Bei einem zufälligen Besuch am Plymouth Rock bemerkt Tony Horwitz, dass den meisten Amerikanern - genau wie ihm selbst - nur zwei Jahreszahlen zur Entdeckung und Besiedelung Amerikas geläufig sind: 1492 - die 'Entdeckung' durch Kolumbus - und 1620 - die Ankunft der Pilgerväter. Im Bestreben, mehr über die fast 200 Jahre dazwischen herauszufinden, bereist er zahlreiche historische Stätten, von Neufundland über die Dominikanische Republik und quer durch die USA und erzählt von Wikingern, Konquistadoren, französischen und englischen Siedlern und natürlich Indianern.
Das Buch verbindet die Genres des populärhistorischen Sachbuchs und des Reiseberichts auf mehr als gelungene Weise.
Horwitz schildert zahlreiche erfolglose und erfolgreiche Expeditionen mit großem Sachverstand, mit vielen Fakten, angenehm zu lesen und nachvollziehbar. Dabei greift er vor allem auf Originalquellen zurück und räumt mit vielen Mythen und Fantasievorstellungen über die Geschichte Amerikas und insbesondere der USA auf; so begegnen uns hier ein ganz anderer Kolumbus und durchaus vielschichtigere Konquistadoren als im herkömmlichen Geschichtsbuch. Auch die Geschichten um John Smith und Pocahontas oder die Reise der Mayflower sieht man nach der Lektüre des Buches mit ganz anderen Augen.
Parallel dazu wird Horwitz' Reise zu den historischen Schauplätzen im Stile eines humorvollen und ehrlichen Reiseberichts geschildert. Wir erfahren, wie die geschichtsträchtigen Orte heute aussehen, lernen arbeitslose Wikinger, dominikanische Politiker, Konquistadoren-Schauspieler, indianische Südstaatennationalisten und Mitglieder uralter Herrenklubs kennen und erhalten Einblick in den heutigen Umgang mit der amerikanischen Geschichte. Der auf dem Buchrücken angestellte Vergleich mit einem Road Movie trifft das ganze sehr gut.
Eins der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe - uneingeschränkt empfehlenswert!