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Die weiße Löwin - 2 CDs [Audiobook] [Audio CD]

Henning Mankell
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (133 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine Immobilienmaklerin wird gesucht und ein abgerissener Finger gefunden, ein Haus explodiert und ein Profikiller ist auf der Flucht - kurz: Die Ereignisse überschlagen sich. Was mit dem Verschwinden einer jungen Frau beginnt, führt Kommissar Wallander schließlich auf die Spur einer Geheimorganisation rechtsextremer Buren. Und so erreicht der Riss, der durch die Bevölkerung Südafrikas führt, plötzlich auch die schwedische Kleinstadt Ystad... Sprecher: Christoph Schobesberger, Heinz Kloss, Heinz Simon u. a.; Hörspiel; Laufzeit ca. 153 Minuten

Der Verlag über das Buch

»Mankell gehört ohne Zweifel auch international zur Elite der Krimiautoren. In Schweden ist er die Nummer eins.«›Svenska Dagbladet‹

»Der Schwede Mankell ist in den letzten Jahren zum bedeutendsten neuen Kriminalautor in Skandinavien aufgestiegen. Deutlich steht er dabei in der Tradition von Sjöwall/Wahlöö: kein Glamour, dafür viel düster-realistischer Alltag.«›Badisches Tagblatt‹

»Besonders sympathisch bei Mankell: Sein Kommissar Kurt Wallander bleibt stets er selbst, ein kleiner problembeladener Polizist, und mutiert nicht zum heroischen Alleswisser.«›Hamburger Abendblatt‹ -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Henning Mankell wurde 1948 in Härjedalen/Schweden geboren. Er lebt als Theaterregisseur und Autor in Maputo/Mosambik. Für seine Bücher wurde er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u. a. von der Schwedischen Akademie für Kriminalliteratur. Außerdem erhielt er für sein Gesamtwerk den Astrid-Lindgren- Preis. Sein Roman Die fünfte Frau bekam die Auszeichnung Buch des Jahres 1998 und ist, ebenso wie Wallanders erster Fall, Die Pyramide, Mörder ohne Gesicht und Hunde von Riga als Lesung von Ulrich Pleitgen bei Hörbuch Hamburg erschienen. Sprecher: Ulrich Pleitgen, 1946 in Hannover geboren, war zwanzig Jahre lang einer der renommiertesten deutschen Bühnendarsteller, bevor er sich Ende der 80er Jahre ganz dem Film und Fernsehen verschrieb; 1994 wurde er mit dem Bambi ausgezeichnet. Für Hörbuch Hamburg hat Ulrich Pleitgen neben Texten von Henning Mankell die Niemandsland-Trilogie von Pat Barker, Eine Frau von Péter Esterházy, Von Mäusen und Menschen von John Steinbeck, Madame Bovary von Gustave Flaubert und Sylvie und Bruno von Lewis Carroll gelesen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Die weiße Löwin von Henning Mankell, Erik Gloßmann. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Frau aus Ystad

