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Der geniale Bergfilmpionier Dr. Arnold Fanck hat die
dramatische Handlung von der Rettung einiger verletzter
Bergsteiger in bis heute unerreichter Weise mit spektakulären
Naturaufnahmen verwoben. Dramaturgisch betrachtet ist
der Piz Palü wohl der Beste der Fanck Filme, denn er hält den
Zuschauer in einem mehr als zweistündigen Spannungsbogen
gefangen. Hieran hat sicherlich der Koregisseur G.W. Pabst
großen Anteil, der auf Anregung der Hauptdarstellerin
Leni Riefenstahl den Film mitgestaltete. Die Fanck'sche
Bildsprache wird durch die 1997 von Ashley Irwin kongenial
komponierte Musik ins wahnhaft Surreale gesteigert. So entstand
ein psychedelischer Alptraum aus Schnee, Sturm, Feuer, tosenden
Eismassen und Tod.
Nahezu jede Einstellung in diesem Film ist, was Bildgestaltung
und Beleuchtung angeht, bis ins Detail beeindruckend
künstlerisch gestaltet. Insgesamt ist dieser Film eine
überwältigendes Kunstwerk aus Musik und Bildern. Genauso, wie
man eine Sinfonie viel öfter hören kann, als man einen Film
ansehen mag, kann man diesen Film zigmal sehen, ohne daß er
seine Faszination verliert. Daher lohnt sich die Anschaffung
dieses Filmes in jedem Falle. Um ihn voll und ganz erfassen zu
können, sollte man allerdings ein gewisses Verständnis für
dramatische Musik des zwanzigsten Jahrhunderts (etwa
Prokofieff's Romeo und Julia) besitzen.
Manche sehen im angeblichen Heroismus der Fanck'schen
Bergdramen eine Wegbereitung für die Nazis. Zumindest im Falle
des Piz Palü Filmes halte ich solche Äußerungen für völlig
daneben, denn dieser Fim zeigt nur schwache, strauchelnde oder
scheiternde Menschen, die sich in den tobenden Naturgewalten,
wenn überhaupt, dann nur knapp behaupten. Und das ist weder
heroisch, noch bereitet es dem Faschismus den Weg.
Mit viel größerer Berechtigung könnte man sagen, daß dieser Film
stalinistische Propaganda ist. Denn der einzige, der im Chaos
am Piz Palu so einigermaßen den Überblick behält, ist der
Bergführer Spring. Und dieser sieht Stalin derartig ähnlich,
daß er jederzeit als Stalins jüngerer Bruder oder sogar als
junger Stalin selbst gelten könnte. Die subtile Botschaft der
soeben enttarnten roten Propagandazelle Fanck/Riefenstahl wäre
dann, daß Stalin für die politischen Wirren der zwanziger Jahre
in Deutschland die Lösung wäre.
Aber das wird natürlich jeder als absurde Fantasterei ablehnen.
Die augenfällige Botschaft dieses Filmes ist vielmehr, daß
jene, die in Übermut und blindem Eifer auf die eigene Kraft
bauen, ums Leben kommen. Hingegen überleben die das Inferno am
Piz Palü, welche, im Bewußtsein der eigenen Schwäche,
bescheiden und demütig auf Gott vertrauen.
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