Nachdem ich mich über das Tradingbuch von Erdal Cene so negativ geäußert habe, nun mal eine positive Rezension. Vorweg: Ich habe das Buch auf Grund einer positiven Rezension in einer Zeitschrift gekauft.
Zum Inhalt: Der Autor ist selbst seit bald 20 Jahren im Geschäft und kann daher aus einer reichen und teils auch leidvollen Erfahrung schildern, wie es sich anfühlt ein Trader zu sein. In den einführenden Kapiteln beschreibt er, auf was man sich gefasst machen muss, nämlich dass der Markt immer und immer wieder sein hässlichstes Gesicht zeigen wird, dass man lernen muss zu verlieren und eben die Grundlagen, die dazugehören. Insbesondere die Berechnung des Pleiterisikos an dieser Stelle empfand ich als sehr hilfreich.
In diesen Kapiteln findet sich einiges mehr an wirklich praktisch verwertbaren Fakten, als beispielsweise bei M. Voigt, dessen Buch ich allerdings auch sehr schätze. Das Ganze liest sich eher wie eine Gebrauchsanweisung zur Entwicklung der eigenen Urteilsfähigkeit gegenüber den vielen Tradingtheorien, die unvermeidlich auf denjenigen einstürmen, der sich mit dem Thema näher beschäftigt, aber dem die Erfahrung fehlt.
Die zentralen Kapitel beschäftigen sich dann mit den "Drei Säulen", wie der Autor das nennt: Die Wichtigste ist für ihn das Money Managemant, das auch sehr ausführlich und vor allem mit der Vorstellung einiger sehr konkreter Modelle behandelt wird. Das ist manchmal harter Tobak, aber wer sich da durchkämpft, wird hinterher wirklich gut Bescheid wissen. Die Entscheidung welcher der vorgestellten Varianten die Richtige für einen ist, muss man dann schon selbst treffen.
Die 2. Säule behandelt die Methodik, wohinter sich einerseits die Beurteilung eines Setups, der richtige Ausstieg, die Stopsetzung sowie die Vor- und Nachbereitung verbergen. Sehr hilfreich und einleuchtend fand ich seine Kriterien, nach denen ganz allgemein Methodiken beurteilt werden können. Egal auf welchen Grundlagen sie beruhen. Es wird vom Autor sehr gut beschrieben, woran man eine gute Methodik erkennt und wie man sie testen kann.
Die 3. Säule ist die Psychologie, wobei der Autor meint, dass Letztere im Allgemeinen in ihrer Relevanz überschätzt wird. Er meint aber, dass das seine persönlich Sicht der Dinge sei. Allerdings hindert ihn das nicht darzustellen, wie man beim Traden lernen kann, mit den drei wesentlichen Gefühlen (Hoffnung, Furcht, Gier) umzugehen (und natürlich damit, dass der Markt es immer wieder einmal so richtig schlecht mit einem meint). Der Schmerz würde aber beim Traden niemals vergehen, darauf sollte man sich schon einmal gefasst machen.
Zum Abschluss kommen dann noch einige (nachgewiesenermaßen) erfolgreiche Trader mit Ratschlägen zu Wort, wobei mir die Äußerung eines unbekannten Privattraders am einprägsamsten blieb. Es handelt sich dabei um den Kundenberater, der jahrelang die Orders des Autors entgegennahm und sich dann als Privatier zurückgezogen hat, um vom Traden zu leben. Zunächst ließ er wissen, dass er Hunderte von Kunden habe kommen und gehen sehen, aber nur EIN EINZIGER davon erfolgreich war. (Zu den Verlierern gehörte damals übrigens auch der Autor selbst). Um einen Ratschlag gebeten, sagt er zunächst er wolle keinen geben, denn schließlich sei der Futureshandel ein Nullsummenspiel und es braucht für seinen Verdienst schließlich Leute die verlieren. Letztlich lässt er sich dann doch zu einem Ratschlag erweichen, den ich hier jetzt aber nicht wiedergebe.
Fazit: Eine gute Gebrauchsanweisung insbesondere dann, wenn man schon seine ersten ernsthaften (=realen) Handelserfahrungen hinter sich hat. Für mich auch eine sehr gute Ergänzung zu M. Voigts Buch, das man allerdings dann besser vorher lesen sollte. Den Stern Abzug gibt es für den angelsächsisch-kumelhaften Stil und einige doch recht lästige Wiederholungen, so dass das Buch durchaus mit 100 Seiten weniger ausgekommen wäre. Insgesamt aber eine klare Kaufempfehlung.