrizitätswerk explodiert, ein Terroranschlag sorgt für einen Stau, Radiodurchsagen warnen permanent vor radikalen Gruppen, so dass immer der Ton des Subversiven unterschwellig mitschwingt, sogar bis in die weibliche Hauptfigur hinein. Denn Conchita wird abwechselnd gleich von zwei Schauspielerinnen verkörpert, wobei Carole Bouquet die kühle Intellektuelle mimt und Angela Molina als aufmüpfiges, impulsives Satansweib in Erscheinung tritt. Die Darstellerwechsel vollziehen sich fließend und unvorhersehbar, oft sogar innerhalb einer Szene. So sieht man wie die doppelte Conchita in Gestalt von Carole Bouquet ins Bad geht, um als Angela Molina zurückzukehren, was von Mathieu stets unbemerkt bleibt, so dass es rein hypothetisch ist, warum er eigentlich so sehr an ihr hängt. Zumal Conchita alles in einem repräsentiert: braves Dienstmädchen und sündige Stripperin, madonnengleicher Engel und umtriebiger Teufel. Ihre faszinierende Strahlkraft verliert sie aber nie und eben diese personifizierte Doppelbödigkeit wird zum Sinnbild des Obskuren, der weiblichen Unerreichbarkeit, deren Tiefen sich Männern nie vollständig erschließen werden und hier in Form einer ständig wechselnden Äußerlichkeit sichtbar zu Tage treten. Bunuel legt mit diesem raffinierten Besetzungstrick Mathieu auch beiläufig in den Mund, dass für ihn die Frau in seinem triebhaften Begehren objektivierbar ist. Mit Geld und versprochenen Wohlstand versucht er Macht über Conchita auszuüben, die ihrerseits dagegen aufbegehrt, um selbst die dominante Rolle einzunehmen, indem sie ihm mit der hohen Kunst der Lüge die unerlöste Lust an ihrem Körper verweigert und ihn so zu einem hörigen Sklaven ihrer fatalistischen Aura macht. Ihre ökonomische Unterlegenheit kompensiert sie mit sexueller Macht, um ebenbürtigen Respekt einzufordern. An einer Stelle im Film sagt sie: "Wenn ich dir alles gäbe, würdest du mich nicht mehr lieben.". In der Zurückweisung klagt sie Liebe als Preis für ihren Körper ein. Conchita ist nicht käuflich, ihre Verweigerung wird zu einer subversiven Rebellion der unteren Schicht gegen die Einflussnahme der elitären Klasse. Eine wunderbare Metapher, die Luis Bunuel in diese herzhaft schöne Lästerei über die Amour Fou hineinlegt.
Mathieu Faber wird von Fernando Rey gespielt, der auch noch in einigen anderen Bunuel-Klassikern mitwirkte. Carole Bouquet werden viele als Bond-Girl an der Seite von Roger Moore aus "In tödlicher Mission" kennen. Bis auf ein paar Trailer und einer Fotogalerie gibt es kein weiteres Bonusmaterial. Die Tonspur liegt nur in Mono Dolby Digital vor. Das Bildformat beträgt 1,66:1.