Für die einen ist die weiße Göttin ein Buch, das die eigene Sicht der Welt nachhaltig verändert, für die anderen ist es esoterischer Humbug. Querdenker Robert Ranke-Graves hatte schon immer glühende Verehrer und auf der anderen Seite Kritiker, Hasser etc..
Ich zähle mich zu der ersten Sorte und für mich ist es ein Buch, das ich mit Begeisterung gelesen habe und dessen Ideen und Anregungen einen immer wieder beschäftigen.
Natürlich wird kein Wissenschaftler an einer Universität Robert Graves in seinen Literaturlisten anführen, dazu ist er viel zu umstritten. Viele seiner Ideen und Vorstellungen befinden sich in Konkurrenz zu der landläufigen Lehrmeinung der Keltologen, Historiker, Archäologen etc.. Einige Kleinigkeiten in diesem Buch würde Robert Graves sicher heutzutage auch anders formulieren, die Forschung blieb ja nicht stehen (oder doch?) und einige Ergänzungen oder Korrekturen wären heute erforderlich. Auch seine größten Kritiker müssen jedoch zugeben, dass seine Methode anhand von Schriften der walisischen Mythologie aus dem Mittelalter Rückschlüsse auf religiöse Vorstellungen in der Vor- und Frühgeschichte zu ziehen meisterhaft ist.
Beschrieben wird in die weiße Göttin die Veränderung religiöser Strukturen auf den britischen Inseln. Dabei werden zahlreiche Parallen zu Mythen von unterschiedlichen Völkern aus dem europäischen, kleinasiatischen und nordafrikanischen Raum gezogen. Die Grundidee von Robert Ranke-Graves ist dabei die Beschreibung des (matriarchalen) Kults der (Mond-)Göttin, die meistens in drei Erscheinungsformen auftrat, und in der Vorgeschichte im gesamten beschriebenen Raum verehrt wurde und deren Kult durch spätere Einflüsse verändert, verfälscht oder zerstört wurde, deren Spuren aber auch heutzutage noch überall in unserer heutigen Kultur, in einigen Märchen, in der christlichen Religion etc. zu finden sind.
Dieses Buch ist absolut nicht leicht zu lesen. Die einzelnen Kapitel bauen zwar ungefähr aufeinander auf, es gibt aber viele Einschübe und Sprünge. Kritischen Menschen, denen es zu einfach ist, die Vorstellungen anerkannter Wissenschaftler nachzuplappern, und die gerne eine alternative Sichtweise der keltischen Mythologie kennen lernen möchten und dazu bereit sind, sich intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzen, denen sei dieses Buch innigst empfohlen.