Keine Frage, die bei vielen deutschen Verlagen gängige Praxis ein Buch in zwei Teile zu spalten, um mehr Geld zu kassieren, nur um es dann später irgendwann in der Originalversion herauszubringen, ist nervig und unverschämt. Aber dem Buch als solches deswegen eine schlechte Bewertung zu geben ist IMO nicht in Ordnung.
Wie schon in den anderen Rezensionen erwähnt, handelt es sich hier um die Neuausgabe des Buches "Dawnthief", dass auf Deutsch in den letzten Jahren als die Bücher "Zauberbann" und "Drachenschwur" erschienen ist.
In diesem ersten Band geht es darum, dass der Söldnertrupp "Der Rabe" dabei hilft die Rückkehr einer Gruppe übermächtiger Zauberer, die man die Wytchlords nennt, ins Reich der Lebenden zu verhindern. Auf den ersten Blick klingt das nicht gerade originell, aber diese Geschichte bietet nur den Auftakt zu einer Handlung, die sich über 6 Bände (im Englischen 7, aber der letzte Band "Ravensoul" ist nie übersetzt worden) erstreckt und mit zahlreichen ungewöhnlichen und innovativen Geschichten, Orten und Charakteren aufwartet.
Wer eine detaillierte Beschreibung der Historie oder Kultur dieser Welt oder ausufernde Landschaftsbeschreibungen wie bei "Herr der Ringe" liebt, wird bei diesen Büchern enttäuscht werden. Tatsächlich geht James Barclay überaus sparsam mit Hintergrundinformationen um. Die Bücher bestechen vor allem durch ihre zahlreichen außergewöhnlichen Charaktere, von denen es in allen Bänden so viele gibt, dass es aufgrund des Umfangs der Bücher dem Autor gar nicht möglich war allen ausreichend Raum zu geben. Zudem schafft Barclay es, seine Figuren so sympathisch und lebensnah zu beschreiben, dass sie einem schnell ans Herz wachsen. Die Kameradschaft des "Raben" wirkt so natürlich und echt, dass man als Leser fast Teil dieser Gruppe wird und so auch bei den Abenteuern mitfiebert.
Am Rande sei noch Barclays Beschreibung der Elfen erwähnt, die in vielem von den gängigen Klischees abweicht. Hier seien vor allem Auum und seine Tai Gethen genannt, aber da diese erst in Band 4 auftauchen, werde ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.
Wer tempo- und actionreiche Geschichten mit besonderen Charakteren, von denen auch nicht alle überleben, liebt, kann mit James Barclay "Raben"-Büchern nichts falsch machen.