Alessandro Baricco Diese Geschichte Hanser Verlag
ISBN 3446209182
Mit einem legendären Autorennen um 1903 führt uns Alessandro Baricco in seinen neuen Roman ein.
Gleichsam als Parabel auf das Leben versinnbildlicht das Abfahren und das Ankommen beim Autorennen das Leben.
Die Moderne hält ihren Einzug in das 20. Jahrhundert mit dem Auto, mit Flugzeugen, Radio und Telefon.
Eher langsam steigert Baricco das Tempo, das zum eigentlichen Plot führt: Ultimo, ein Junge aus dem Piemont, wird der Held der Geschichte sein!
Sein Vater, ein Bauer, hatte seine Rinder verkauft, um eine Autowerkstatt einzurichten. Aber wer besaß um diese Zeit schon ein Auto?
Das Leben ist hart, die Armut groß. Libero Parri hält sich gerade eben über Wasser, bis ihm der Verkauf von Lastwagen angetragen wird. Da waren die ersten Autorennen schon gelaufen und Ultimo, Liberos einziger Sohn, bekommt von Grafen D'Ambrosio, einem Gönner der Familie, ein Motorrad geschenkt. Das war 1913, und Ultimo träumt von der Rennbahn seines Lebens!
Im Teil zwei kämpft Ultimo im ersten Weltkrieg. Kameradschaft, Tod, Blut und Untergang prägen das Geschehen. In einer fast assoziativen Manier hören wir von verschiedenen Kameraden Ultimos, vom Warten auf die Angriffe, vom Leben im Dreck und Schlamm und von der Verrohung der Sitten. Einmal wird in der Ichform berichtet, dann wieder hören wir in der Erzählform von den Schrecken des Krieges. Die Schlacht um Caporetto, in der die Italienische Armee ihren Untergang erlebte, geschlagen von der österreich ' ungarisch- deutschen Armee, bildet den Schlusspunkt dieses Erzählteils.
In einem dritten Teil lebt Ultimo in Amerika, verliebt sich in die russische Prinzessin Elizaveta und jagt seinem Traum vom Bau einer kurvenreichen Rennbahn hinterher.
Alle Figuren bleiben schemenhaft in ihren Eigenheiten: Libero mit seinem Traum von der Garage, Ultimo, der den Krieg vergessen muß, und Elizaveta, die der russischen Revolution entkommen war.
Das Jahrhundert mit seinen Kriegen und Veränderungen bringt jeden der Protagonisten zum Träumen, um sich der rauhen Wirklichkeit zu entziehen.
Baricco ist ein Dichter der leisen Töne. Wie durch eine mattierte Scheibe sieht man die Handlung an sich vorbeiziehen. Selbst noch die grausigsten Beschreibungen des Krieges vermitteln den Eindruck von Distanz. In der Schlacht um Caporetto ging es um die tiefe Erschöpfung der Soldaten, die zum Rückzug der Truppen führte. Damals endete alles in einem wilden Chaos. Baricco beschreibt die Situationen so glasklar, dass man die Kälte spürt, mit der die Menschen nur noch an das eigene Überleben denken.
Die Figuren bleiben jedoch ferne. Für niemanden kann man sich so recht erwärmen, und die Empathie bleibt auf der Strecke.
<....die Menschen leben viele Jahre lang, doch in Wirklichkeit sind sie nur lebendig, wenn sie das tun können, wofür sie geboren sind>.
Utopien und Träume beflügeln, Stagnation macht das Leben zunichte. Dieses Fazit lässt sich aus der Geschichte ziehen.
Baricco wagt sich an schwierige Themen, die er langsam und zögernd entwickelt. Seine eigenwilligen Erzählkonstruktionen fordern dem Leser einige Mühen ab.
In Italien stand das Buch jedoch monatelang auf den Bestsellerlisten.