In unserem Kulturkreis sind die Mythen der klassischen Antike viel präsenter als die nordischen. Das mag auch an den oft altertümlichen Nachdichtungen liegen, die wenig Lust zum Lesen machen, ebenso an dem oft unangenehm weihevollen Ton, dem mystischen Gewaber und der unmodernen Sprach- und Denkweise, die solchen Nacherzählungen anhaftet. Man denkt eben eher an Wagner als an gute, lockere und dabei informative Unterhaltung. Bringsvaerds "Wilde Götter" sind da eine löbliche Ausnahme: sehr modern und frisch erzählt der Autor die nordische Mythologie von der Schöpfung der Welt bis zur Ankündigung der Götterdämmerung Ragnarök. Die Figuren sind plastisch, mit Fehlern, Schwächen und Unzulänglichkeiten behaftet, aber auch mit hervorragenden positiven Eigenschaften. Man sieht (was auch schon in der Edda steht): Krieg und Kampf sind nicht alles, stattdessen kommen Magie, Sinnlichkeit und Freude nicht zu kurz (gekämpft wird natürlich auch). Dabei gelingt es dem Autor, die einzelnen Erzählungen der Edda in eine logische Reihenfolge zu bringen und daraus quasi eine Geschichte aus einem Guß zu machen. Dabei blieb nicht aus, daß sich der Autor bei sich widersprechenden Versionen der Originalerzählung für eine Variante entscheidne mußte, was das Lesevergnügen jedoch steigert. Noch wichtiger: der Humor, der schon in der Edda anklingt, kommt nicht zu kurz! Leider sind gerade die nordischen Mythen immer wieder von Anhängern rechten Gedankenguts vereinnahmt worden, obwohl der Inhalt dies nicht hergibt. Hier ist jedoch einer, der sie dahin zurückholt, wo sie hingehören: zu allen Menschen, die sich dafür interessieren, ideologie- und wertfrei.