Frankreich zu Zeiten des ersten Weltkrieges.
Obwohl sie eigentlich froh sein müssten für ihr Land zu kämpfen, desertieren französische Soldaten en Masse, was auf Seiten der Obrigkeit auf Unverständnis stößt. Es kann nicht die Aussicht sterben zu müssen sein, da ist sich der Präsident von Frankreich sicher, es muss etwas anderes sein.
Und um dies zu verstehen wird Vincent Van Gogh(untergetaucht und nicht, wie irrtümlich angenommen, tot!) mit den Spezialauftrag entsandt, die über den Köpfen der Soldaten schwebende Verzweiflung in Bildern festzuhalten, was er zähneknirschend hinnimmt.
Der leicht cholerische und in dieser Inkarnation sehr rauhbeinige Maler, gibt sein Bestes um den Anforderungen gerecht zu werden, doch seine abgestumpften Vorgesetzten sind nicht zufrieden zu stellen und schicken ihn immer weiter vorwärts. Immer weiter, bis zur vordersten Frontlinie, der Verzweiflung so nah, dass man sich fragen muss ob die Kunst überhaupt in der Lage ist, die Schrecken des Krieges auch nur im Bruchteil darzustellen...
Eine Frage, der sich auch der Künstler Manu Larcenet als kreativer Kopf hinter diesem Comic stellen muss. Es wirkt schon leicht bizarr, wenn man die kleinen und sehr cartoonhaftigen Figuren im Kontrast zum teilweise sehr brutalen Kriegsgeschehen stellt. Denn mag es an vielen Stellen auch sehr lustig zugeht und Vincent van Gogh selbst als fluchender, knallharter Actionheld (Bruce Willis kam mir selbst immer in den Sinn) herrlich überzogen wirkt, so sterben hier auch Menschen auf schrecklichste Art und Weise, sodass man den Lesegenuß damit vergleichen kann auf einem Auge vor Freude und auf dem anderen vor Trauer zu weinen.
"Eigenwillig" ist daher das beste Wort, um die Atmosphäre des Bandes zu beschreiben, vor allem da die Geschichte zum Ende des Bandes hin sehr surrealistisch wird, wie auch der immer noch unempfindliche Präsident, als nicht involvierter und daher distanzierter Betrachter auch bemerkt. Aber vielleicht ist dies auch eine gute Methode, um den Schrecken und den Wahnsinn dieses Krieges auch als Unbeteiligter verstehen zu können.
Vielleicht ist es auch genau dieses künstlerische Zusammenspiel ( und "An vorderster Front" ist ein zutiefst künstlerischer Comic) welches einen ins Geschehen reinzieht, die Figuren vorstellt und liebenswert macht, nur um sie dann später umkommen zu lassen. Auf jeden Fall wird einem als Leser, so die Distanz genommen, die man bei einem "realistischeren" Werk hätte aufbauen können und man wird auf jeden Fall vor die Wahl gestellt, ob man "An vorderster Front" als trivial abtun möchte oder ob man wirklich über die in den Raum gestellte Frage (ob die "Kunst" Krieg zu schwierig ist, um von Künstlern dargestellt zu werden) nachgrübeln wird.
Auf jeden Fall sollte man "An vorderster Front" mindestens zweimal durchgelesen haben, ehe man seine Entscheidung fällt. Verdient hat es sich die Geschichte auf alle Fälle schon alleine wegen ihrer gewagten Grundidee.