"Die Angeklagten haben im Kriege in Flugblättern zur Sabotage der Rüstung und zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform unseres Volkes aufgerufen, defaitistische Gedanken propagiert und den Führer aufs gemeinste beschimpft und dadurch den Feind des Reiches begünstigt und unsere Wehrkraft zersetzt. Sie werden deshalb mit dem Tode bestraft. Ihre Bürgerrechte haben sie für immer verwirkt." So heißt es in dem Urteil des Volksgerichtshofes vom 22.2.1943 im Fall der Geschwister Scholl. Die trockenen amtlichen Mitteilungen in den Zeitungen, die stupide Urteilsbegründung wirken fast noch bedrückender als die vielen Berichte von bekannten und Freunden über das Leben der Mitglieder der "Weißen Rose". Über die Hälfte des Buches nehmen solche Dokumente ein. In dem anderen Teil berichtet die ältere Schwester von Hans und Sophie Scholl, Inge Scholl, über das Elternhaus, das Heranwachsen der Geschwister und das Leben in München. Die jüngere Sophie ist erst überrascht von den radikal- politischen Gedanken ihres Bruders, steht jedoch von Anfang an auf seiner Seite. Das Studium, das Studentenleben bedeutet für sie eine große Befreiung - Wein trinken nachts im Englischen Garten, bis in den Morgen diskutieren. Durch ihre christliche-humanistische Erziehung fühlt sie jedoch die starken ideologischen Fesseln, die ihnen von Seiten der Universität und der Gesellschaft allgemein angelegt werden und so entsteht eine explosive Spannung, die in äußerst riskante Aktionen mündet. Etwas nervig fand ich beim Lesen zuweilen die explizite Religiösität der Autorin, die sich in Jörg Zink / Jürgen Fliege - artigen Besinnlichkeitsfloskeln äußert. Der Lebenshunger & Wissensdurst der Jugendlichen, die hohe Ansprüche an sich und andere stellen und für ihre Überzeugung alles riskieren, sind jedoch sehr lebensnah dargestellt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)