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Die wilden Detektive: Roman
 
 
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Die wilden Detektive: Roman [Taschenbuch]

Roberto Bolaño , Heinrich von Berenberg
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 784 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423131829
  • ISBN-13: 978-3423131827
  • Originaltitel: Los detectives salvajes
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 66.582 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Dieses Manifest des viszeralen Realismus lässt sich mit Fug und Recht den Meisterwerken des Magischen Realismus zur Seite stellen.«
Martin Halter, Tages-Anzeiger, Zürich

»Einer der wichtigsten Romane der neuen lateinamerikanischen Literatur.«
Rulo Melchert, Sächsische Zeitung

»Bolaños Roman ›Die wilden Detektive‹ ist unvergleichlich und unverwechselbar, um seinen Rang anzudeuten, müßte man ihn wohl in eine Reihe mit Cortázars ›Rayuela‹ und Vargas Llosas ›Gespräch in der Kathedrale‹ stellen. Aber er ist gegenwärtiger als die genannten Werke, zügelloser, freier, verzweifelter, weiträumiger, es ist der große Roman der Stadt Mexiko, ohne auch nur im geringsten diesen Anspruch zu erheben, und zugleich eine road novel derer, die Mitte der siebziger Jahre die Literatur und damit gleich auch die Welt verändern wollten.«
Erich Hackl

»Roberto Bolaño ist womöglich das Kühnste, was die Literatur spanischer Sprache heute zu bieten hat. Es wird ein Bolaño-Fieber geben bei denen, die das Lesen als Abenteuer begreifen.«
Matthias Matussek, Der Spiege­­­­l

»Ein Buch, das verblüfft und entzückt. […] Die Opulenz eines García Márquez verblasst streckenweise neben dem lustvollen Fabulieren und den sich ad infinitum verästelnden und munter zwischen Fiktion und Realität changierenden Geschichten. Atemberaubende Erfindungskraft trifft auf Faktengeschichte, pointensatte Passagen wechseln ab mit theoretischen Überlegungen.«
Wolfgang Paterno, profil 24

»Roberto Bolaño steht für eine junge Generation südamerikanischer Autoren, die aus den poetischen Gehäusen des Mythos wie des Logos ins Offene aufgebrochen sind. Zwischen Márquez und Borges hindurch führt der Weg – und weckt für die Zukunft die schönsten Hoffnungen.«
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung

»›Die wilden Detektive‹ sind maßlos, bizarr und fiebrig wie die Urwälder und Metropolen Südamerikas, und so lässt sich dieses Manifest des viszeralen Realismus mit Fug und Recht den Meisterwerken des Magischen Realismus zur Seite stellen.«
Martin Halter, Tages-Anzeiger, Zürich

»Der moderne Mensch hat keine Biographie, seine Identität setzt sich aus vielen schwer zusammenzufügenden Teilen zusammen – Bolaño hat diesen Gedanken konsequent umgesetzt in eine Form, die den Roman zu einem grandiosen und beunruhigenden Leseabenteuer macht.«
Diemut Roether, die tages­­zeitu­­­­ng

»Eine virtuose Mischung aus den beiden rivalisierenden Impulsen der lateinamerikanischen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, für die Jorge Luis Borges und Gabriel García Márquez stehen.«
Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung

»Das alles ist mit Humor, viel Fantasie und großer literarischer Raffinesse zusammengefügt und verdient es unbedingt, auch bei uns gelesen zu werden.«
Reinhard Helling, Abendzeitung

»Alles geht da auseinander hervor und ineinander über, die Bücher, die Kapitel, die Sätze, die ihre sprühenden Schleifen ziehen.«
Leopold Federmair, Der Standard

»Loslegen und sich literarisch beglücken lassen!«
G. Zenouni, Urner Wochenblatt, Kloster Einsiedeln, Schweiz 18.12.2010

Kurzbeschreibung

»Sie haben mich eingeladen, am viszeralen Realismus teilzunehmen. Natürlich habe ich ja gesagt... Ich weiß nicht genau, was das eigentlich ist«, vertraut Juan Garcia Madero seinem Tagebuch an. Sie: das sind die Köpfe jener literarischen Avantgarde, Ulises Lima und Arturo Belano. Um Definitionen ihrer Bewegung sind die beiden indes wenig bemüht, und auch dem frühreifen Jurastudenten ist das letztlich egal.

