Endlich. Keine Food-Religion. Keine neuen Gerüchte über die moderne Ernährung, die ohnehin bestenfalls Verwirrung stiften. In diesem Buch ist dem Orthomolekularmediziner Siegfried Schlett gelungen, mit den neuesten Forschungserkenntnissen eine alte Weisheit Hippokrates' zu belegen: "Heilmittel sind Lebensmittel und Lebensmittel sind Heilmittel".
Schletts unzweifelhafte Kompetenz zeigt sich nicht nur in der "Auswahl" (100 sind wirklich viel!) der Lebensmittel, sondern vor allem in den einführenden "Grundlagen der Ernährung". Die Bedeutung der verschiedenen Nährstoffe für unseren Körper ist nicht nur übersichtlich und unkompliziert dargestellt, sondern auch ganz praktisch: Der Mediziner geht auf Zubereitung und Lagerung der Lebensmittel ein und zeigt letztendlich, dass "Gesundheit essen" längst nicht so kompliziert ist, wie es uns nach eingehendem Studium von Nährwert-Tabellen oft erscheint. Im Gegenteil: In der Einfachheit liegt das offene Geheimnis sinnvoller Ernährung - wenn Qualität, Naturbelassenheit und nicht zuletzt der Genuss oberste Priorität einnehmen.
Design-Food und den aktuellen Eiweiß-Wahn (und die damit verbundene Kohlenhydrat-Ablehnung) wischt er mit Nachdruck und Fachkompetenz vom Tisch und wendet sich wichtigeren Dingen zu: den 100 Lebensmitteln von A wie Ananas bis W wie Wein (!). Jedes davon wird punkto Herkunft, Inhaltsstoffe, Bedeutung für unsere Gesundheit und auch die richtige Zubereitung beleuchtet, ein Rezept wird ebenso geliefert und die wichtigsten Pluspunkte hervorgehoben. Das Buch ist einerseits als Bestätigung für eigene Nahrungsvorlieben toll (ich denke da an meine Mandel-Knabberabende, Käse-Frühstücke oder Trost-Kakaos), andererseits macht es wirklich Lust auf Neues (z.B. Amarant, Alge, Shiitakepilz), beziehungsweise Wiederentdeckungen wie Linsen, Gerste oder Weißkraut, die - Hand aufs Herz - recht selten auf unseren Tellern landen. Und, ach ja, wundern Sie sich nicht, wenn Sie in diesem wunderschön gestalteten Buch Schweinsschnitzerl oder Gummibärlis vermissen, sondern schwelgen Sie statt dessen in Rind, Forelle, Zander, Tomaten, Karotten, Brokkoli, Mais, Walnüssen, Honig, Avocados und vielen herrlichen Lebensmitteln mehr!