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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über notwendige Spaziergänge im Minenfeld und notwendige Bücher,
Von Soya Künz (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: "Dies ist kein Gottesstaat!": Terrorismus und Rechtsstaat am Beispiel des Prozesses gegen Mohamed M. und Mona S (Broschiert)
Ein hervorragendes kleines und feines Buch publizierten die vier jungen WissenschafterInnen Thomas Wittek, Eva Penz, Georg Prack und Thomas Schmidinger im Herbst 2008. Just, als der sogenannte Wiener Terrorprozess in die zweite Runde ging, erschien im Passagen Verlag dieser Essay: kurzweilig, inhaltlich dicht und verständlich geschrieben, kritisch, von ausgewiesenen ExpertInnen erarbeitet, ohne jeglichen ideologischen Scheuklappen und - auch nicht unwichtig: ohne Angst davor, Realitäten und Auswüchse des Rechtsstaates sowie gleichzeitig: des Politischen Islam, auszusprechen. Dass muss dem AutorInnen-Team mal wer nachmachen, denn bis jetzt findet sich nichts gleichartiges auf dem Büchermarkt.
Der Essay, etwa 120 Seiten lang, liest sich an einem Nachmittag und der Erkenntnisgewinn ist groß: wer wusste schon, welche Methoden die österreichische Polizei anwandte, um an Informationen über die beiden mutmaßlichen TerroristInnen Mohamad M. und Mona S. heranzukommen? Diese - illegalen - Methoden haben die AutorInnen eine nach der anderen herausgearbeitet. Wieso sie mehr wissen als so manche JournalistInnen, die den Terrorprozess seit Monaten begleiten? Prack und Pentz unterstützten das Verteidiger-Team der Angeklagten als JuristInnen im Prozess. Und wieso das uns, die wir ja mit Al Quaida nichts am Hut haben, angeht? Auch das wird, erschreckend deutlich, vor Augen geführt. Was weiß die durchschnittliche KonsumentIn von Qualitätsmedien über den ideologischen Hintergrund der beiden österreichischen mutmaßlichen Al-Qaida-AktivistInnen? Sind sie nun IslamistInnen? Welche Ideologie verbreiten die beiden wirklich, welche Bücher lasen und lesen sie, welche Texte produzierten sie und was bedeuten sie? Während für einen Großteil der Linken dieses Thema nach wie vor absolut tabu zu sein scheint (Stichwort "Unterdrückte Völker"), und die Rechte sich in immer wiederkehrendem rassistischen Schmarrn ergeht (Stichwort "Daham statt Islam"), ist für das AutorInnen-Team eine Auseinandersetzung mit dem Terror-Prozess ohne kritische Hinterfragung des kruden Weltbildes der Angeklagten undenkbar. Wittek und Schmidinger publizierten zuletzt den Sammelband "Zwischen Gottesstaat und Demokratie. Handbuch des politischen Islam" und beschäftigen sich seit Jahren mit der Problematik des Politischen Islam. "Die Debatte von Fragen des dschihadistischen Terrorismus und des Umganges eines demokratischen Rechtsstaates damit ist der notwendige Spaziergang in einem Minenfeld, um die Errungenschaften von Aufklärung und Demokratie zu retten - auch vor ihrer Zutodeverteidigung." - So lautet der erste Satz in der Einleitung. Den Spaziergang werden alle jene Menschen machen müssen, die ihr Leben in Freiheit, in einer weitestgehend säkularer Gesellschaft, und in einem Staat, der ohne repressive und illegale Methoden mit seinen BürgerInnen umgeht, leben will. Auf diesem Weg sei der interessierten LeserIn daher diese Neuerscheinung mit Nachdruck empfohlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr gelungenes Buch!,
Von
Rezension bezieht sich auf: "Dies ist kein Gottesstaat!": Terrorismus und Rechtsstaat am Beispiel des Prozesses gegen Mohamed M. und Mona S (Broschiert)
Ein durch und durch übersichtliches und verständliches Buch zum "ersten österreichischen Terrorprozess". Der Fall der beiden Terrorverdächtigen wird in diesem Buch aus verschiedenen Seiten betrachtet und gibt einen guten Einblick in die Hintergründe des Prozesses. Sowohl die Verschleierung vor Gericht als auch der Prozess und die Vorwürfe an die Beklagten werden erläutert. Für mich auch besonders interessant war die Schilderung der eigentlich rechtswidrigen Überwachungsmethoden, mit denen die Beklagten von der Polizei abgehört, gefilmt und sonstwie aufgezeichnet wurden.
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