Handlung (ohne zu viel zu verraten):
Strang 1: Der ehemalige Mount Everest Bergführer Hal Maher lebt als Lawinenforscher in Alaska. Beim Versuch ein älteres Ehepaar vor einem drohenden "Abgang" zu retten geraten er und seine Freundin selbst in höchste Gefahr.
Strang 2: Der erfolgreiche Medienunternehmer Sebastian Turner plant gemeinsam mit dem Bergführer Rick Fielding (ein Freund Mahers) eine Everest Besteigung mit Live Übertragung. Seine Frau Josie - Star der übertragenden Morningshow - unterstützt sein Vorhaben so gut sie kann, muss aber dann miterleben, dass während der Sendung die Verbindung zu den Gipfelstürmern abreißt und nie wieder zu Stande kommt.
Strang 3: Aus kommerziellen, vor allem aber ethischen Gründen, versuchen Josie Turner und Hal Maher selbst eine Besteigung des ME. Doch auch diesmal zeigt der Berg wenig Gnade.
State:
Seit langem hat es kein Buch mehr geschafft mich derart zu fesseln. Zum Glück waren gerade die Osterfeiertage und ich konnte es in einem Rutsch (etwa 9 Echtstunden) durchlesen (Guten Morgen Schatz - du stehst schon auf?).
Unglaublich flüssig und spannend geschrieben kann das Buch vor allem in folgenden Punkten begeistern:
--- Man merkt dem Text an, dass sich der Autor sowohl in Alaska (meinem Zweitwohnsitz) als auch im Hochgebirge auskennt. Seine detaillierten Problem- und Vorgehensbeschreibungen dürften nicht nur Ortskundige/Bergerfahrene gefallen.
--- Die Verhaltensmuster aller Protagonisten sind immer nachvollziehbar, da alle ausführlich in die Handlung eingeführt und vorgestellt werden.
--- Abgesehen von einigen wenigen Abweichungen - die er sich zwecks Action- und Spannungseinlagen gönnt, bzw. die für den Fortgang der Story notwendig sind - hält sich Matt Dickinson an das real Mach- und Vorstellbare. Schonungslos beschreibt er zum Beispiel die Folgen schwerer Erfrierungen (ein Grund warum ich mich mit relativ einfachen Alpengipfeln begnüg(t)e und auch am Denali nur im "sicheren" unteren Teil rumkrebste), zeigt aber auch die ganz normalen Probleme des Extrembergsteigens auf ohne dabei zu langweilen. Wirklich unglaubhaft ist nur das typisch amerikanische Ende, welches wiederum geradezu nach einer Verfilmung schreit.
--- Im Nachwort dankt der Autor ausdrücklich seiner Frau Fiona. Dem schließe ich mich an dieser Stelle an, denn vermutlich ihr ist es zu Verdanken, dass in diesem Roman auch die Gefühlslage der Partnerinnen der Alpinisten - während diese am Berg sind - sehr anschaulich und einfühlsam dargestellt wird.
--- Die unpersönliche Gnadenlosigkeit der Natur(gewalten) wird mehrfach hervorragend beschrieben. Als Beispiel nenne ich hier nur die Passage, in der Fielding kurz vor dem Gipfel den heraufziehenden Sturm bemerkt. Während der eher unerfahrene Turner noch von der Besteigung träumt, denkt Fielding bereits ans nackte Überleben. Im Vergleich für den Zivilisationsmenschen ist es so, als würde man ein Auto auf sich zurasen sehen - ausweichen unmöglich. Nur ist man 2 Sekunden später entweder tot oder schwer verletzt - Retter werden statistisch gesehen nach ca. 13 Minuten eintreffen. Oberhalb einer bestimmten Höhe dagegen ist keine Rettung zu erwarten, der Tod kommt ggfs. langsam, aber unausweichlich.
--- Ganz nebenbei wird Wissenswertes über Planung, Vorbereitung und Durchführung einer Himalaya Expedition vermittelt. Vor allem die Leistung der Sherpas - die eine Besteigung überhaupt erst ermöglichen - wird eingehend hervorgehoben.
Fazit:
Wegen der guten Charakterzeichnungen, dem flüssigen und gut verständlichen Schreibstil, sowie des spannenden Plots ist dieses 443 Seiten lange Buch (Ausgabe 2001) - abgesehen von Spartenfans (z. B. nur Krimi, nur Horror) mit gutem Gewissen jeder "Leseratte" zu empfehlen, unabhängig davon ob er/sie sich für Berge und Natur interessiert.