Ein Buch über den Daoismus ist sicherlich schwer zu schreiben - er hat keine Dogmen, wie sich ein Gläubiger zu verhalten hat, was gut und was böse ist, und welche Rituale einzuhalten sind. Der Gläubige Daoist ist frei, nach seinem Gutdünken in Einklang mit sich selbst und der Natur zu leben. Was also gibt es da groß zu schreiben?
Eine Sache ist aber nun doch sehr beschreibungswürdig. Jeder Daoist sucht letztlich die Wiedervereinigung mit dem Dao, und dazu gibt es doch einiges zu sagen, was Blofeld in diesem Buch mit viel Energie und Begeisterung tut. Die unterschiedlichen Strömungen des Daoismus, von der Volksreligion mit unzähligen Göttern, daoistischer Magie und geheimnisvollen alchemistischen Experimenten bis hin zum asketischen, nach innen gewandten Mystizismus, werden sehr bildlich beschrieben. Gemäß dem Motto des Daoismus, dass man nicht durch das geschrieben Wort, sondern nur durch eigene Erfahrung lernen kann, verschwendet Blofeld auch nicht viel Zeit (oder Kapitel) auf abstrakte Kriterien dieser Religion, sondern geht direkt nach zwei recht diffusen Einführungskapiteln dazu über, durch Anekdoten, Geschichten und (was ich besonders apart finde) Gedichte die Ziele und Wege dieser Religion dem Leser nahezubringen. Durch diese Methode, und durch den wirklich begeisterten Schreibstil des Autors ist dieses Buch an keiner Stelle trocken oder schwer zu lesen, und trotzdem höchst informativ, da viele Einsichten aus erster Hand stammen.
Überraschend klar und deutlich bezieht der Autor auch Position gegenüber dem wohl bekanntesten Ziel des Daoismus: Der Unsterblichkeit. Für Blofeld ist selbstverständlich, dass schon seit extrem langer Zeit mit Unsterblichkeit nicht die des Körpers, sondern des Geistes gemeint war, und dass die Sucher, die ersteres suchen, fehlgeleitet sind. Durch diese Position wird allen Kritikern des Daoismus, die darin oft genug eine sowohl nur pseudoreligiöse (weil zu sehr aufs materielle und folkloristische bezogene) als auch pseudowissenschaftliche (weil alchemistische) Bewegung sehen, das Wasser abgegraben.
Ein sehr interessantes, inzwischen nur etwas angestaubtes Werk über eine interessante Religion.