Freimütig erzählt er von seiner literarischen und sexuellen Initiation: vom fiebrigen Künstlerleben in verrauchten Cafes, von ersten Liebesabenteuern, erbitterten literarischen Feindschaften, von den Auswüchsen eines beginnenden Wahnsinns.

Was als Farce begann, wird zu einem irren Unternehmen: Denn als sich Lima und Belano auf die Suche nach einer geheimnisumwobenen Dichterin, der Urmutter des Real-viszeralismus, machen, gehen die beiden zwielichtigen Gestalten dem Leser verloren. Das Detektivische doppelt sich: In Lissabon, Barcelona, Paris, Wien, Tel Aviv wurden sie gesehen.

Unzählige Literaten, Dealer, Huren, Psychopathen und Lebenskünstler wissen immer wieder eine neue Geschichte zu berichten, um das abenteuerliche Leben der wilden Detektive zu rekonstruieren. Sind sie zu greifen?


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Markus B.
Format:Gebundene Ausgabe
"Und es gibt eine Literatur für die Stunden der Verzweiflung. Diese letztere war es, die Ulises Lima und Belano wollten."

Die wilden Detektive ist kein Detektivroman, nicht im klassischen Sinne, um das vorwegzunehmen. Der Titel der deutschen Übersetzung von Bolaños 1998 erstmalig erschienen Roman Los detectivos salvajes suggeriert offenbar eine Mischung aus der Wilden 13, Die Wilden Kerle sowie Emil und die Detektive, das waren die häufigsten Spontanassoziationen Bolaño-Fremder, wenn ich über das Buch gesprochen habe. "Worum geht es denn?" - nun ja, so ziemlich um alles, handelt es sich doch um ein "bolañoeskes" Werk (F. von Lovenberg, FAZ).

Der Chilene Roberto Bolaño Ávalos, bereits 51jährig im Jahr 2003 - auf eine Spenderleber wartend - verstorben, hat der Leserschaft mit 2666 sein umfangreiches und komplexes Vermächtnis hinterlassen, ein "literarisches Ereignis". Die wilden Detektive ist in mancherlei Hinsicht vergleichbar zu seinem Opus magnum (welches auch sein Opus summum werden sollte), jedoch weder ein wirklicher Vorläufer noch ein Versuch. Ein kurzer Versuch, den Facettenreichtum von Die wilden Detektive zu beschreiben, muss unweigerlich scheitern oder ausufern, besser gesagt: in ein unendliches Verknüpfungsmuster, in die Vielfalt des Möglichen mäandern. Wetten?

Los geht's: Der Roman besteht aus drei Teilen, beginnt und endet mit den Tagebuchaufzeichnungen des 17jährigen Mexikaners Juan García Madero aus den letzten Tagen des Jahres 1975 und den ersten des Folgejahres. Madero, eigentlich Student der Rechte in Mexico City, wird berauscht von der revolutionären Stimmung der Dichterszene und gerät in den Kreis der sog. Realviszeralisten, einer Gruppe von jungen Dichtern und solchen, die es gerne wären, angeführt von Arturo Belano und Ulises Lima, mysteriöse Poeten im Stile eines Arthur Rimbaud (Arturo!). Belano und Lima begeben sich auf die Suche nach Cesárea Tinajero, der "Mutter aller Realviszeralisten" und ihren vermuteten Schriften. Dass sie ihr Einkommen nicht der Schriftstellerei, sondern offensichtlich durch den Verkauf von Dope Marke Golden Acapulco bestreiten, mag eine Marginalie sein. Oder auch nicht. Einen selbstverfassten Vers der beiden jedenfalls wird der Leser nicht zu Gesicht bekommen. Ein Gedicht, ein einziges, von Cesárea Tinajero finden sie in den Archiven der Hauptstadt, ein Bildgedicht, ein Witz vielleicht?

