Barbara Krause hat sich Biographien großer Frauen angenommen, um sie in Romanform für den Leser erlebbar zu gestalten. Ihr Camille-Claudel-Roman "Leben in Stein" stellte den nach meiner Erinnerung kommerziell erfolgreicheren Claudel-Roman "Der Kuß" locker in den Schatten: Berückend einfühlsam erstanden vor mir die sinnlich-temperamentvolle Camille, ständig im Schatten ihres damals sehr beliebten Schriftsteller-Bruders Paul Claudel und ihres künstlerischen Übervaters und Geliebten Auguste Rodin.
Vergleichsweise enttäuschte mich der Kahlo-Roman. Das mag an der mir nicht so ohne weiteres zugänglichen Kultur liegen, aus der Frida Kahlo stammt. Die Schmerzensfrau, in der sich spanisches, mexikanisches und indianisches Blut mischte. Die ihren Diego, den seinerzeit wesentlich populäreren Künstler, abgöttisch liebte, bemutterte, umsorgte, anbetete.
Und die sich, durch Krankheiten und körperliche Folgeschäden eines Busunfalles nur mit größten Schmerzen, am Leben hielt. Dennoch alles tat, um für ihren Diego die erotischste, begehrenswerteste, sprühendste Frau zu sein... da sie mehr noch als unter den körperlichen Qualen unter Diegos zahlreichen Affären litt.
Sicherlich hat diese Form liebender Besessenheit einer Künstlerin manche Parallele zu Camille Claudel und ihrer Liebe zu Rodin. Dennoch berührte mich dieses Frauenschicksal hier sehr viel weniger. Eher empfand ich zunehmend Ärger über soviel masochistische Größe. Leiden als Lebensinhalt. - Spürte ich bei Camille noch ein wildes Aufbäumen, eine kraftvoll-verzweifelte Lebenssuche, erschien mir Frida Kahlo als im Leid heroisch und sehr fest beheimatet. Von ihrem Diego alles erhoffend und nichts fordernd. Ihm alles gebend, und im ewiger Erwartung seiner Gegengabe in der Zwischenzeit ihren Seelenschmerz in Bilder bannend. -
Ja, es mag an mir liegen, daß ich mich da nur widerwillig einzufühlen vermag. Aber ich vermute, auch Barbara Krause fand hier den Zugang mehr über den Kopf als emotional. Und das wirkt sich auf den Roman aus. Er erscheint mir kühl, analysierend, fremd. Trotz aller thematisierten Leidenschaft.
Dennoch sei allen Frida-Kahlo-Interessierten Barabara Krauses Roman empfohlen. Sie mag diese Künstlerin nicht völlig "gepackt und transportiert" haben in ihrem Roman, wie es ihr vergleichsweise bei Camille Claudel gelang. Aber sie nimmt diese Frau spürbar ernst und läßt den Leser viel über sie und ihre Hintergründe erfahren. - Und diese unverkitschte, ehrliche, nicht auf "Bestseller" orientierte Herangehensweise schätze ich sehr!