Das Buch ist ein Augenöffner. Nicht mehr und nicht weniger!
Hervorragend die Analyse des elterlichen Fehlverhaltens.
Schockierend die Analyse des Verhaltens des Lehrpersonals.
Und für sozialpädagogische Wattebauschwerfer ein Trauma: die tiefgreifende Analyse des vermeintlich unerklärlichen destruktiv-vermeidendenden Verhaltens der Jugendlichen.
Nicht nur bei Bildungsträgern läuft es schief - in staatlichen Schulen mit verbeamtetem Lehrpersonal läuft der Hase nicht anders. Ich weiss, wovon ich rede, denn ich habe vor kurzem den Schuldienst nach 7 Jahren Fachpraxislehrerinnentätigkeit verlassen. Kolleginnen und Kollegen, die sich - wie so wunderbar von Wolfgang Seidel beschrieben - schlimmer benehmen als die zu betreuenden Jugendlichen, aber im Falle der Beamten nicht zur Rechenschaft gezogen werden können (selbst wenn das ein Schulleiter wollte) und dadurch in einem Maße infantil und unreif handeln, dass sie mir jedes, aber auch jedes Vorurteil bestätigt haben, das man über Lehrer haben kann.
Der gesamte Bildungssektor in Deutschland ist ein Trauerspiel.
Wie gut, dass man bei der Lektüre dieses Buches zumindest Tränen darüber lachen kann.
Den bitteren Nachgeschmack wird allemal wettgemacht durch die Menge an Erkenntnissen, die man aus Seidels Analysen gewinnen kann.
Jedem in der Bildung Tätigen zu empfehlen, der sich zumindest manchmal abends im Spiegel anschaut und sich erschreckt, wie fremd er sich geworden ist. Und jedem zu empfehlen, der nicht fassen kann, woher die Menge an ausbildungsunfähigen Jugendlichen kommt und warum sie es auch nach der zehnten Maßnahme einfach nicht packen. Und damit jedem an bundesdeutscher Bildungpolitik Interessierten dringend zu empfehlen!