Ein weiterer zynischer Blick hinter die Fassade des französischen Bürgertums. Chabrol macht seit einigen Jahren das, was er am besten kann: er seziert eine kranke Gesellschaft und führt seinem Publikum die banale wie alltägliche Qualität des Bösen vor Augen.
Ein Beginn - blutrot eingefärbte Landschaften, dazu Puccini, geben den Tragik versprechenden Ton vor. Eine Frau zwischen zwei Männern: die blonde Gabrielle (Ludivine Sagnier), Wetterfee eines Fernsehsenders, engelhaft, unschuldig lässt sich mit dem deutlich älteren Erfolgsautor Saint-Denis (François Berléand) ein, dessen sexuellen Jagdinstinkt auch ein langjähriges Eheleben nicht ermüden konnte.
Hörigkeit, Unterwerfung, Sex. Das geht so lange gut bis eine dritte Person das Chabrolsche Schlachtfeld betritt: der junge labil-nervöse Millionenerbe Paul (Benoît Magimel). Die menage a trois ist komplett. Ursache, Wirkung - ein Netz aus Obsession, Tod und Verrat entspinnt sich...
Selten für Chabrols Spätwerk: ein Film mit soviel Biss und schwarzem Humor, gipfelnd in Szenen hysterischer und doch subtiler Übersteigerungen, nicht zuletzt dank glänzender Dialogpassagen und hingebungsvoll agierender Darsteller. Chabrol führt uns wieder einmal echtes französisches Qualitätskino vor, er spielt regelrecht mit Archetypen des französischen Films. François Berléand als Bonvivant vom Schlage eines Noiret, Serrault oder Piccoli überzeugt ebenso wie Ludivine Sagnier als blonde Unschuld und Benoît Magimel als großspuriger Schwächling. Chabrol schafft es diese repräsentativ etablierten Figuren von einem Augenblick zum nächsten zu relativieren, z. B. wenn er Gabrielle kontrastierend zu ihrem "reinen" Wesen in engem Pfauenkostüm niederträchtig auf dem Boden kriechen lässt - Ausdruck einer bourgeoisen Perversion.
Poetisch das Ende: nach Vorführung eines Zaubertricks, bei dem die Bedeutung des Titels zu tragen kommt, steht Gabrielle im Rampenlicht, strahlt übers ganze Gesicht und empfängt die Welt nach all dem Übel wieder mit offenen Armen...