Die Immobilienmaklerin Louise Åkerblom verließ die Bankfiliale in Skurup am Freitag, dem 24. April, kurz nach drei Uhr. Sie blieb einen Augenblick auf dem Bürgersteig stehen und sog frische Luft in die Lungen, während sie darüber nachdachte, was sie tun sollte. Am liebsten hätte sie den Arbeitstag jetzt schon abgebrochen und wäre direkt heim nach Ystad gefahren. Aber sie hatte am Vormittag den Anruf einer Witwe bekommen und versprochen, bei einem Haus vorbeizufahren, das die Frau verkaufen wollte. Sie überlegte, wieviel Zeit das in Anspruch nehmen würde. Eine Stunde vielleicht, entschied sie. Kaum mehr. Dann mußte sie Brot kaufen. Für gewöhnlich buk ihr Mann Robert Brot selbst, aber in dieser Woche hatte er es nicht geschafft. Sie überquerte den Marktplatz und hielt sich links, wo die Bäckerei lag. Eine Glocke bimmelte, als sie die Tür öffnete. Sie war die einzige Kundin im Geschäft, und die Frau hinter dem Ladentisch, Elsa Person, würde sich später daran erinnern, daß Louise Åkerblom gut gelaunt zu sein schien und davon gesprochen hatte, wie schön es sei, daß der Frühling endlich käme.
Sie kaufte ein Roggenbrot und beschloß, die Familie zum Nachtisch mit Blätterteigtörtchen zu überraschen. Dann ging sie zur Bank zurück, wo sie auf dem rückwärtigen Parkplatz ihren Wagen abgestellt hatte. Unterwegs traf sie das junge Paar aus Malmö, dem sie gerade ein Haus verkauft hatte. Die beiden waren noch in der Bank geblieben, hatten den Abschluß perfekt gemacht, den Verkäufer bezahlt sowie die Kauf- und Kreditverträge unterzeichnet. Sie verstand die Freude der jungen Leute über das eigene Haus gut. Gleichzeitig aber machte sie sich Gedanken. Würden sie mit der Tilgung des Kredits und mit den Zinszah-
lungen klarkommen? Es waren harte Zeiten, kaum ein Arbeitsplatz war mehr sicher. Was würde geschehen, wenn er seinen Job verlor? Sie hatte die wirtschaftliche Situation des jungen Paares akribisch studiert. Im Unterschied zu vielen anderen hatten sie eine Verschuldung durch gedankenlose Kreditkartenkäufe vermieden. Und die junge Hausfrau schien zu den sparsamen zu gehören. Die beiden würden schon durchkommen. Wenn nicht, stünde das Haus bald wieder zum Verkauf. Vielleicht würde sie selbst oder Robert die Sache dann übernehmen. Es war gar nicht mehr so ungewöhnlich, daß sie im Verlauf weniger Jahre dasselbe Haus zwei- oder dreimal verkaufte.
Sie schloß das Auto auf und wählte am Funktelefon die Nummer des Büros in Ystad. Aber Robert war bereits nach Hause gegangen. Sie lauschte seiner Stimme vom Anrufbeantworter, die mitteilte, daß Åkerbloms Immobilienvermittlung über das Wochenende geschlossen bleibe, am Montag morgen um acht aber wieder öffne.
Zunächst wunderte sie sich darüber, daß Robert so zeitig nach Hause gegangen war. Aber dann fiel ihr ein, daß er sich an diesem Nachmittag mit ihrem Wirtschaftsprüfer treffen wollte. Sie sprach auf das Band: "Hej, ich schau mir nur noch ein Haus bei Krageholm an, dann fahre ich nach Ystad. Es ist jetzt Viertel nach drei. Um fünf bin ich zu Hause." Dann klemmte sie das Mobiltelefon wieder in die Halterung. Es war ja möglich, daß Robert nach seinem Gespräch mit dem Wirtschaftsprüfer noch einmal ins Büro zurückging.
Sie nahm eine Plastikmappe vom Sitz und suchte die Geländeskizze heraus, die sie nach der Beschreibung der Witwe angefertigt hatte. Das Haus lag an einer Abzweigung zwischen Krageholm und Vollsjö. Es würde etwa eine Stunde dauern, hinauszufahren, Haus und Grundstück zu besichtigen und dann nach Hause zu kommen.
Sie überdachte ihren Entschluß noch einmal. Das kann warten, sagte sie sich. Ich nehme die Küstenstraße für die Heimfahrt, halte irgendwo und genieße die Aussicht aufs Meer. Ich habe heute schon ein Haus verkauft. Das muß reichen.
Sie summte den Anfang eines Psalms, ließ den Motor an und fuhr aus Skurup heraus. Als sie zur Abfahrt nach Trelleborg kam, änderte sie ihren Entschluß jedoch noch einmal. Weder am Montag noch am Dienstag würde sie dazu kommen, das Haus der Witwe zu besichtigen. Vielleicht wurde die Dame wütend und bot ihr Eigentum einem anderen Makler an? Das konnten sie sich nicht leisten. Die Zeiten waren schon schwer genug. Die Konkurrenz wurde immer härter. Keiner konnte auf angebotene Objekte verzichten, wenn eine Vermittlung nicht gerade völlig aussichtslos erschien. Sie seufzte und bog in die andere Richtung ab. Die Küstenstraße und der Strand mußten warten. Dann und wann schielte sie auf die Skizze. In der nächsten Woche würde sie einen Kartenhalter kaufen, damit sie nicht immer zur Seite schauen mußte, wenn sie die Fahrtroute überprüfte. Aber das Haus der Witwe konnte nicht so schwer zu finden sein, auch wenn sie die Abzweigung, die die Frau beschrieben hatte, noch nicht gefahren war. Die Gegend jedoch kannte sie in- und auswendig. Im kommenden Jahr würden sie und Robert das zehnte Jubiläum ihres Unternehmens feiern können.
Sie erschrak bei dem Gedanken. Schon zehn Jahre. Die Zeit war so schnell vergangen, allzu schnell. In diesen zehn Jahren hatte sie zwei Kinder geboren und zusammen mit Robert hart daran gearbeitet, das Immobilienbüro zu etablieren. Als sie anfingen, herrschten günstige Zeiten, das war ihr klar. Heute wäre es ihnen nicht mehr gelungen, auf den Markt zu kommen. Sie konnte zufrieden sein. Gott hatte es mit ihr und ihrer Familie gut gemeint. Sie würde noch einmal mit Robert darüber reden, ob sie nicht ihre Spenden für "Rettet die Kinder" erhöhen sollten. Natürlich würde er zögern, er sorgte sich mehr um ihre Finanzen als sie. Aber schließlich würde sie ihn überzeugen, wie immer.
Plötzlich merkte sie, daß sie sich verfahren hatte, und bremste. Die Gedanken an die Familie und die zehn vergangenen Jahre hatten bewirkt, daß sie die erste Abzweigung verpaßt hatte. Sie lachte, schüttelte den Kopf und schaute sich um, bevor sie wendete und denselben Weg zurückfuhr, den sie gekommen war. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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