Selten landet eines meiner Bücher beim Altpapier; diesmal ist es geschehen. Wenn der Autor einen Roman über einen Pianisten aus der "Klassik-Szene" schreiben wollte, hätte er sich zuerst über die entsprechenden Gepflogenheiten von einer Fachperson beraten lassen müssen. Pianisten spielen in ihren Recitals auswendig, brauchen also niemanden (auch nicht die Agentin) zum Seitenwenden. Was soll das z.B. mit "der 111." von Beethoven (sehr wahrscheinlich ist die Sonate in c-moll op.111 gemeint)? Das Gefasel über die berühmten Oktaven gibt keinen Sinn, wenn das entsprechende Stück nicht genannt wird. Das letzte Konzert im Buch, in Hamburg, gleicht eher einer Vortragsübung einer Musikschule (mehrere Pianisten spielen einzelne Stücke). Dem Buch nützt auch das Erwähnen berühmter Namen (Callas, Bernstein, Gould etc.) nichts. Es wird dadurch kein Deut mehr an Realität geschaffen.
Die sprachlich verunglückten Bilder ("Ein Windhauch dringt durch den Türspalt und bauscht die Gardine, unbewusst und plötzlich, wie eine Schlafende, die einen bösen Traum hat") setzen dem Ganzen die Krone auf.
Zudem wirkt der Schluss des Romans an den Haaren herbeigezogen. Schade, schade, schade!