Produktinformation
|
Tags(Was ist das?)Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte. |
|
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel:
|
||||||||||||||||||||||
|
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Tragödie eines begabten Narziss,
Von Tasso (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die zwei Leben des Sebastian - Diametrale Erzählungen (Taschenbuch)
Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen. In einem vermutlich als gutteils autobiographisch zu begreifenden Entwicklungsroman entführt der aufstrebende Jungautor Jürgen Heimlich den Leser in einen Kosmos nicht enden wollender Schwermut. Konkret handelt es sich um die, in frühen Jahren ansetzende, Erzählung vom Werden eines jungen Mannes, der die Welt - seine Mitwelt - als metaphysisches Grauen erfährt, verdichtet in der Derbheit bedeutsamer Anderer. Denn diese Welt ist grausam, von kleinen Teufeln bevölkert (Die Hölle, das sind die Anderen; - Sartre), und in ihrer alles erschlagenden Sinnwidrigkeit wahrlich gottlos. Ideal gedachtes Menschsein ist darin in der Tendenz verunmöglicht. Wer feiner empfindet, Aristokrat von seelischer Herkunft ist, der ist hierin zu einem trostlosen Dasein verurteilt. Heimlichs Schrift ist nun denn auch ein Text finsterer Schatten, ohne lichte Flut, eine Dialektik aus Adel und Pöbel ohne Hoffnung auf Synthese. Die Sonne ist erloschen, die Erde friert, denn der Mensch wird niemals Gott ähnlich sein. Heimlichs Held ist aus Ahnung um den ihn offerierten Leerlauf, wider jede Einsicht in die Notwendigkeit eigener Bestimmtheit, perspektivlos, panisch auf der Flucht, ständig in sich verkrochen, und bei aller (zurückhaltender) Menschenfreundlichkeit ein angeekelter Virtuose narzisstischer Gekränktheit. Hochbegabt, das sicher, aber in seiner an Genialität grenzenden Neigung verkannt und sohin achtlos dahingeschlachtet auf dem Altar eines nichtsnutzigen Zweckfetisch. Dass er anderes und mehr will, ist aufrührerischer Trotz wider die allgegenwärtige Selbstevidenz hegemonialer Trostlosigkeit. Manisch zelebriert er eine Gegenwelt literarischer Verweigerung, entwirft sich als untergehender Heros der Wortgewalt. Seine exzessiv gelebte Liebe zum Wort ist in der Tat jedoch weniger Ausdruck einer lyrischen Hingabe als einer zornigen Aversion gegen die hässliche Gestalt des Hier und Jetzt. Es ist die Passion einer seelenwunden Opferfigur, die ein übles Schicksal in eine Welt geworfen hat, deren Lebenslogik ihr - und wohl nicht nur ihr - feindselig ist. Und solcherart zum exquisiten Widerspruch reizt. In seinem delikaten Stile erinnert der Sebastian dann auch an die frühe, antithetische Melancholie eines Hermann Hesse. Atmosphärisch ist man an Schopenhauer gemahnt, denn wer kann schon sein unter jenen Überzähligen, die nicht sind, oder bestenfalls zu Lasten einer edleren, doch viel zu visionären, deshalb unmöglichen Idee von wegen Menschsein sind. Ist ihre verkörperte Wesenheit denn viel mehr als blinder Wille zum Nichtsein? Die, obgleich szenischer Erfrorenheiten (es ist Prosa der Vereinsamung, des Erkaltens), erstaunliche Vielschichtigkeit des Textes mag aus diesen fragmentarischen Anmerkungen zu erahnen sein. Leider, nicht so wenige Leser werden das in ihrer Bedürftigkeit nach Licht und Erwärmung freilich ganz anders sehen, scheut der Autor die letzte und gnadenloseste Konsequenz aus seiner Elegie. Und wendet - vielleicht aus gönnerhaftem Zartgefühl mit seinem alter Ego - den schwerblütigen Gesang einer am Weltekel orientierten Daseinsrhythmik ins Gewöhnliche ab, denn märchenhafte Rettung naht. Rettung in Gestalt holder Weiblichkeit, noch störrisch verhandelt, was das gleichaltrige Mädchen betrifft, doch dann ist sie erschienen, sie, die reife, vom Schicksal gezeichnete Frau, mütterlich und hurig, verwandelt zur guten Fee, zu einer den Frosch küssenden Prinzessin, och ja, die Liebe macht alles wieder gut! Gott Eros lindert die Not und zerbricht den Hochsinn einer antihumanistischen Wutprosa. Letztlich erfährt man, dieser Erwachte ist ein mehr oder weniger glücklich Verehelichter und so ist man verärgert ob eines dann doch allzu platten Happy Ends.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Diametral - als eine Art des Umgangs mit sich,
Von Astrid Karger "Cinderella" (Am Rande Berlins) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die zwei Leben des Sebastian - Diametrale Erzählungen (Taschenbuch)
Man kann dem Autor, Jürgen heimlich, zu seinem kleinen Büchlein gratulieren. Es ist ihm gelungen, zwei Charaktere, vereint in der Seele eines kleinen Jungen, mit sehr sensiblen Worten dem Leser nahe zu bringen. Der AHA-Effekt stellte sich mir zum Ende des 124 Seiten umfassenden Erzählbandes ein. Man möge sagen - das ist bei Büchern nicht unüblich, was sicher richtig ist. Aber mitunter liest man den Schluss zuerst. Hätte man es bei dieser Erzählung getan, hätte man den in sich letztendlich doch logischen Weg ins Leben des kleinen Sebastian nicht nachvollziehen können.
Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft. Seine Mutter verteidigt ihn zunächst, ob seiner Fähigkeit, lässt es jedoch darüber hinaus ihn weiter zu befordern, dabei bewenden. Der Leser erfährt zum Schluss, dass Mutter und Sohn unterschiedliche Wege, in der Akzeptanz der in ihnen herrschenden Krankheit, gehen. Sebastian sucht den Ausweg in einer Therapie. Seine Mutter erfährt nie, dass sie es ihrem Sohn eigentlich gleich tun sollte. Sebastian erfährt die Liebe seines Lebens. Er fühlt sich nach der langen Suche zum eigenen "Ich" endlich angekommen und angenommen. Es ist als Glück zu bezeichnen, dass er den Weg aus der für ihn offensichtlich herrschenden Dunkelheit findet. Man darf durch eine diametrische Sicht auf die Dinge an seinem Leben partizipieren, was nicht nur zur Nachdenklichkeit führt sondern weitaus mehr Zugetanheit zum Schicksal des Protagonisten empfinden läßt. Die Erzählung ist für mich eine Bereicherung, auch getragen durch seine spannende und flüssige Erzählweise. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel: Eigene Rezension erstellen
|
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||