Neil Postman ist der Meinung, dass wir uns Philosophen und Politiker des 18. Jahrhunderts als Vorbilder für unsere von Konsum und Medien infizierte Welt des 21. Jahrhunderts nehmen sollten. Namen wie Montesquieu, Voltaire, Diderot, Condorcet, Jefferson, Madison, Rousseau und John Locke fallen immer wieder wenn er zu erklären versucht, dass die genannten Menschen zumindest versucht haben, ihrem Leben einen Sinn zu verleihen. Ihnen schulden wir Dank für ihr unaufgeregtes und abgewogenes Vernunftdenken, das, auf lange Sicht gesehen, uns den Weg zu den modernen liberalen Gesellschaften gewiesen hat. Er beschäftigt sich auch mit den zwei gegensätzlichen Strömungen der Romantik und des Rationalismus. Das große Instrument des moralisch Guten ist die Einbildungskraft, Fortschritt ist eine Aufgabe des Herzens, nicht des Intellekts. Man erfährt auch einige geschichtliche Daten: Friedrich Fröbel erfand 1837 den Kindergarten. Heutzutage behauptet Postman, sind wir allesamt Existentialisten geworden, die sich selbst jene Verantwortlichkeiten auferlegen, die einstmals von Gott und der Geschichte getragen wurden. Er beschäftigt sich weiter mit dem philosophischen Begriff der Dekonstruktion, d.h. mit der neuen Art, Texte verschieden zu interpretieren. Er kritisiert die Form der Informationsweitergabe. Informationen gibt es in Hülle und Fülle, das Problem liegt darin, diese miteinander zu verbinden und einen Hintergrund zu schaffen, so dass aus Informationen auch Erkenntnisse gewonnen werden können. Die Medien stellen aber Informationen nur nebeneinander. Ein großes Thema dieses Buches betrifft auch die Kindererziehung. Die Vorstellung "Kindheit" gibt es erst seit dem 17 Jh. Rousseau prägte mit seinem Werk "Emile oder über die Erziehung" den Begriff Kind, so wie John Locke der meinte, Kinder seien wie eine Tabula Rasa und man müsse sich Gedanken darüber machen, wie man mit Kindern umgehen sollte. Heute ist die Kindheit wieder im Verschwinden begriffen, die Kinder sind entweder ganz unwillkommen oder sie werden als Konsumenten missbraucht. Die Informations- und Medienfülle lässt auch keine Unterschiede mehr zu, denn die Kinder haben heute Zugang zu allen möglichen Informationen. Welche Ausbildung sollten Kinder erfahren? Wichtig wäre, dass Kinder in der Schule z.B. Fragen stellen können, damit sie sich selbst ein Bild von dieser Welt machen können. Aber heute herrscht ein autoritätsgläubiges, dogmatisches Denken, niemand macht sich die Mühe etwas verstehen zu wollen. Postman bringt das Beispiel mit der Erde: warum ist die Erde rund, warum hat das kopernikanische System das ptolemäische System abgelöst, kaum jemand kann die Frage beantworten. Postman deckt unsere Unwissenheit auf, er möchte uns begreiflich machen, wie sehr uns Medien, das Schulsystem, Konsumgüter, Modeerscheinungen beeinflussen und wie wenig wir unser Gehirn einschalten.
Hier noch eine Stelle aus dem Kapitel "Kinder" dem ich voll und ganz zustimmen kann und eine Stelle, die meiner Meinung nach nicht oft genug den Leuten vor Augen geführt werden muss:
"Womöglich als Folge der größer gewordnen Souveränität der Medien haben überdies viele Eltern das Vertrauen in ihre Fähigkeit, Kinder aufzuziehen, verloren, weil sie glauben, dass auf ihre Kenntnisse und Instinkte kein Verlass sei. ... Manch einer glaubt gar heutzutage, dass die Eltern-Kind Beziehung ihrem Wesen nach neurotisch ist und außerfamiliäre Institutionen dem Wohl von Kindern dienlicher sind als ihre Familien.
Sich dem auf wirksame Weise entgegen zu stellen, ist nicht einfach und hat seinen Preis. Wenn Eltern ihren Kindern die Kindheit bewahren wollen, müssen sie ihre Elternschaft als einen Akt der Rebellion gegen die zeitgenössische Kultur begreifen ....Und doch gibt es Eltern, die ... damit den Anweisungen ihrer Kultur praktisch den Gehorsam verweigern. Solche Eltern verhelfen ihren Kindern nicht nur zu einer Kindheit, sondern schaffen zugleich damit eine Art intellektuelle Elite. Zumindest auf absehbare Zeit werden Kinder, die in einem solchen Zuhause aufwachsen, als Erwachsene mit Sicherheit in der Wirtschaft, in den feien Berufen und selbst in den Medien bevorzugt werden ... Diese Eltern... werden mithelfen, eine humane Tradition am Leben zu halten."