Die Spur von Cesárea Tinajero führt in die Wüste, in den Bundestaat Sonora, und Belano und Lima folgen ihr. Oder flüchten sie? Immerhin haben Sie neben Madero noch die junge Prostituierte Lupe im Auto, deren Zuhälter Alberto sie durch Wüste und nach Sonora verfolgt. Dieser dritte Teil des Romans hat Züge eines Roadmovies und einen Showdown nach mexikanischer Art. Ein Ende also, wie es Bolaño-Kenner nicht erwarten, alles weitgehend transparent und nachvollziehbar?

Glücklicherweise nicht, denn es gibt den ungleich umfangreicheren Mittelteil des Romans, bestehend aus Aussagen von Weggefährten und Bekanntschaften von Belano und Lima, aus Anekdoten und Berichten von Dichtern, Verlegern, Buchhändlern und einigen Menschen, die zufällig oder auch nicht ebenfalls dort waren, wo Belano oder Lima waren, in Mexiko, in Amerika, in Europa und in Afrika. So erfahren wir, wo sich die beiden in der Zeit von 1976 bis 1996 aufgehalten haben, mit wem sie Kontakt hatten, womit sie Geld verdient haben. Wir bekommen zumindest Anhaltspunkte. Häufig nur kurze Lebenslichter von zwei Menschen, die getrieben sind, ständig unterwegs, die als Seemann wieder in Erscheinung treten, als Campingplatzbewacher (einer von Bolaños Jobs nach seiner Emigration nach Spanien, eines von vielen sicherlich autobiografischen Elementen), als Straßenräuber und Literaturplauderer. Vom Poeten ist der Habitus geblieben und das Interesse. Und wundersame Sachen passieren zwischendurch, eine mystische Aura umgibt Belano und Ulises. Mir scheint, es ist schon lang nicht mehr die Aura des Dichters, des Revolutionärs und seiner "großen Sache"; auch nicht die Aura der Kriminalität oder des undurchsichtigen Weltreisenden. Es ist die Aura der schieren Existenz, das Unfassbare des Lebens, das gnadenlos die bloße Vorstellung von den Lebensmöglichkeiten begleitet.

Dieses komplexe Geschichtengebilde legt sich zeitlich in die Tagebuchrahmenhandlung des Juan García Madero, berichtet von Dingen, die sich innerhalb des Tagebuchs bewegen und erzählt insbesondere von Ereignissen, die sich nach Maderos Aufzeichnungen abspielen (werden), nach dem Showdown in Sonora. Genaue Grenzen innerhalb von Abläufen und Ursachen und Wirkungen zu ziehen ist - nicht anders als bei 2666 - schwierig, Zusammenhänge fließen ineinander und ergeben ein Optionsgeflecht. Wem berichten die Zeugen? Warum berichten sie?

"Bolañoesk" also, es geht um alles und alles ist möglich, alle Verbindungen sind denkbar und viele werden gedacht, Orientierung und Kausalität funktionieren nicht wie gewohnt, Verschwörungstheorien drängen sich auf, werden abgedrängt. Das Geschehen gleicht einer Liste von Ereignissen, einer Liste von Erzählungen und Bildern. Listenhaft, andeutend und reihenfolglich ist insgesamt das Schreiben von Bolaño. Es gibt Listen mit Einteilungen von spanischsprachigen Dichtern in "Schwule", "Tunten", "tattrige Schwuchteln" etc., Listen von Fachbegriffen aus der Metrik, Listen von lateinamerikanischen Dichtern und eine Abrechnung mit ihnen und dergleichen mehr.

Viele der "Zeugenaussagen" erzählen eigene Lebensgeschichten, eine bestimmte Sicht auf Ereignisse und können kontextlos als kleine Psycho- und Soziogramme gelesen werden. Einige Zeugen melden sich mehrfach zu Wort, allen voran Amadeo Salvatierra, der Belano und Lima über Cesárea Tinajero Auskunft geben kann, und dessen Bericht durch seine Datierung eine besondere Bedeutung bekommt.

Liebe und Sex, Literatur und Literaturbetrieb, Erwachsenwerden und Anderssein, Drogen und Städte, Gewalt und Kriminalität, es geht um Exil, Wohlstand und Armut, Politik, Polizei und Krieg. Natürlich geht es auch um Cesárea Tinajero, um ihre Bedeutung für den Durchbruch der realviszeralistischen Dichtung, um ihren Verbleib in der Wüste von Sonora, um das "eigentliche" Leben der Cesárea Tinajero. Belano und Lima werden scheinbar abgelenkt von ihrer Suche nach Idealen und von der Revolution im Herzen, werden in ihrem Schicksal damit vielleicht - ohne es zu wissen - Cesárea Tinajero immer ähnlicher. Wie Rimbaud fliehen Sie vor der Literatur (vor dem Herstellen von Literatur) ins Abenteuer des Überlebens, aus Enttäuschung vielleicht. Anders als Rimbaud haben sie zudem ganz praktische Gründe, ihrer Exilheimat den Rücken zu kehren.

Beide Werke, 2666 und auch Die wilden Detektive werden ihren Platz in der Weltliteratur finden. Ich möchte das Erlebnis dieser Lektüren sehr empfehlen. Was Besseres als dieses Buch ist mir in der letzten Woche nicht passiert. Beim Schreiben dieser Rezension entstehen mir so viele Fragen, dass ich es eigentlich sofort ein zweites Mal ... quod erat demonstrandum!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von satsche
Format:Gebundene Ausgabe
Eine unglaubliche Lektüre! Roberto Bolaño, der 2003 auf eine Lebertransplantation wartend im Alter von 50 Jahren starb, schrieb fieberhaft in seinen letzten Jahren, fast so, als wäre seine Lebenszeit nur geliehen. "Die wilden Detektive" wird spätestens (in Gleichstellung mit Mario Vargas Llosa's 'Gespräch in der Kathedrale') in jüngerer Zunkunft als Meisterwerk der lateinamerikanischen Literatur angesehen werden. Was auch für Bolaño's weiteres großes Werk "2666" gelten dürfte.

In Mexiko City in den frühen 70'er Jahren beginnend, ist "Die wilden Detektive" in drei Abschnitte aufgeteilt:

Der erste Teil, der von einem jungen Poeten namens Juan Garcia Madero erzählt wird, steht in Verbindung mit einer Literatengruppe, die sich selbst die 'Realviszeralisten' nennt (als Vorbild galt eine frühere Gruppe von Poeten in den 20'er Jahren). Die quasi-Anführer dieser Gruppe sind Ulises Lima und Arturo Belano. Die Realviszeralisten wollen sozusagen mit bestehenden Formen der Tradition brechen; in welcher Form auch immer. Sie stehlen Bücher, leben entfernt von Freunden und Familie, haben oft freigiebigen Sex und tönen über die Gesellschaft und die Literatur an sich. Am Ende des ersten Teils retten Belano, Lima und Madero eine Prostituierte vor ihrem Zuhälter, der ihnen allerdings folgt.

Teil Zwei (die "Zeugenaussagen", die die Hälfte des Buchs ausmachen), ist aus 26 Kapiteln zusammengesetzt und berichtet uns in einer Vielzahl von Erzählern von Lima und/oder Belano, die sie an diesem oder jenem Ort getroffen haben, als Arbeitslosen oder umherziehenden Arbeiter, manchmal krank oder hungernd, Drogen verkaufend, einem Leben nachgehend, dass nicht immer nachvollziehbar ist - ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, das würde die Lesefreude erheblich schmälern. Nur so viel sei verraten: dieser Teil beinhalten unter anderem ein Treffen mit Octavio Paz ("Das Labyrinth der Einsamkeit"), die damalige Lage in Liberia, ein Duell mit einem Kritiker und vieles mehr - der beste Teil dieses Meisterwerks!

Der kürzeste dritte Teil von "Die wildend Detektive" führt uns an den Zeitpunkt zurück, an dem wir den ersten Teil verließen - oder anders ausgedrückt: zurück zu Garcia Maredo's Erzählung; Lima, Belano und Garcia Madero sind zusammen mit Lupe auf der Flucht in Richtung Nord-Mexiko vor den Verfolgern der Prostituierten. Gleichzeitig suchen die Verfolgten nach Spuren von Cesarea Tinajero, die die Gründerin der ersten Gruppe der 'Realviszeralisten' war (in den 20'er Jahren). Cesarea Tinajero verschwand in dieser Region vor ungefähr vierzig Jahren. Es werden Stadtarchive und Bibliotheken nach irgendwelchen hilfreichen Spuren über ihren Verbleib durchsucht. Irgendwann überschlagen sich die Ereignisse: in einem Streit tötet Belano mit einem Messer (wen?, lest selbst), Tinajero rettet Lima das Leben (aber zu welchem Preis?)

Alles in allem ist dies ein außergewöhnliches, atemberaubendes, aus vielen Sichtpunkten geschriebenes Buch. Bolaño's Prosa ist stets objektiv, einzigartig, deutlich und klar.

Dieser Roman ist soviel wie eine Charakterstudie, ein Ausflug in die Nostalgie der literarischen Avantgarde, ein literarisches Rätsel und eine Studie der literarischen Berufung und des Lebens im Exil.

Ich bin nicht sicher, welcher Art von Leser ich dieses Buch empfehlen soll; es wird nicht jedem gefallen. Aber wenn du in der Stimmung für etwas wahrhaft andersartiges bist und es unwichtig ist, dass du vielleicht mehrere Wochen mit diesem Werk beschäftigt bist, dann ist "Die wilden Detektiv" auf jeden Fall einen Versuch wert.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Roland Freisitzer TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Roberto Bolanos Roman "Die wilden Detektive" ist ein in jeder Hinsicht literarisches Fest.

Arturo Belano und Ulyses Lima sind die beiden passiven Protagonisten dieses komplexen und vielschichtigen Romans, der im ersten Teil als Tagebuch des jungen Möchtegern Schriftstellers und Mitglied der literarischen Gruppe der "viszeralen Realisten", Juan Garcia Madero. Was der viszerale Realismus sein soll, das ist eine Frage, die die beiden Köpfe der Gruppe, Belano und Lima, wenig bis gar nicht interessiert.
In rasantem Tempo lässt Roberto Bolano den Leser an der literarischen und vermehrt auch sexuell orientierten Entwicklung des jungen Autors teilhaben. Quasi nebenbei erlebt man die Geschichte von Arturo Belano und Ulyses Lima, die am Ende des ersten Teils auf der Flucht vor Zuhältern und Mördern verschwinden.

Opulent fabuliert und inszeniert Roberto Bolano dieses schelmisch und möglicherweise doch auch autobiographisch angehauchte Leseerlebnis. Die scheinbar unmotivierten erotischen Eskapaden des Tagebuchführenden sind der Grundstein für das Verständnis des zweiten Teils, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt und aus Aussagen, bzw. Berichten von Personen, die mit den beiden Verschwundenen, Arturo Belano und Ulyses Lima auf ganz unterschiedliche Weise in Kontakt waren, besteht. Wenn hier Zuhälter, Drogendealer, Huren, Psychopathen, verflossene Freundinnen, Lebenskünstler und Literaten in Tel Aviv, Mexico, San Diego, Barcelona, Paris und Wien zu Wort kommen, so erlaubt das Bolano die Zeichnung eines fantasievollen, farbenreichen biografischen Bildes; serviert mit unzähligen Pointen, feinen Anspielungen auf die südamerikanische Literatur und deren verschiedene Richtungen.

So ergibt sich eine Doppelbiografie, die, zusammengesetzt aus mühsam zusammengefügten Teilen, sich dem Leser erst im Ganzen offenbart. Mit Verlauf dieser Berichtsammlung bremst Roberto Bolano das Tempo sukzessive ab, um im kurzen dritten Teil, der die Tagebucheinträge des jungen Juan Garcia Madero weiterführt und quasi Epilog und Aufklärung der verzweifelten Suche nach der geheimnisvollen und ebenso unauffindbaren Mutter des viszeralen Realismus ist, dem schelmisch augenzwinkernden Ende rasant entgegenzurasen.

"Die wilden Detektive" ist ein großes Stück wilder Literatur. Ein ganz eigenständiger und unverwechselbarer Roman, ein wildes Abenteuer, ein frivol spannendes Road-Novel, ein selbstironisches Portrait eine Schriftstellers, der sich möglicherweise auf verschiedene Protagonisten aufgeteilt, dem Leser offenbart.

Wer bereit ist, sich in diesem unvorhersehbar spannenden Roman fallen zu lassen, der wird von Roberto Bolano reichlich belohnt. Wer diesen Roman nicht liest, dem entgeht eine wahre literarische Sternstunde.
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